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Metzger Josef Killer (2.v.l.) präsentiert die mobile Schlachtbox.

Stressfreie Tierschlachtung

Warum Tiere mit dieser Methode beim Schlachten keinen Stress haben

Die Schlachtung mit mobiler Schlachtbox ist eine Innovation im Landkreis Miesbach. Metzger Josef Killer machte den Anfang – und hofft auf viele Nachahmer.

Schliersee Es ist eine schöne Nachricht für alle, die Fleisch essen – in Deutschland also rund 90 Prozent der Bevölkerung. Bei einer Pressekonferenz auf dem Bio-Hof Schwaig in Schliersee wurde gestern die erste stressfreie Schlachtung am Hof vorgestellt. Das ist gewissermaßen ein Durchbruch, denn der gerade von Tierschützern seit Jahren kritisierte Lebendtransport entfällt dadurch.

Durchgeführt hat die Box Metzger Josef Killer. Er tötete Mitte März einen Bio-Ochsen der Familie Hofberger vom Bio-Hof Schwaig – und zwar ohne das Tier leiden zu lassen. „Zunächst locke ich das Tier mit einem Leckerli an und betäube es“, erklärt Killer das Vorgehen. Dann zieht er es mithilfe eines Seils in einen Hänger, um es zu entbluten. Anschließend wird das Tier in der mobilen Schlachtbox geschlachtet. Stressfreier gehe es laut dem Metzger aus Wall nicht.

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„Bei einem Lebendtransport“, fügt Killer hinzu, „sind die Tiere nervös, was sich negativ auf die Fleischqualität auswirken kann.“ Durch diese Methode hingegen sei eine optimale Qualität gewährleistet. Das komme auch beim Verbraucher an.

„Der Kunde möchte wissen, woher sein Fleisch kommt“, beschreibt Landrat Wolfgang Rzehak. Bei der Bevölkerung gebe es jedoch verschiedene Ansichten, was das Fleischessen betrifft. „Es gibt die, die sagen, dass vegan das Einzige für sie ist.“ Anderen wiederum sei es egal, woher ihr Fleisch komme – Hauptsache, der Supermarkt bringe irgendein Siegel auf der Verpackung an. Doch für gutes Fleisch soll Geld ausgegeben werden, „damit man es genießen kann“, findet Rzehak. „Die Qualität ist wichtiger als der Preis.“

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Dem Verbraucher müsse vermittelt werden, dass das Tier vom Hof kommt. „Das ist ganz wichtig für den Landkreis“, erklärt Rolf Oehler, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen. Davon überzeugt, dass der Fleischkonsument in Zukunft mehr Fragen stellen wird, ist Warngaus Bürgermeister und Dritter Landrat Klaus Thurnhuber: „Der Verbraucher will wissen, wo und wie das Tier gelebt hat und wie geschlachtet wurde.“ Eine hohe Wertschöpfung sei enorm wichtig, damit die Betriebe gute Erlöse erzielen und sich erhalten können. Thurnhuber ergänzt, dass nur so das ganze Jahr über gute Fleischqualität gewährleistet werden könne. „Wenn es unser Rinder-Landkreis nicht schafft, schafft es keiner“, bekräftigt Burgi Hofberger vom Bio-Hof Schwaig.

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Eine wichtige Zielgruppe für die Bauern seien vor allem die Gastronomen. „Ihnen müssen wir es schmackhaft machen, was für gutes Fleisch es in unserer Region gibt“, betont Marika Kinshofer, Koordinatorin der Modellregion Miesbacher Oberland. Das weiß auch Thurnhuber: „Sobald wir die Gastronomen ansprechen können, funktioniert es.“

Für Warngaus Bürgermeister hat vor allem eine Sache Priorität: die Verlässlichkeit des Angebots. Thurnhuber: „Es wäre kontraproduktiv, wenn man Kunden jeden dritten Tag sagen müsste, dass man das Fleisch nicht vorrätig hat.“ Eine durchgehende Verfügbarkeit des Angebots sei unverzichtbar.

Weitere Informationen:

Stressfrei geschlachtetes Fleisch gibt es derzeit bei Maria und Josef Berghammer in Gmund. Der Betrieb ist der zweite, der die Schlachtung mit der Schlachtbox von Josef Killer durchführen ließ. Interessenten für Fleischstücke können sich bei Familie Berghammer unter 0 80 22 / 66 03 15 melden. Interessierte Landwirte kontaktieren Josef Killer zur Schlachtbox unter 0 80 22 / 66 17 18 oder Marika Kinshofer unter 0 80 25 / 993 72 22.

Philip Hamm

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