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Die drei Autorinnen und ihr junger Helfer: (v.l.) Renate Eiler, Helga Fiebig und Marija Krüger mit ihren beiden Kinderbüchern. Eilers Enkel Marcus Walser hat auch eine Geschichte beigesteuert.

Autorinnen waren Kolleginnen im Haus Bambi

Wie aus einem Notizzettel zwei Kinderbücher wurden

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Schliersee - Im Haus Bambi haben Renate Eiler, Helga Fiebig und Marija Krüger ihre Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen entdeckt. Die schönsten davon haben sie in zwei Kinderbüchern verewigt.

Ohne die kleinen Notizzettel ihrer Kollegin wäre Renate Eilers Traum wohl nie in Erfüllung gegangen. Fast 30 Jahre lang trug die Erzieherin aus Schliersee den Gedanken mit sich herum, einmal selbst ein Kinderbuch zu schreiben. Es scheiterte an den Bildern. Bis zu jenem Tag, als ihre Kollegin Helga Fiebig einen Hinweis auf einen kleinen Zettel kritzelte – und ein Männlein dazu malte. „Eigentlich nur zum Spaß“, sagt Fiebig. Nicht jedoch für Eiler. Die heute 72-Jährige erkannte, dass sie endlich eine Illustratorin für ihr Buch gefunden hatte. Die beiden Frauen holten noch Heilerziehungspflegerin Marija Krüger mit ins Boot – und legten los.

Neun Jahre sind vergangen, seit die drei Autorinnen ihr Erstlingswerk „Mia und Niki – Die geheimnisvolle Lichtung“ veröffentlicht haben. Vor Kurzem ist nun auch der Nachfolger „Das Ding im Wald und andere Abenteuer“ erschienen. An Ideen mangelte es den Damen übrigens bei beiden Büchern nicht. Schließlich hatten sie ihre Inspirationsquelle quasi vor der Nase: die Kinder und Jugendlichen im Haus Bambi. „Ohne sie hätte das erste Buch nicht entstehen können“, sagt Eiler. So hätten diese trotz ihrer teils schweren körperlichen oder geistigen Handicaps die Ausflüge in den Wald geliebt – genau wie Mia und Niki in Eilers Geschichten.

Deren Waldabenteuer haben noch einen anderen Auftrag. Sie sollen die jungen Leser und ihre Eltern dazu ermutigen, wieder mehr die Natur vor ihrer Haustür zu entdecken. Spielerisch, wie Eiler betont. „Wir wollten keinen pädagogischen Zeigefinger.“ Dafür ließ sie Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit einfließen. Zum Beispiel, wie ihr ein Köhler begeistert von seiner Arbeit erzählt hat. Ein Beruf, den es heute meist nur noch im Museum gibt. Im Buch erklärt ein Hirsch den Kindern, wie aus Baustämmen Holzkohle wird.

Damit diese beim Vorlesen auch alles verstehen, holten sich die drei Damen Unterstützung bei Eilers Enkel Marcus Walser. Der heute Zehnjährige war nicht nur ein kritischer Lektor, sondern brachte selbst Geschichten ein. So kam es, dass Nachbarskatze Limo im zweiten Buch von „Andi und Tim“ von einem Berggipfel gerettet wird. Das Bild malte Marcus mit seinen Buntstiften.

Fiebig griff dagegen auf Tusche und Wasserfarben zurück. Ihre Leidenschaft fürs Zeichnen entdeckte sie schon früh, ein Kurs war dann der letzte Auslöser. „Da habe ich verstanden, dass es beim Zeichnen nicht auf Perfektion ankommt“, erzählt Fiebig. Gerade bei einem Buch für Kinder ab vier Jahren sei es wichtig, zurückhaltend zu illustrieren, um nicht alles vorwegzunehmen. „Die Bilder sollen ja die Fantasie anregen“, erklärt die 46-jährige Holzkirchnerin, die ab September Teilzeit in einer Kinderkrippe arbeitet, um mehr Zeit für die Kunst zu haben.

Ruheständlerin Eiler braucht sich dagegen ohnehin keine Sorgen machen, dass ihr die Zeit zum Schreiben ausgeht. Langweilig wird ihr deshalb aber auch nicht. So kümmert sie sich auch um die Vermarktung der Kinderbücher. Im Books-on-Demand-Verlag hat sie einen Partner gefunden, der auch in kleinerer Stückzahl druckt. „Je nach Bestellung“, erklärt Eiler. Über mangelnde Nachfrage kann sie sich nicht beklagen. Vom ersten Buch hat sie gut 1500 Stück verkauft, auch vom zweiten sind bald hundert weg.

Und die Damen machen fröhlich weiter. Ihr drittes Werk wird eine Sammlung mit Liedern und Gedichten aus Großmutters Zeiten. „Wir stellen gerade die Noten zusammen“, sagt Eiler. Noch heuer wollen sie das Buch in den Druck geben. Dann wäre aus den Notizzetteln im Haus Bambi eine Kinderbuch-Trilogie geworden.

Die Bücher

„Mia und Niki“ (71 Seiten, ab vier Jahren, 12,50 Euro) und „Das Ding im Wald“ (55 Seiten, ab sechs Jahren, 9,80 Euro) sind bei Amazon.de und erhältlich. Auch Autorin Renate Eiler nimmt unter renate-se@web.de Bestellungen entgegen.

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