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Wanted im Kreis Miesbach: Das Alpenmurmeltier.

Kaum zu glauben, aber wahr:

Weil es so gefährlich ist: Behörde geht gegen Murmeltier vor

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So gefährlich können Murmeltiere sein: Rinder verletzen sich in ihren Löchern, Hütten stürzen ein - und Hänge rutschen ab. Die Behörden wollen deshalb gegen das Pelztier vorgehen.

Landkreis – Gesucht - das Alpenmurmeltier: Kegelförmiger Körperbau, etwa einen halben Meter lang, graues oder braunes Fell. Wer dem Nager auf einem Spaziergang begegnet, muss schnell sein: Die Tiere sind flink und verschwinden meist gleich wieder in den Löchern zu ihren Bauten. Was für den einen witzig aussehen mag, kann für den Almbauer und sein Vieh zu einem Problem werden. Im schlimmsten Fall zu einem lebensgefährlichen.

Murmeltier-Bauten im schlimmsten Fall lebensgefährlich

Das Revier eines Murmeltiers lässt sich an den vielen Löchern und Erdhaufen erkennen. Die Kümpflalm auf 1504 Metern Höhe im Rotwandgebiet ist ein gutes Beispiel dafür. Auf der Fläche von 100 Hektar zählt Almbauer Nikolaus Schreyer aus Fischbachau mindestens 120 Löcher. Das mag nicht nach einer großen Anzahl klingen, doch an einigen Stellen treten die Löcher gehäuft auf. Rinder können hinein treten, das Gras wächst an diesen Stellen nicht mehr - und bei extremer Häufung kann gar der Hang abrutschen.

Hier wird das Murmeltier zur Plage: Almwiesen rund um die Kümpflalm im Rotwandgebiet.

Nager haben sich zu rasch vermehrt

Schreyer ist Bezirksalmbauer im Raum Miesbach. „Wir sind nicht gegen die Murmeltiere“, stellt er klar. Schließlich lebe er seit rund 25 Jahren mit ihnen auf der Alm zusammen. Doch in den vergangenen Jahren hätten sich die Nager rasch vermehrt. „Die graben riesen Löcher heraus“, sagt Schreyer. Er befürchtet, dass bei Starkregen der Hang abrutschen könnte. Außerdem graben sich die Tiere auch unter seiner Hütte hindurch. „Das Gebäude kann irgendwann einstürzen.“ Er hat mit dem Landratsamt, mit Gebietsbetreuer Marco Müller, Kontakt aufgenommen. Eine Lösung soll gefunden werden.

„45 Prozent der Eingänge werden nicht mehr benutzt“

Deshalb wird Müller mit acht Vertretern der Computer-Firma Integrium GmbH der Alm einen Besuch abstatten. Ein Mitarbeiter von Integrium stammt aus dem Landkreis und hat angeregt, bei der Aktion zu helfen und so etwas für die Umwelt zu tun. „Einige Bereiche von Almen sind durchlöchert“, bestätigt er. Am 10. Juli soll an der Kümpflalm eine sogenannte Umwelt-Baustelle eingerichtet werden – ein Versuch, um Schreyer zu helfen. Ein Teil der Löcher der Murmeltiere soll verschlossen werden. „45 Prozent der Eingänge werden nicht mehr benutzt“, sagt Müller, der sich die Situation vor Ort angesehen hat. Verlassene Löcher erkenne man daran, dass sie stark zugewachsen sind. Die wollen Müller und seine Helfer mit der ausgehobenen Erde wieder verschließen. So sinkt das Risiko, dass andere Tiere in die Löcher steigen und sich die Beine brechen.

„Die Viecher sehen die Löcher zu spät und treten hinein

Auf Schreyers Alm ist das vor Jahren schon passiert. „Die Viecher sehen die Löcher zu spät und treten hinein“, sagt er. Dabei können sie sich etwas brachen. Das Problem: Das Rind muss ins Tal gebracht werden, doch meist sind die Stellen mit Transporter oder Hubschrauber nicht zugänglich. In solchen Fällen bleibt dann nur die Möglichkeit, das Tier umzubringen. Und da es zu lange dauere, bis das Fleisch gekühlt werden könne, bleibe dem Almbauer nur die Kadavertonne.

„Langfristig müssen wir uns mit der Zahl der Murmeltiere etwas überlegen“

Oft brechen sich die Rinder nichts, sondern verknacksen sich nur den Fuß. „Es ist für den Bauer schwer nachweisbar, warum ihre Kuh humpelt“, sagt Müller. Eine direkte Kausalität zwischen den Vorfällen und den Murmeltieren habe er noch nicht beobachtet. Dennoch nimmt er die Sorgen der Almbauern ernst. Schreyer ist nicht sicher, ob die Umweltbaustelle da der richtige Ansatz ist. „Langfristig müssen wir uns mit der Zahl der Murmeltiere etwas überlegen“, sagt er.

„Vor 15 Jahren hatten wir auch schon mal extrem viele“

Schreyer hat sich schon an die Untere Jagdbehörde gewandt. „Es ist hier verboten, die Murmeltiere abzuschießen.“ Anderswo, beispielsweise bei den Nachbarn in Österreich, ist es erlaubt. Als in den 1950er Jahren die Liste der jagbaren Tiere neu aufgestellt worden war, fiel das Murmeltier heraus. Man war davon ausgegangen, der Bestand habe sich verringert. Das kann auch sein, die Zahl der Tiere schwankt. „Vor 15 Jahren hatten wir auch schon mal extrem viele“, sagt Schreyer. Es kam ein kalter Winter und viele der Nager überlebten nicht. Jetzt scheinen sie wieder da zu sein und erschließen sich ihren Lebensraum zurück.

So lebt das Alpenmurmeltier

Das Alpenmurmeltier ist etwa 40 bis 50 Zentimeter groß, hat graues oder braunes Fell und fühlt sich in den Bayerischen Alpen, den Kalkalpen und den Zentralalpen wohl. „Die meisten Leute finden die recht lustig“, sagt Christine Miller aus Rottach-Egern, die Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern. 

Sie kennt sich mit Murmeltieren aus. Der Verein begleitet nämlich das Projekt von Stephanie Weiler, einer Studentin aus Wien, die das Vorkommen der Murmeltiere zwischen Berchtesgaden und dem Allgäu untersuchen will. „In ganz Bayern gibt es keine Kartierung“, sagt Miller, die selbst an der Uni für Bodenkultur in Wien arbeitet. Sie sagt, es gebe große Lücken in der Verbreitung der Nager. 

Der Hauptgrund ist dabei wohl das Wetter. In einem ganz kalten Winter sterben viele der Murmeltiere. Denn bei ihrem Winterschlaf rotten sich die Tiere zu einer Pyramide zusammen, die Jungtiere ganz unten. Sind es zu wenige Tiere und ist der Winter zu kalt, überstehen sie die Zeit nicht. „Wenn es aber in einem Gebiet für sie passt, besiedeln sie das sukzessive“, sagt Miller. 

Sie sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Gräsern und Kräutern. Hin und wieder greifen sie aber auch auf tierisches Eiweiß durch Insekten zurück. Sie sind tagaktiv und leben in Gruppen mit bis zu 20 Murmeltieren. Wenn die Bauten sowieso nicht mehr bewohnt sind, sei es kein Problem, die Eingänge zu verschließen, sagt Miller. Da sollte man aber sichergehen. 

„Im Mai wachen die Tiere aus dem Winterschlaf auf und zeugen Nachwuchs.“ Heißt: Die Kleinen sind jetzt noch jung und befinden sich oft innerhalb der Höhlen. „Es wäre fatal, wenn man ein Junges eingräbt“, sagt Miller. Es gäbe außerdem die Möglichkeit, die Murmeltiere zu fangen und umzusiedeln. Stephanie Weiler will mit ihrem Projekt feststellen, wo die meisten der Nager leben und wo keine. Dazu hat sie schon die Almbauern um Mithilfe gebeten. Wer außerdem ein Murmeltier gesehen hat, kann dies dem Kartierungs-Projekt melden unter www.murmel.bayern.

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