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Kein Ende in Sicht: Die Vitaltherme in Schliersee ist ebenso dicht wie Saunawelt und Restaurant. Was dies für den Gemeindehaushalt bedeutet, ist noch nicht absehbar. 

Umsatzeinbußen in der Vitalwelt

„Wir werden keinen in die Insolvenz treiben“

Die Vitalwelt ist seit jeher ein Sorgenbringer für die Gemeinde Schliersee. In Corona-Zeiten noch mehr als zuvor. Die finanziellen Auswirkungen für den Gemeindehaushalt sind kaum abzusehen.

Schliersee – Die Vitalwelt in Schliersee macht zu Corona-Zeiten einen recht trostlosen Eindruck. Das Schwimmbad: geschlossen. Die Saunawelt: dicht. Das Restaurant Charivari: zugesperrt. Lediglich das Osteozentrum hatte offen, seit Kurzem immerhin auch wieder Medius Fitness (wir berichteten). Was das alles für den Haushalt der Gemeinde als Eigentümerin des Gebäudes bedeutet? Völlig unklar, sagt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) auf Anfrage.

Vitalwelt Schliersee: Laufende Kosten kaum zu drücken

Seit Mitte März ist der Betrieb von Bädern und Saunen untersagt. Das heißt natürlich nicht, dass der Gemeinde keine Kosten entstehen. Das Bad muss ja in Schuss gehalten werden. Bekanntlich übernimmt das Monte Mare für die Gemeinde, das die Kosten hierfür der Gemeinde in Rechnung stellt. Die Anlagen müssen weiterlaufen, auch wenn eine Öffnung – wie vergangene Woche bei den Freibädern – derzeit nicht in Sicht ist. Heißt für den Gemeindesäckel: Es kommen keine Einnahmen aus den Eintrittsgeldern rein. Im vergangenen Jahr waren dies in den Monaten April, Mai und Juni über 100 000 Euro. Freilich: Die Personalkosten sind deutlich geringer, weil Monte Mare die meisten seiner Mitarbeiter – wie in Tegernsee – in Kurzarbeit geschickt hat. Doch ob das Rathaus mit dem laut Wirtschaftsplan kalkulierten Jahresdefizit von 187 000 Euro allein beim Betrieb der Vitaltherme hinkommen wird, scheint unwahrscheinlich.

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Verpachtete Flächen in der Vitalwelt: Mietzahlungen wohl gestundet

Das Schwimmbad ist das eine, die verpachteten Flächen in der Vitalwelt das andere. Monte Mare zahlt für die Saunawelt und das Restaurant. In beiden Einrichtungen fehlen derzeit jedwede Einnahmen. Denn auch das Charivari bleibt trotz Lockerungen geschlossen. Ihm gegenüber habe Monte-Mare-Geschäftsführer Herbert Doll wirtschaftliche Gründe angeführt, warum noch nicht einmal das Restaurant geöffnet hat, berichtet Schnitzenbaumer. Eine Anfrage unserer Zeitung an das Unternehmen blieb bislang unbeantwortet. Bekannt ist aber von anderen Gaststätten, dass sich der Betrieb mit Abstandsregeln kaum oder gar nicht rechnet (wir berichteten).

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Was die Pacht betrifft, habe die Gemeinde „sehr großzügig“ gehandelt, sagt Schnitzenbaumer. Sprich: Die Zahlungen wurden offenbar gestundet, so wie es die Bundespolitik vorsieht. Einfach so auf Geld verzichten, das ihr zusteht, das dürfe die Gemeinde nicht, sagt der Bürgermeister. „Wir müssen eine langfristige Lösung finden. Wir wollen sicher keinen Pächter in die Insolvenz treiben.“ Laut Haushaltsansatz belaufen sich die Pachtzahlungen in dem gesamten Gebäude auf knapp 290 000 Euro. Es wird wohl kaum alles schon heuer reinkommen.

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