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Das waren noch Zeiten: Am Oberen Lochgraben Im Taubensteingebiet stand einst ein Skilift, ein Bild von 1974. Die Piste wirkt verlockend.

Wintersport anno dazumal

Wer kennt sie noch? Das sind die verschwundenen Skipisten in der Region

Sie lockten die Wintersportler in Scharen an und brachten Weltklasse-Skifahrer hervor – dann gerieten sie in Vergessenheit: die Skilifte und -pisten im Schlierach-/Leitzachtal.

Verschwundene Pisten und Lifte: Einst gab es für Skifahrer deutlich mehr Sportgelegenheiten im Schlierach-/Leitzachtal.

Schlierach-/Leitzachtal – Internationale Skirennen am Rauhkopf? Schlierseer Meisterschaften auf der Oberleiten? Riesenslalom auf dem Birkenstein? Das muss lange her sein. Ist es auch, wie unser Blick in die Geschichtsbücher – ohne freilich Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – zeigt.

Taubensteinbahn

Von „professionellen Wettkampftourismus“ spricht Michael Wörfl, Vorsitzender vom Skiclub (SC) Schliersee, wenn er sich an die Zeit der Taubenstein-Kabinenbahn (1) am Spitzingsee zurückerinnert. Man schrieb das Jahr 1972, als das damalige „Highlight“ der Schlierseer erbaut wurde, wie Georg Attlfellner es nennt. Der 92-Jährige war selbst zwölf Jahre lang Vorsitzender des Skiclubs und am Zustandekommen des Projektes maßgeblich beteiligt. Das Sponsoring übernahm größtenteils die Hypo-Vereinsbank. Der SC Schliersee hatte damals nur eine kleine Beteiligung.

Den Bau der Kabinenbahn mitsamt der zugehörigen Schlepplifte am Lochgraben und Rauhkopf übernahm eine Firma. Um die Abfahrten kümmerten sich die ehrenamtlichen Helfer des SC. „Es war eine Heidenarbeit“, erinnert sich Attlfellner. In zwei Jahren wurden die Strecken homologiert – also geebnet und ausgeholzt. Größere Felsen wurden gesprengt. Hinzu kam das Verlegen von Leitungen sowie der Bau eines Start und Zielhauses.

Bereits 1973 fanden am Rauhkopf erste internationale FIS-Rennen statt, welche bis 1979 jährlich abgehalten wurden. „Danach hieß das Weltcup, und der wäre für uns mit zu vielen Vorschriften verbunden gewesen,“ erklärt Attlfellner. Trotzdem war in den Folgejahren genug geboten am Taubenstein: 1980 die Internationale Deutsche Meisterschaft, 1981 die Deutsche Jugendmeisterschaft und 1989 die Internationalen Bayerischen Meisterschaften. Nicht zu vergessen die unzähligen Betriebs-, Behörden- und Vereinsmeisterschaften, für die die fleißigen Helfer vom Skiclub jedes Wochenende und teils auch unter der Woche auf den Berg mussten.

2015 fand die Taubenstein-Wintersport-Ära ihr trauriges Ende. Aus wirtschaftlichen Gründen fährt die Bahn seither nur noch im Sommer, die Lifte am Rauhkopf und Lochgraben sind abgebaut. „Das ist wirklich schade, wir haben die Abfahrten für die Kinderausbildung und zum Trainieren genutzt“, bedauert Wörfl.

Ganz aus dem Rennen sind die Strecken freilich nicht. Doch wer mit den Skiern runter will, der muss sie auch selbst hochbringen. „Es wird schon noch genutzt, ist aber kein Vergleich zu früher.“ Auch Attlfellner schaut der Bahn mit einem weinenden Auge nach. „So lange die noch lief, war der Taubenstein unser Hausberg.“ Nicht nur für die Skiclubler, sondern auch Spitzensportler: Markus Wasmeier und Rosi Mittermaier waren öfter auf den Rennstrecken unterwegs.

Oberleiten-Lift

Ein weiteres Übungsgelände hatten die Schlierseer bereits mit dem Abbau des Skilifts Oberleiten-Unterleiten (2) 1974 verloren. Zwanzig Jahre lang hatte sich dieser großer Beliebtheit erfreut und war Schauplatz vieler Marktgemeinde- und Betriebsmeisterschaften. „Damals wurden auch oft kleine Schanzen für die Kinder gebaut“, weiß Attlfellner. Als die Grundeigentümer dann kündigten, wurde der Lift als Verbindung von der Oberen zur Unteren Firstalm verlegt, konnte sich da jedoch nicht bewähren.

Brecherspitz-Lift

Immerhin 43 Jahre lang hielten sich der Freudenreich- und der Brecherspitzlift (3), die beide 1950 erbaut wurden. Der Betrieb wurde jedoch eingestellt, weil das Sudelfeld, wie Wörfl sagt, eindeutig zur Präferenz der Skifahrer geworden sei. Der endgültige Abbau der beiden Schlepper erfolgte 1997.

Birkenstein-Abfahrt

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es auch in Fischbachau (4) eine kleine „Sensation“ für die Einheimischen, erinnert sich Archivarin Kathi Reisberger aus Birkenstein. Die „Ries“ nahe der Wallfahrtskapelle war keine offizielle Piste – es gab wie bei manch anderen Skibergerln auch keinen Lift – und doch wurden dort regelmäßig kleine Ski- und Schlittenrennen ausgetragen. Bis etwa 1960 gab es Torlauf, Riesenslalom und sogar die ein oder andere Sprungschanze. Mit der Zeit wurden jedoch die Pisten am Spitzing und Sudelfeld immer begehrter. Nicht nur der Größe wegen, sondern auch weil es dort Lifte gab. Und so fand auch die „Ries“ schließlich das Ende ihrer Hoch-Zeit.

Skilifte in Geitau

Eine gute Investition machte ein Münchner Augenarzt, der in Geitau auf gepachtetem Grund einen Schlepplift (5) und später zwei Kinderlifte bauen ließ. Denn nicht nur die Einheimischen freuten sich über den kleinen Lift. „In der Anfangszeit waren viele Münchner, Rosenheimer und Ebersberger da“, erinnert sich Josef Rosenberger, dessen Großvater damals Grundeigentümer war. Familien mit Kindern konnten in dem idyllischen Dorf nun auch Skiurlaub auf dem Bauernhof machen. Als der Pachtvertrag 1994 auslief, übernahm Rosenberger den Betrieb persönlich für weitere 20 Jahre.

Seit 2014 ist nun Schluss mit der Pistengaudi in Geitau. „Es gibt zu wenig Schnee, wir hätten in Beschneiungsanlagen investieren müssen“, sagt Rosenberger. Außerdem hätte der Lift überholt werden müssen, unrentabel. Urlaub auf dem Bauernhof gibt es freilich noch – nur halt ohne das „Ski-Tüpfelchen“.

Huberspitz-Lift

Geradezu berüchtigt war der Huberspitz-Hang (6) an der Grenze zwischen Hausham und Schliersee (wir berichteten). Das sehr steile Gelände bedeutete eine echte Herausforderung. Das ist noch heute zu erahnen. Der 1963 gebaute Schlepplift wurde 1991 stillgelegt. Begründung auch damals: Schneemangel.

Von Leah Stefan

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