öffentliche Toilette am Schlierseer Bahnhof
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Stilles Örtchen: Die öffentliche Toilette am Schlierseer Bahnhof ist derzeit noch geöffnet.

Brief von „Familie aus dem Landkreis“

WC am Schliersee wegen Corona-Krise zu - Spaziergänger sauer: „Dann gehen wir ins Gebüsch“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Wegen des Coronavirus ist die öffentliche Toilette in der Vitalwelt Schliersee am Wochenende zu. Eine Familie musste nun ins Gebüsch ausweichen - und ist sauer.

Schliersee – Hunger und Durst sind das eine. Was aber, wenn man in diesen Tagen beim Spazierengehen mal dringend aufs Klo muss? Einfach mal schnell ins nächste Lokal hasten geht angesichts der wegen des Coronavirus geschlossenen Gastronomiebetriebe ja bekanntermaßen nicht. Bleiben die öffentlichen Toiletten – wenn die denn geöffnet haben.

Dass man sich darauf nicht verlassen sollte, erlebte eine Familie jüngst an einem Samstag in Schliersee. In einem anonymen Schreiben an das Rathaus schicken die Eltern mit ihren beiden Kindern (sieben und neun Jahre alt) voraus, dass sie aus dem Landkreis stammen: „Da dürfte ein Spaziergang in Schliersee trotz Corona keine Probleme aufwerfen.“ Problematisch wurde das Frische-Luft-Schnappen an besagtem Tag für die Vierergruppe dennoch. Sie fanden keinen Ort, wo der Sohn seine „größere Notdurft“ verrichten konnte.

Eigentlich wähnten sich die Spaziergänger gut vorbereitet. Weil ihnen klar war, dass alle Restaurants und Cafés geschlossen haben, steuerten sie die öffentlichen Toiletten in der Vitalwelt im Kurpark an. Doch statt eines erleichternden Kurzbesuchs blieb es bei einem verzweifelten Rütteln an der Tür. „Es war geschlossen, ohne jeglichen Hinweis, wo sich das nächste WC befinden könnte“, heißt es in dem Schreiben. Da es der Sohn aber nicht mehr länger aushielt, habe er sein Geschäft im Gebüsch verrichten müssen.

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Später, schildert die Familie, habe sie dann von anderen Besuchern erfahren, dass die öffentliche Toilette am Bahnhof nutzbar gewesen wäre. Nur ein geöffnetes WC sei, gerade in Zeiten geschlossener Gaststätten, ein „Trauerspiel“ für einen Fremdenverkehrsort wie Schliersee. „Es macht den Eindruck, als ob es einfach sch...egal ist, wo man in diesen Zeiten seine Notdurft verrichtet“, schreibt die Familie.

Stimmt so nicht, sagt Stefan Stöger, der im Schlierseer Rathaus für die Liegenschaftsverwaltung und damit auch die öffentlichen WC-Anlagen zuständig ist. Drei Toiletten hätten derzeit in Schliersee geöffnet: am Schlierseer und am Neuhauser Bahnhof sowie am Friedhof in Westenhofen. Das Klo im Rathaus sei wegen der Schließung der Verwaltung für den Parteiverkehr derzeit nicht zugänglich. Gleiches gelte für die Vitalwelt – allerdings nur am Wochenende. Werktags seien Mitarbeiter vor Ort und würden die WCs aufsperren. Anfang Mai werde die Gemeinde auch wieder ihre Dixi-Klos an verschiedenen Stellen aufstellen. Besondere Auflagen wegen des Coronavirus würden für die öffentlichen Toiletten übrigens nicht gelten, erklärt Stöger. „Wir haben eine Reinigungsfirma, die die Anlagen jeden Tag sauber macht.“

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Für berechtigt hält der Rathausmitarbeiter den Einwand der Familie, dass die Gemeinde zumindest ein Hinweisschild an der Vitalwelt anbringen könnte. Dies werde in Kürze erfolgen, verspricht Stöger. Er habe die Bitte an die Gästeinformation weitergeleitet, die sich so schnell wie möglich darum kümmern werde. Generell verweist das Rathaus aber auch nochmals auf die Regeln im Rahmen der Ausgangsbeschränkung, wonach Spaziergänge nur im Umfeld der eigenen Wohnung zulässig seien. Vorteil: „Dann kann man auch da aufs Klo gehen.“

Die betroffene Familie will sich sicherheitshalber noch anders für die Toilettenprobleme wappnen: „Wir nehmen Tempos mit.“ Klopapier ist ja auch Mangelware.

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