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Tourist Scouts wie Christine Pröglhöf (2.v.r.) waren dank einheitlicher Kleidung als Ansprechpartner gut erkennbar und kamen bei Besuchern gut an.

Schliersee

Zu wenig Unterstützung: Tourist Scouts lösen sich auf

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Schliersee - Es ist das stille Ende einer großen Idee. Weil sich niemand für den Vorstand gefunden hat, haben die Mitglieder bei ihrer Versammlung am Dienstagabend einstimmig beschlossen, den Verein der Schliersee Tourist Scouts aufzulösen.

Das Konzept einer mobilen Gästebetreuung, bei dem Besucher und Touristen unter anderem am Bahnhof von einheimischen Freiwilligen in Empfang genommen, informiert und gelotst werden, konnte sich somit nicht etablieren. Zum Ende des Pilotprojekts, das ambitioniert vor fünf Jahren gestartet worden war, sprach unsere Zeitung mit dem Vorsitzenden Robert Salzl (75).

Herr Salzl, die Idee der Tourist Scouts hat für Aufsehen gesorgt und viel Lob bekommen. Warum geht sie jetzt so einfach ein?

Robert Salzl: Es ist ohnehin schwer, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich einsetzen und für andere etwas tun wollen. Das ist letztlich auch unser Problem gewesen. Wir haben es nicht geschafft, eine Nachfolgeregelung zu finden, da alle aus privaten und beruflichen Gründen schon seit einiger Zeit angekündigt haben, ihren Einsatz für den Verein nicht mehr wahrnehmen zu können. Auch für uns war klar, das nicht unbegrenzt zu machen, denn wir haben selbst keine Gäste. Wir wollten vielmehr Starthilfe geben für jene, die Gäste haben und vom Tourismus profitieren.

Woran liegt das?

Robert Salzl: Letztlich hatte niemand Zeit – was ich sogar nachvollziehen kann. Wie soll sich beispielsweise ein kleiner Gastwirt hier engagieren? Personal, das er freistellt, kostet ihn Geld, und Familienmitglieder sind fest im eigenen Betrieb eingeplant.

Was ist mit Institutionen wie dem Fremdenverkehrsverein, Gewerbeverband oder der gemeindlichen Gäste-Info?

Robert Salzl: Wir haben auch versucht, diese an Bord zu holen – leider ohne Erfolg. Beim Gespräch mit der Gemeinde war die Resonanz zurückhaltend. Dabei wären die Scouts gerade bei der Gäste-Info gut aufgehoben, denn die Scouts sind ja nichts anderes als eine mobile Form einer Tourist-Info. Letztlich hätten wir mehr Leute und Mitglieder gebraucht – wenn schon nicht aktiv draußen vor Ort, dann zumindest als finanzielle Helfer. Am Schluss hatten wir etwa 20 Scouts, aber das war nicht genug, um eine ständige Präsenz zu gewährleisten.

Und Kräfte zu bezahlen war zu teuer, oder?

Robert Salzl: Ja, vor allem bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Das kann der Verein nicht stemmen. Die finanzielle Ausstattung war zu gering.

Wie geht’s jetzt weiter? War’s das jetzt?

Robert Salzl: Das wird sich zeigen. Der Verein wird aufgelöst, aber wir haben auch schon Mitglieder, die das bedauern und trotzdem weitermachen wollen. Dem steht ja nichts entgegen. Es muss ja auch kein Verein sein, mit dem man die Tourist Scouts organisiert. Uns erschien das damals lediglich als einfachster Weg. Heute wissen wir zumindest: Wir haben die Idee ausprobiert, und sie ist gut.

Wünschenswert wäre eine Fortsetzung der Tourist-Scout-Idee aus Ihrer Sicht

schon, oder?

Robert Salzl: Auf jeden Fall. Ich habe ja Kontakte in Europa und kann nur sagen: Die Idee hinter den Tourist Scouts wird immer mehr gesehen. Das ist ja auch nachvollziehbar. Der Gast ist fremd, kennt sich nicht aus. Da ist es doch ein gutes Gefühl, wenn jemand am Bahnhof oder Flughafen da ist und hilft. Die Tourist Scouts sind genau genommen ein Marketing-Instrument. Damit wollten wir es auch schaffen, aus Tagesausflüglern Übernachtungsgäste zu machen. Wir haben es aber nicht geschafft, dass auch die Nutznießer am Ort mitmachen.

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