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Hier soll er hin: das Grundstück an der Breitensteinstraße in Neuhaus, auf dem ein historischer Hof teilweise wieder aufgebaut werden soll.

Hitzige Debatte im Schlierseer Bauausschuss

Weil er einen alten Hof errichten will: Bauherr beantragt Ausnahmegenehmigung

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Darf ein Bauherr größer bauen, nur weil er einen 250 Jahre alten Hof auf seinem Grundstück errichten will? Über diese Frage hat nun der Schlierseer Bauausschuss debattiert.

Schliersee – Dieses Haus hat viel erlebt. Und auch in Schliersee hat es schon eine gewisse Vorgeschichte – obwohl es dort noch gar nicht steht. 250 Jahre alt ist der Hof aus Teisendorf, der auf ein 1700 Quadratmeter großes Grundstück an der Breitensteinstraße in Neuhaus umziehen soll – zumindest teilweise. Und genau diese Tatsache sorgte nun für eine politische Debatte im Schlierseer Bauausschuss.

Der erste Vorstoß in Form einer Voranfrage wurde bereits im Februar 2018 im Gremium behandelt, rief Bauamtsleiterin Birgit Kienast bei der jüngsten Sitzung in Erinnerung. Damals habe man eine Befreiung von den Festsetzungen des im Aufstellungsverfahren befindlichen Bebauungsplans in Aussicht gestellt, da es sich um die Wiedererrichtung eines historischen Gebäudes handle.

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Im nun vorgelegten Antrag auf Baugenehmigung würde die künftig zulässige Grundflächenzahl (Anteil der überbauten Fläche auf dem Grundstück) von 0,25 deutlich überschritten (0,35). In Quadratmeter ausgedrückt sei das Hauptgebäude um 46 Quadratmeter (256 statt 210), die Garage um vier Quadratmeter (54 statt 50) zu groß. Kienast warnte daher vor einer Ausnahme von der bestehenden Veränderungssperre. „Wenn der Antragsteller verkauft, könnte der neue Eigentümer mit diesen Maßen bauen.“

Dass sich der Bauausschuss überhaupt zur Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet entschieden hat, liegt an der Vorgeschichte. So hatte laut Kienast der frühere Eigentümer des Grundstücks einst ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten und Tiefgarage beantragt. Das wollte man angesichts der teilweise denkmalgeschützten Häuser in der Nachbarschaft verhindern. Da würde ein weiterer historischer Hof eigentlich ganz gut hineinpassen, meinte auch der Schlierseer Architekt Johannes Wegmann, der mit der Planung des Projekts beauftragt ist.

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Doch der Tenor im Bauausschuss war ein anderer. Wolfgang Schauer (Ausschussgemeinschaft) störte beispielsweise, dass nur ein Teil des Hofes – nämlich ein Stück des ersten Stocks – tatsächlich historisch ist. „Wenn ein anderer ein normales Haus so bauen würde: Würden wir dann zustimmen?“, fragte Schauer. Diese Frage trieb auch Robert Mödl (Die Schlierseer) um: „Wie soll ich das Leuten erklären, die sich kein historisches Haus leisten können?“ In seinen Augen dürfe man daher einzig und allein die Größe beurteilen, so Mödl. Mehr Toleranz forderte Gerhard Waas (Grüne) ein. Der Grundriss und die Optik des Hauses würden durchaus dem eines historischen Hofs entsprechen. Allerdings empfahl Waas dem Architekten, bei den Nebengebäuden wie Garage oder Remise Platz zu sparen. „Also überall da, wo es nicht um historische Maße geht.“

Wegmann konnte die Argumente am Ratstisch nur teilweise nachvollziehen, wie er auf Nachfrage erklärt. Er findet, man könne eine gewisse Abweichung durchaus rechtfertigen. So habe man aus Rücksicht auf die Natur bewusst auf einen Keller verzichtet. Das bedeute aber, dass nun oberirdisch Platz für Lager oder Technik geschaffen werden müsse. Obendrein werde man mit dem Gebäude ein bestehendes Ensemble aus alten Höfen ergänzen.

Als Zeichen des guten Willens kündigt der Architekt aber an, die Pläne nochmals im Hinblick auf weniger versiegelte Fläche zu optimieren – ohne den Charakter des Hofes zu verlieren. „Das dann noch verbleibende Delta“, ist Wegmann sicher, „sollte man eigentlich gut begründen können.“ Ob das auch der Bauausschuss so sieht, wird sich zeigen. In der vorgelegten Fassung lehnten die Mitglieder das Vorhaben mit 2:5-Stimmen klar ab.

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