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Lachende Gesichter: Cornelia Heinzel-Lichtwark (r.) hat in ihrem Atelier ein Kunstprojekt mit Flüchtlingskindern durchgezogen – dies in Kooperation mit dem Kinderschutzbund, im Bild: Claudia Bernrieder (l.).

Workshop im Schlierseer Atelier am See

Flüchtlingskinder entdecken den Künstler in sich

Schliersee - Kreatives Gestalten als ureigene, nonverbale Ausdrucksform: Wie befreiend und verbindend das ist, durften jetzt acht Flüchtlingskinder im Schlierseer Atelier am See erfahren.

Die Idee zu einem Kunstworkshop für traumatisierte Flüchtlingskinder entstand schon vergangenes Jahr im Atelier am See von Cornelia Heinze-Lichtwark. Die Künstlerin, die in ihren Räumen Mal- und Zeichenunterricht für Kinder und Erwachsene anbietet und die im Rahmen des Kinderkulturherbsts schon Projekte ihrer jungen Schüler in einer Vernissage präsentierte, betont immer wieder die Bedeutung von Kunst als natürliche, archaische Ausdrucksform. Und weil man sich über kreatives Gestalten über alle Sprachbarrieren hinweg und unabhängig von Herkunft und Fluchterfahrungen mitteilen kann, fand die Idee zum Workshop für Flüchtlingskinder beim Kinderschutzbund und bei der Jugendhilfe Anklang. Sie finanzierte den einwöchigen Kurs. Daran nahmen acht Kinder im Alter von acht bis 15 Jahren aus Syrien, Afghanistan, Irak und Somalia teil.

Aus Material vom Wertstoffhof und Gips formten sie futuristische Skulpturen, die sie bunt bemalten. Dann waren sie aufgefordert, aus einem Zeitungsschnipsel eine Kollage zu entwickeln, indem sie die vorgegebenen Strukturen – das waren unter anderem Schriften oder auch Kiwi-Samen – weiterentwickelten. Mit Chinatusche und Federn schufen sie Miniaturen mit Fantasie-Tieren, um sich schließlich an Portraits zu wagen. Hier erhielten sie die Aufgabe unter besonderer Berücksichtigung der Veränderungen von Augen, Mund und Augenbrauen Gesichter zu malen, die einmal glücklich und einmal ärgerlich aussehen.

„Ich habe gar nicht gewusst, dass ich malen kann“, gestand der 13-jährige Darman Jallal dann auch stolz bei der Vernissage, bei der die Eltern der jungen Künstler wie auch Claudia Bernrieder vom Kinderschutzbund anwesend waren. Die Wertstoffskulpturen aus Gips zu formen, habe ihm besonders gefallen. „Wir hatten Spaß mit der Lehrerin und mit Simon und Markus“, sagte Darman, der erst gar nicht so begeistert war, dass seine Mutter ihm den Workshop vorschlug. Er wollte eigentlich lieber Fußball spielen. Simon Grimm (15) und Marinus Mairhofer (16) sind Schüler von Cornelia Heinze-Lichtwark, die das ganze Jahr über im Atelier kreativ sind und die sie beim Workshop unterstützt haben. „Der Kontakt mit gleichaltrigen Künstlern hat noch einmal zusätzlich ein tollen Effekt gegeben. Die Kinder haben sich so ohne Bedenken an die Arbeit gemacht“, sagt Cornelia Heinze-Lichtwark erfreut. Im weitesten Sinne hat das Projekt somit einem therapeutischen Zweck gedient.

Sie sei überhaupt fasziniert gewesen, wie offen und lernbegierig die Flüchtlingskinder seien. „Sie sind noch nicht so überfüttert an optischen Reizen und haben keine vorgefertigten Bilder im Kopf. Es war eine helle Freude.“ Sie betont, dass sie Künstlerin und keine Kunsttherapeutin sei: „Ich habe den Kurs so abgehalten, wie ich es auch für nicht traumatisierte Kinder getan hätte. Und bin so mit den Kindern umgegangen wie ich es mit meinen anderen Schülern auch tue. Ganz normal. Und diese Normalität hat ihnen – glaube ich – besonders gut getan.“

Von Alexandra Korimorth

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