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Taxifahrer filmt wildes Tier auf Bundesstraße in Oberbayern: War es ein Wolf?

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Von: Sebastian Grauvogl

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Schrecksekunde für einen Taxifahrer auf der Bundesstraße 307: Plötzlich saß ein größeres Tier auf der nebligen Fahrbahn zwischen Aurach und Neuhaus. Ein Wolf, ist der Mann überzeugt.

Neuhaus – Die Lichtkegel der Taxischeinwerfer zerschneiden die Nebelsuppe auf der B307. Der Fahrer unterhält sich mit seinen Passagieren, die er am Samstagabend gegen 20.30 Uhr von Aurach aus Richtung Neuhaus chauffiert. Plötzlich taucht etwas Weißes, Pelziges auf der Fahrbahn auf.

Der Fahrer bremst, weicht aus. Im selben Augenblick springt das lebende Hindernis auf seine vier Beine, macht zwei Sätze und verschwindet in der dunklen Böschung. „Ein Wolf!“, ruft der Taxler sofort, „wir haben einen Wolf gesehen!“ Und auch die Fahrgäste, die er gleich launig als „meine Zeugen“ in die Pflicht nimmt, haben keinen Zweifel: „Ja, das war wirklich einer.“

Wolf auf Bundestraße 307: Landesamt für Umwelt prüft Video

Dass es sogar einen digitalen Beweis der möglichen Sichtung des Beutegreifer gibt, liegt an der Kamera des Taxis, die die Fahrt hinter der Windschutzscheibe aufgezeichnet hat. Darauf ist in Zeitlupe zu erkennen, dass das Tier offenbar vor Eintreffen des Autos etwas auf der Fahrbahn gefressen hat. Der Unternehmer hat das Video an unsere Zeitung weitergeleitet – und diese wiederum an die Pressestelle des Miesbacher Landratsamts.

Lesen Sie auch: Almbauern warnen vor Ansiedlung des Wolfes

Nach einer ersten Begutachtung der Größe des Tiers, seiner Bewegungen und möglicherweise arttypischen Verhaltens könne man den Verdacht aber noch keineswegs bestätigen, sagt Pressesprecherin Sophie Stadler. Angesichts des kurzen Ausschnittes sei eine Unterscheidung zwischen Wolf, Hund, Fuchs oder gegebenenfalls sogar Schakal sehr schwierig. Für eine genauere Prüfung habe man das Video deshalb an die Fachstelle Große Beutegreifer des Landesamts für Umwelt (LfU) geschickt. Den dortigen Experten obliege auch die abschließende fachliche Einschätzung. Die konnte das LfU am Montag aber nicht mehr treffen, teilt die Pressestelle auf Nachfrage mit.

Ein Screenshot aus dem Video der Autokamera des Taxis (l.) lässt zumindest die Vermutung zu, dass hier ein Wolf auf der B307 zu sehen ist.
Ist es einer oder nicht? Ein Screenshot aus dem Video der Autokamera des Taxis (l.) lässt zumindest die Vermutung zu, dass hier ein Wolf auf der B307 zu sehen ist. © Screenshot mm

Landratsamt gründete „Task Force Wolf“

Beim Landratsamt ist man seit den vermehrten potenziellen Wolfsnachweise im Sommer sensibilisiert für das Thema, teilt Sprecherin Sophie Stadler mit. So habe man unter der Leitung von Landrat Olaf von Löwis eine hausinterne „Task Force Wolf“ mit Experten von Naturschutz- und Jagdbehörde sowie Veterinäramt und Pressestelle gegründet.

Diese habe eine eigene Internetseite (www.landkreis-miesbach/wolf) erstellt, um die Bürger „umfassend und wertungsfrei“ zu informieren. Parallel habe man die Strukturen geschärft, um von Sichtungen oder gar Rissen Betroffenen schnell einen kompetenten Ansprechpartner zu vermitteln. Mit dem Teamleiter Fachlicher Naturschutz, Josef Faas, habe man einen „wahren Wolfsexperten“ im Amt.

Bürger sollen potenzielle Wolfssichtungen sofort melden

Generell sollten Bürger, die eine mögliche Sichtung großer Beutegreifer (Wolf, Luchs, Bär) gemacht haben, diese sofort an das LfU melden (fachstelle-gb@lfu-bayern.de oder 0 92 81 /18 00 46 40). Außerhalb der Dienstzeiten sei die jeweils zuständige Polizeidienststelle zu informieren. „Es ist wichtig, schnell zu handeln, um mögliche Spuren zu sichern“, betont Stadler. Um auch vor Ort bestmögliche Unterstützung leisten zu können, bittet die Sprecherin, auch das Landratsamt unter wolf@lra-mb-bayern.de in Kenntnis zu setzen. sg

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