Treffpunkt „Demo-Zaun“: (vorne v.r.) BBV-Kreisobmann Hans Hacklinger, Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (mit Papp-Wolf), BUND-Kreisvorsitzender Manfred Burger, Vize-Kreisbäuerin Andrea Rieder, AVO-Wolfsbeauftragte Brigitta Regauer und CSU-Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan beim Pressetermin in der Valepp.
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Treffpunkt „Demo-Zaun“: (vorne v.r.) BBV-Kreisobmann Hans Hacklinger, Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (mit Papp-Wolf), BUND-Kreisvorsitzender Manfred Burger, Vize-Kreisbäuerin Andrea Rieder, AVO-Wolfsbeauftragte Brigitta Regauer und CSU-Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan beim Pressetermin in der Valepp.

„Oberbayern ist nicht Transsilvanien“

Weideschutzzäune gegen den Wolf? Almbauern am Spitzingsee warnen vor „Vergitterung“

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Ein Zaun um die Weide –und schon ist die Herde sicher vor dem Wolf. Was auf dem Papier plausibel klingt, hätte in der Praxis gravierende Auswirkungen. Und davor warnen die Almbauern.

Spitzingsee – Ein brusthoher Elektrozaun auf der einen Seite, ein mannshohes Maschendrahtgitter auf der anderen. Durch diesen Korridor zwängen sich seit gestern Wanderer und Radler zwischen Valepp und Stümpflingbahn-Talstation am Spitzingsee. Aufgebaut hat den 30 Meter langen „Demo-Zaun“ die Almbauerngemeinschaft Rote Valepp. Er soll der Bevölkerung zeigen, was der bei einer Ansiedelung des Wolfes im Landkreis Miesbach notwendige Weideschutz in der Praxis bedeuten würde. Kilometerlange Vorhänge aus Metall, die die Almflächen wie scharfe Grenzen durchschneiden. Von einer „Vergitterung der Landschaft“ sprach etwa Stefan Kloo, Almbauer der benachbarten Spitzingalm.

„Demo-Zaun“ soll Auswirkungen auf Landschaft zeigen

Die Idee zum „Demo-Zaun“ ist in mehreren Besprechungen des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) und des Bayerischen Bauernverbands (BBV) entstanden, berichtete BBV-Kreisobmann Hans Hacklinger. Zur Vorstellung des Projekts haben die Initiatoren Vertreter von Politik, Natur- und Tierschutz sowie Tourismus eingeladen. „Wir wollen, dass sich jeder selbst ein Bild machen kann, was das für unsere Landschaft bedeuten würde“, erklärte Hacklinger. Kreisbäuerin Marlene Hupfauer nahm die Antwort schon mal vorweg: Bleibt der Wolf geschützt, habe die Weidewirtschaft keine Zukunft. „Nicht auf dem Berg, aber auch nicht im Tal.“

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Warum die Schutzzäune nicht funktionieren, liegt für die Almbauern auf der Hand. Zum einen ist da die technische Umsetzung. So müssten die Metallgitter nicht nur hoch genug sein, sondern auch rund 50 Zentimeter tief in den Boden reichen, damit sich der Wolf nicht unten durchgräbt. Eine Herkulesaufgabe angesichts des meist unwegsamen Geländes und der felsigen Böden. Von den Kosten für Anschaffung und Unterhalt ganz zu schweigen. Am meisten jedoch warnten die Landwirte vor den Folgen für die Artenvielfalt. Sollten die Almwiesen derart eingezäunt werden, würden auch andere (teils ebenfalls geschützte) Tiere in ihrem Lebensraum beeinträchtigt. Ja sogar der Mensch wäre betroffen, mahnten die Landwirte. Wanderwege über die Almen würden der Vergangenheit angehören.

Herdenschutzhunde zu gefährlich

Brigitta Regauer, Wolfsbeauftragte beim AVO, ging noch auf eine andere Alternative ein, die den Bauern immer wieder vorgeschlagen wird: Herdenschutzhunde. Damit diese den Wolf vertreiben könnten, müssten sie so scharf sein, dass sie per Gesetz als Waffe gelten. Kein Landwirt sei bereit, das Risiko einzugehen, so einen Hund in einem mit Wanderern frequentierten Gebiet zu halten. „Oberbayern ist nicht Transsilvanien.“

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Gezielte Abschüsse als einzige Lösung

Letztlich, waren sich alle Beteiligten einig, gebe es nur eine Lösung: Die Politik müsse den Schutzstatus des Wolfes herabsetzen, so dass dessen Rudelbildung mit gezielten jagdlichen Eingriffen unterbunden wird. Dies sei in vielen anderen Ländern längst Usus, berichtete Regauer. In einsamen Wäldern, die es auch in Bayern gebe, spreche nichts gegen eine Ansiedelung der Tiere. Almwirtschaftlich und touristisch genutzte Bereiche wie im Landkreis Miesbach müssten hingegen als Weideschutzzonen ausgewiesen werden.

Sollte das nicht passieren, würde Nutzviehhaltung in den Bergen bald der Vergangenheit angehören, machten die Bauern klar. Wie die Landschaft ringsum dann aussehen würde, könnten sich die Beteiligten selbst vorstellen. „Dann“, sagte Regauer und deutete über die sonnigen Almwiesen der Valepp, „wäre hier alles dichter, dunkler Wald.“

sg

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