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Auf dem Rücktransport: Mit einem selbst konstruierten Gespann an ihrem Traktor fahren die Reithamer Burschen den geklauten Maibaum zurück nach Schliersee. Unser Foto zeigt sie zwischen Miesbach und Agatharied.

Rathaus spendiert 300 Liter Bier und Brotzeit

Wie Profi-Diebe: Reithamer Burschen klauen Schlierseer Maibaum

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Sauber und leise haben die Reithamer Burschen bei ihrem Maibaum-Klau in Schliersee gearbeitet. Dabei hatten sie es nicht leicht, den Stamm aus dem Bauhof in Neuhaus zu holen.

Schliersee/Reitham – Echte Profis arbeiten sauber. Und sie kennen alle Tricks. Zum Beispiel, dass die Schlüssel von landwirtschaftlichen Maschinen mit ein bisschen Glück auch ins Zündschloss von Baufahrzeugen passen. „Wir haben einen ganzen Bund mitgenommen“, erzählt Franz Ihle. Mit ihren Universalschlüsseln öffneten die zehn Burschen aus Reitham und Umgebung bei ihrem Maibaum-Klau das Tor zum Bauhof in Neuhaus, wo der 26 Meter lange Stamm für den Xaver-Terofal-Platz in Schliersee lagerte. Auch einige Fahrzeuge parkten die Diebe um. Einen Lader konnten sie starten, einen Unimog schoben sie händisch aus der Bahn. Alles, ohne den kleinsten Schaden zu hinterlassen. „Nur eine einzige Schraubenmutter ist uns verloren gegangen“, sagt Ihle stolz.

Entsprechend lang haben sich die Reithamer auf ihren großen Coup vorbereitet. Schon im Vorjahr hatten sie ein Auge auf den Schlierseer Maibaum geworfen, doch da hatten sie Pech. Weil der alte Stamm wegen einiger Faulstellen überraschend im April umgelegt werden musste, konnte die Gemeinde in der Kürze der Zeit keinen Ersatz mehr beschaffen (wir berichteten). Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer versprach die Wiedergutmachung für 2018. Und schickte damit ungewollt eine Klau-Aufforderung Richtung Reitham.

Eine Woche lang kundschafteten die Burschen die Lagerstätte beim Neuhauser Bauhof aus, berichtet Ihle. In der Nacht auf vergangenen Montag schlugen sie zu. Nachdem sie sich in der Maschinenhalle genug Platz geschafft hatten, schraubten sie vorsichtig die bereits am Stamm montierten Zunftzeichen ab. Dann hievten sie den fünf Tonnen schweren Koloss mit Wagenhebern auf ihre selbst gebaute Anhängerkonstruktion an ihrem Traktor. „Das war schon eine Heidenarbeit“, räumt Ihle ein. Um 22.30 Uhr waren die Burschen angerückt, um 3 Uhr morgens fuhren sie mit ihrem Gespann am Krankenhaus Agatharied vorbei.

Vor Anbruch der Dämmerung war der gestohlene Baum dann sicher versteckt auf dem Bauernhof der Familie Estner in Reitham. In zwei Schichten bewachten die Diebe fortan ihre hölzerne Beute. „Sonst hätten wir in der Arbeit recht kariert aus der Wäsche geschaut“, meint Ihle und lacht.

Parallel dazu machte man sich im Rathaus auf die Suche nach dem Maibaum. Über einen Hackschnitzelunternehmer, der die Heizanlage im Neuhauser Bauhof beliefert, kam schließlich der Kontakt nach Reitham zustande, berichtet Josef Estner, der die Auslöse-Verhandlungen mit dem Schlierseer Bürgermeister führte. Der stand ein bisschen unter Druck, erzählt Estner. „Er hat gesagt, dass es pressiert, weil der Baum noch angestrichen werden muss.“ Der Chef-Verhandler der Reithamer nutzte dieses Ungleichgewicht und trotzte Schnitzenbaumer 300 Liter Bier und eine Brotzeit ab.

Am Donnerstagabend kehrte der Schlierseer Maibaum dann heim in die Marktgemeinde. Wann er dort aufgestellt wird, war am Freitag nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Eines steht aber bereits fest: Die Profi-Diebe sind mit nicht dabei. Ihr Muskelschmalz wird nicht gebraucht, meint Ihle. „Die Schlierseer haben einen Kran.“

Lesen Sie auch: Dieser Maibaum wurde zwei Mal geklaut

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