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Wegen Wegepflege am Spitzingsee: DAV München wehrt sich gegen Kurbeitrag auf Hütten

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Von: Sebastian Grauvogl

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 Thomas Gesell von der DAV-Sektion München und Claudia Essendorfer, Wirtin der Schönfeldhütte
Hängen die Protestschilder auf: Thomas Gesell (l.) von der DAV-Sektion München und Claudia Essendorfer, Wirtin der Schönfeldhütte. Foto: DAV © DAV München

Weil sie den Wegeunterhalt im Spitzinggebiet finanziert, will die DAV-Sektion München ihre Hüttengäste vom Kurbeitrag befreien. Die Gemeinde will keine Ausnahme zulassen.

Spitzingsee – „Gepflegte Wanderwege ja, Doppelbelastung nein“: 20 Schilder mit diesem Spruch hat die Alpenvereinssektion München an den Wanderwegen rund um die Albert Link- und die Schönfeldhütte im Spitzinggebiet aufgestellt. Hintergrund der Aktion ist der Kurbeitrag, den die Übernachtungsgäste der beiden Hütten bezahlen müssen. Bei rund 11 000 Übernachtungen überweise man im Schnitt rund 20 000 Euro pro Jahr an die Gemeinde. Geld, das die Sektion München lieber in den Unterhalt des 14 Kilometer langen Wegenetzes in ihrem Zuständigkeitsbereich stecken würde, meint Hüttenbetreuer Thomas Gesell. Diese Maßnahmen, die mehrere Tausend Euro pro Jahr kosten würden, stemme man derzeit allein aus den Mitgliedsbeiträgen und mit vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden.

„Die Doppelbelastung aus Kurtaxe und Wegeunterhalt ist aus unserer Sicht ungerecht“, sagt Markus Block, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Sektion München kümmert. Da man seit 2017 trotz mehrfacher Gesprächsangebote in Richtung Rathaus und Gemeinderat nicht weitergekommen sei, habe man sich nun für die Aktion mit den Schildern entschieden. Darauf bittet die Sektion die Wanderer, sich per Mail an die Gemeinde für eine Befreiung der beiden Hütten von der Erhebung des Fremdenverkehrsbeitrags einzusetzen. Gäste, Einheimische und auch der Naturschutz würden gleichermaßen von den Pflegemaßnahmen profitieren. „Es kann aber nicht sein, dass wir alleine die Last für alle schultern sollen“, sagt Block.

Gemeinde hat Kurbeitragssatzung auf Berghütten ausgeweitet

So habe die Gemeinde einst den Geltungsbereich der Kurbeitragssatzung auf das gesamte Gemeindegebiet und damit auch auf die Berghütten ausgeweitet, die Wegesanierung allerdings weiter dem DAV überlassen. Man habe kein Problem damit, dass alle Gäste in der Marktgemeinde in den Genuss der Unterhaltsmaßnahmen kommen, betont Block. „Wir stehen aber nicht dazu, dass unsere Hüttengäste durch ihren Aufenthalt am Berg die Infrastruktur im Tal mitfinanzieren sollen.“

Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer hat für die Kritik kein Verständnis. Nicht die Sektion zahle den Kurbeitrag von zwei Euro pro Nacht, sondern die Gäste. Mit den Einnahmen würden auch viele Einrichtungen im Ortsteil Spitzingsee finanziert, etwa die öffentlichen Toiletten, die kostenlosen Busse und diverse Müllstationen. „Auch die Hüttengäste des DAV kommen mal ins Tal und nutzen die dortige Infrastruktur“, sagt Schnitzenbaumer. Ausnahmen von der Kurbeitragssatzung seien grundsätzlich nicht möglich. „Wir können nicht aufrechnen, ob jemand die mit dem Kurbeitrag finanzierten Einrichtungen nutzt oder nicht“, sagt Schnitzenbaumer. Ein angebliches Altrecht auf eine Ausnahme habe die Sektion München nicht vorlegen können, ergänzt Kuramtsleiter Mathias Schrön.

Bürgermeister kann Kritik nicht nachvollziehen

Dass sich die Sektion beim Wegeunterhalt alleingelassen fühlt, wundert Schnitzenbaumer. Es sei Fakt, dass sich der DAV ab einer Höhenlage ab 1000 Meter aufwärts darum kümmere. „Dafür gibt es Fördergelder.“ Trotzdem unterstütze die Gemeinde die Sektionen mit Bauhofleistungen in Form von Arbeitsstunden, Maschinen oder Material. Bislang habe es nie Differenzen mit den beteiligten Sektionen gegeben. „Das läuft in gegenseitigem Einvernehmen“, betont er. Dass sich nun ausgerechnet die Münchner als eine der finanzstärkeren Sektionen beklage, irritiert ihn. Zumal man den Beteiligten angeboten habe, einen Zuschussantrag an den Gemeinderat zu stellen, ergänzt Schrön.

Gesell hingegen spielt den Ball zurück ans Rathaus. In anderen Gebieten (etwa im Watzmann- oder Wettersteingebirge), in denen die Sektion Hütten besitzt, würde keine Kurtaxe erhoben. Eine generelle Befreiung erwarte man nicht, betont Gesell. Ziel sei es lediglich, dass die Kosten für Pflegemaßnahmen auf den Fremdenverkehrsbeitrag angerechnet werden. Damit würden nur die Schutzhütten, in deren Zuständigkeit der Wegeunterhalt falle, profitieren.

Solange man aber keine Einigung erziele, werde man größere Maßnahmen vorerst aufschieben, kündigt die Sektion München an. Etwa die rund 55 000 Euro teure Sanierung der beliebten Route zwischen Taubensteinbahn und Rotwand. Dass sich andere Sektionen bislang nicht beschwert haben, ist für Gesell kein Argument. „Wir machen halt den Mund auf.“

sg

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