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Ein weiteres Mal überklebt: die Annaberg-Gedenktafel an der Weinberg-Kapelle.

Annaberg-Gedenktafel

Weinberg: Fortschritte nur hinter den Kulissen

Über ein Jahr lang war rein gar nichts zur Zukunft der Annaberg-Gedenktafel am Schlierseer Weinberg zu hören. Auf Anfrage berichten Bürgermeister und Pfarrer nun über den Stand der Dinge.

Schliersee – Das Vorgehen zum Umgang mit der Annaberg-Gedenktafel hatte für Lob und Aufmerksamkeit gesorgt. Sechs Vorträge, eine Exkursion sowie diverse Sitzungen eines Entscheidungsgremiums gab es, am Ende stand unter anderem eine Pressekonferenz, auf der Pfarrei und Gemeinde ankündigten, sich den Ort zu eigen machen zu wollen. Auch den entscheidenden Tag, den 21. Mai, wollte man nicht jenen rechten Gruppierungen überlassen, die viele Jahre lang zum Gedenken an gefallene Kämpfer des Freikorps Oberland nach Schliersee kamen. Die Umsetzung bisher geschah von außen betrachtet eher halbherzig. Zwar gab es jeweils Andachten, so auch vergangenen Donnerstag, doch einen näheren Zusammenhang mit dem Tag suchte man in der Ankündigung vergeblich. Vergangenes Jahr war zudem zeitgleich eine Gemeinderatssitzung angesetzt und somit die Politik nicht vertreten.

Zumindest was heuer betrifft, hat Pfarrer Hans Sinseder eine Erklärung: „Wir dürfen Gottesdienste derzeit nur mit 50 Menschen abhalten.“ 49 seien da gewesen. Eine größere Ankündigung hätte den vorgegebenen Rahmen gesprengt.

Hinter den Kulissen sei auch weiter an der Neugestaltung der Tafel und des Umfelds gearbeitet worden, so Sinseder weiter. Der Gaißacher Künstler Erwin Wiegerling habe eine Gestaltung erarbeitet, die sowohl bei den kirchlichen als auch den gemeindlichen Entscheidungsträgern auf Zustimmung gestoßen sei. Wie angekündigt, soll der Blick auf die Tafel an der St. Georgs-Kapelle durch eine weitere Tafel gestört werden, auch wenn die Inschrift sichtbar bleibt. In der Umgebung sollen auf weiteren Tafeln die geschichtlichen Hintergründe beleuchtet werden – zu den Vorkommnissen 1921, zum Freikorps Oberland, den Denkmälern, den problematischen Gedenken.

Wie Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) auf Anfrage mitteilt, hat der Gemeinderat seine Hälfte der Finanzierung, 15 000 Euro, bereits bewilligt. Nun gelte es, so Sinseder, „die Absprache mit der Gemeinde zu fixieren“. Grund: Der Weinberg gehört, von der Kapelle abgesehen, der Gemeinde. Ferner sei auch der Denkmalschutz anzuhören, so Sinseder. Manches sei noch zu erledigen, aber „wir wollen demnächst den Auftrag erteilen“. Flankierend dazu will die Pfarrei ein paar Renovierungsarbeiten an der Kapelle selbst vornehmen. Die Spuren des wiederholten Besprühens sind immer noch zu sehen. Auch heuer traten wieder Kritiker der Tafel auf den Plan. Ende Februar wurde die Tafel abermals überklebt und mit dem Schriftzug „Nie wieder Faschismus“ überschrieben. Der Prozess zum neuen Umgang hat sich offenbar nicht überall herumgesprochen. Auf dem Weinberg selbst deutet nichts mehr darauf in. Einst hing dort immerhin ein Kasten mit Flyern. Die öffentliche Kommunikation: vor einem Jahr abrupt beendet.

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Was Schliersee unbedingt vermeiden möchte, sind Szenen wie 2008, als eine große Demo durch den Ort zog, die sich gegen das rechte Gedenken wendete. Nächstes Jahr nun jährt sich der Tag, an dem Freikorps-Kämpfer beim Sturm auf den Annaberg in Schlesien ums Leben kamen, zum 100. Mal – was womöglich öffentlichkeitswirksame Auftritte entsprechender Interessenvertreter – links wie rechts – hervorrufen könnte. An diesem 21. Mai 2021 aber wollen sich die Schlierseer endgültig des Gedenkorts bemächtigen – mit der offiziellen Einweihung des neuen Tafelumfelds.

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