Inhomogene Struktur: Der Schlierseer Ortsteil Neuhaus hat teils sehr viel Grün und ist an anderen Stellen dicht bebaut. Wohin die Reise künftig gehen soll, darüber möchte sich der Gemeinderat nun grundsätzlich einig werden.
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Inhomogene Struktur: Der Schlierseer Ortsteil Neuhaus hat teils sehr viel Grün und ist an anderen Stellen dicht bebaut. Wohin die Reise künftig gehen soll, darüber möchte sich der Gemeinderat nun grundsätzlich einig werden.

Zick-Zack-Kurs soll bald vorbei sein

Wird Neuhaus bald dichter bebaut? Gemeinderat Schliersee will Strategie entwickeln

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Wiesen und Bäume erhalten oder lieber doch mehr Wohnraum schaffen? So ganz sicher waren sich die Schlierseer Gemeinderäte bei zwei Plänen für Neuhaus nicht.

Schliersee – Ein bisschen wie im falschen Film kam sich Anna-Maria Martin bei ihrem Besuch im Schlierseer Gemeinderat vor. Die Architektin des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München war gekommen, um dem Gremium die Entwürfe für zwei Bebauungspläne im Bereich der Waldschmidtstraße in Neuhaus vorzustellen. Vom früheren Gemeinderat habe sie als Arbeitsauftrag mitgenommen, auf den Grundstücken eine maßvolle Nachverdichtung bei gleichzeitigem Erhalt eines Grünzugs und der bestehenden Baulinie zu ermöglichen, rief Martin in Erinnerung. Doch die Wortmeldungen im jetzigen Gremium – vor allem die der Neulinge – gingen plötzlich in eine ganz andere Stoßrichtung.

„Der Grünzug ist teilweise nur Gestrüpp“, meinte etwa Horst Teckhaus (PWG). Und eine gerade Baulinie sei im Ortsbild eher „langweilig“. Auch Philipp Krogoll (Die Schlierseer) konnte den Wert des Pflanzenwerks nicht recht nachvollziehen. Er selbst habe als Kind an der Waldschmidtstraße gewohnt – gefühlt zwischen 40 Fichten. „Ich bin im Dunklen aufgewachsen“, scherzte Krogoll. Für den Plan empfahl er, eher mehr Bebauung zu ermöglichen. „Die infrastrukturelle Erschließung ist ja schon da.“ Und sogar Babette Wehrmann und Gerhard Waas (Grüne) regten an, die Baufenster näher an den Grünstreifen heranzurücken. Die Pflanzen am Dürnbach dürften jedoch nicht angetastet werden, betonte Waas.

Martin wirkte irritiert. Bisher sei es Wille des Gremiums gewesen, eine zweite Baureihe zu verhindern und mehr Grünland zu erhalten. Daran konnte sich auch Jürgen Höltschl (CSU) erinnern. „Erst schimpfen wir, dass alles zubetoniert wird, und jetzt reden wir auf einmal ganz anders.“ Max Leitner (Die Schlierseer) machte sich dafür stark, an dieser Linie festzuhalten. „Wenn wir in Neuhaus alles zubauen, wird Schliersee irgendwann explodieren.“ Außerdem nutze man so nur den Spekulanten.

Die Expertin nahm die Kontroversen zur Kenntnis und gab ihrerseits einen Auftrag an das Gremium zurück. „Sie müssen sich über Ihre Ziele klar werden. Dann versuche ich, sie umzusetzen.“ Ein Wunsch, den Teckhaus bereits bei der Vorstellung von Martins Entwurf für das Geviert Waldschmidtstraße/Freudenreichweg geäußert hatte. Nur immer mit Bezugsfällen zu argumentieren, sei zu schwammig und für die Bürger nicht nachvollziehbar. Krogoll sprach gar von einem „Ziele-Wirr-Warr“.

Genau deshalb habe man ja mit der Aufstellung von Bebauungsplänen begonnen, verteidigte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) das Vorgehen. Das sei auch gut so, entgegnete Waas. Dennoch hinke man immer nur den Bauwünschen hinterher. „Wer reagieren nur auf Druck“, kritisierte Waas. Besser wäre es, einen Rahmenplan zur Ortsentwicklung festzulegen und diesen auch öffentlich zugänglich zu machen. „Dann sind wir einen Schritt voraus und können unsere Entscheidungen der Bevölkerung besser verständlich machen.“

Schnitzenbaumer nahm den Vorschlag auf und schlug vor, das Thema bei der ersten Klausurtagung des neuen Gemeinderats im Oktober auf die Tagesordnung zu setzen. „Da können wir unsere gemeinsame Strategie festlegen. Eine Vorgehensweise, die auch Martin für gut befand. „Mit so einem Leitfaden in der Hinterhand stehen Sie auf jeden Fall gut da.“

Der Planungsverband selbst hatte das Instrument Rahmenplan bereits im Juni 2019 vorgestellt. Es erlaubt einer Gemeinde, städteplanerische Ziele zu formulieren, ohne aufwendige Verfahren anstoßen zu müssen. Eigentlich sollte der Gemeinderat entscheiden, ob er einen solchen Plan erarbeiten will. Das ist offenbar nicht passiert.

Bis übergeordnete Ziele formuliert sind, muss sich Martin erneut an der Stimmungslage des Gremiums orientieren. Gemeindegeschäftsleiter Jörn Alkofer bat sie, eine Planvariante für eine zweite Baureihe vorzulegen. Den Entwurf für den Bereich Waldschmidtstraße/Freudenreichweg billigte der Gemeinderat dafür aber einstimmig.

Dass man den erneuten Meinungsaustausch auch als Chance sehen kann, das stellte Florian Zeindl (CSU) heraus. „Ich finde es gut, dass wir eine konstruktive Diskussion führen“, sagte er. „Denn ich bin selbst noch hin- und hergerissen.“

sg

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