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Gefragter Ort fürs Ja-Wort: Die Schlierseer St. Sixtus-Kirche erfreut sich auch bei auswärtigen Hochzeitsgesellschaften großer Beliebtheit. Ihr Catering bringen viele selbst mit – zum Ärger mancher Gastronomen im Ort.

Gastronom schimpft: “Und ins Lokal geht keiner“

Wilde Hochzeitsgesellschaften sorgen für Unmut

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Sie heiraten im Rathaus oder in St. Sixtus, blockieren die Parkplätze im Ort – doch im Wirtshaus gehen sie nur aufs Klo. Auswärtige Hochzeitsgesellschaften stoßen in Schliersee nicht nur auf Gegenliebe.

Schliersee – Heiraten am Schliersee liegt im Trend. Immer mehr auswärtige Paare geben sich hier das Ja-Wort. 180 Trauungen von Nicht-Schlierseern hat das Standesamt 2016 gezählt. Die meisten stammen aus dem Großraum München. Die Begleiterscheinungen der meist noblen Hochzeitsgesellschaften freuen aber nicht jeden.

Es klingt wie ein Klischee, kommt aber immer wieder vor: Porsches und Land Rovers machen sich auf den Parkplätzen im Ort breit, und nach dem Tausch der Ringe versammeln sich die aufgetakelten Insassen zum Sektempfang vor der Kirche. „Und ins Lokal geht keiner“, schimpfte Florian Guggenbichler (Die Schlierseer) nun im Gemeinderat. Stattdessen würden sich die feinen Herrschaften an einem eigens bestellten Catering-Kleinbus mit Häppchen stärken. Höchstens zum Toilettengang würden sie sich in sein Café Mesner gegenüber der Kirche bequemen – und den Kunden die Parkplätze klauen.

Dass der Hochzeitsärger überhaupt am Ratstisch zur Sprache kam, lag an einem Antrag der SPD. Die wünschte sich ein öffentliches Toilettenhäuschen am Friedhof. Weniger für die auswärtigen Hochzeitsgesellschaften, sondern vielmehr für die Besucher von Jahrtagen und Beerdigungen, sagte Ernst Höltschl (SPD) zur Begründung seines Vorstoßes. Ins Pfarrhaus dürften die Leute nicht rein, und bis zum Rathaus sei es den meisten zu weit. Weil an der Friedhofsmauer ohnehin eine Wasserentnahmestelle vorhanden sei, könne man hier ein behindertengerechtes Toilettenhäuschen aufstellen. Die Kosten bezifferte Höltschl mit mindestens 70 000 Euro. Die Anlage könne denen auf Autobahnparkplätzen gleichen. „Die sind auch leicht zu reinigen“, sagte Höltschl. Zur Finanzierung schlug er einen Münzeinwurf an der Toilettentür vor. „Vielleicht finden sich ja auch Sponsoren?“

Im Gemeinderat stieß die Idee der SPD auf wenig Gegenliebe. „An der Stelle geht das auf keinen Fall“, sagte Jürgen Höltschl (CSU). „Das schaut aus wie eine Hundehütte.“ Auch Astrid Leitner (CSU) schüttelte heftig den Kopf. „Wir brauchen unser Geld für wichtigere Dinge“, sagte sie. Der Neuhauser Pfarrgemeinderatsvorsitzende Pius Kieninger (CSU) schlug daher vor, zuerst eine WC-Kabine wie die an der Albert-Link-Hütte am Spitzingsee ins Auge zu fassen. „Die sind wesentlich günstiger.“

Die Mehrheit des Gremiums schloss sich Wolfgang Schauers Bitte an, man solle doch zuerst mal mit dem Pfarrer reden, ob dieser nicht die Toiletten im Pfarrhaus an bestimmten Tagen öffentlich zugänglich machen könnte. „Der hat da bestimmt nichts dagegen“, sagte Jürgen Höltschl. Mit 17:3 Stimmen schmetterte der Gemeinderat daher den SPD-Antrag ab.

Mehr Unterstützung erhielt Café-Betreiber Guggenbichler für seine Hochzeits-Schelte. „Da sind teilweise schon sehr schräge Gesellschaften dabei“, sagte Ursula Bommer (Die Schlierseer). Wie Guggenbichler wünschte auch sie sich eine Regelung seitens der Gemeinde.

Dort sieht man die Lage nicht ganz so dramatisch, wie Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) auf Nachfrage unserer Zeitung betont. „Wir forcieren das ja auch aus touristischen Gründen“, sagt er. Dennoch habe das Standesamt eine Bedingung für Trauungen Auswärtiger am Samstag eingeführt. „Da sperren wir nur auf, wenn die Hochzeitsgesellschaft auch in Schliersee feiert“, erklärt Schnitzenbaumer. Schließlich solle das heimische Gewerbe davon profitieren. Zu den kirchlichen Trauungen könne er aber nichts sagen, so Schnitzenbaumer. Pfarrer Hans Sinseder war auf Anfrage unserer Zeitung nicht für eine persönliche Stellungnahme erreichbar. Ein Gespräch über eine Lösung der Toilettenfrage sei aber noch nicht erfolgt, sagt der Rathauschef. „Wir werden das zu gegebener Zeit besprechen.“

Die Toilettenfrage sei für ihn auch nicht das größte Ärgernis, sagt Guggenbichler. Schlimmer seien die oft ganztägig blockierten Parkplätze vor den Gasthäusern. „Die Leute müssen ja nicht unbedingt bei mir einkehren“, sagt Guggenbichler. „Aber irgendwas sollten unsere Gastronomen schon davon haben.“

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