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Neue Freunde, aber keine Liebespaare: Veronika, Roland, Marion und Tim (v.l.n.r.) wollen sich zwar wieder zum Wandern verabreden. Aber gefunkt hat es bei dem Liebesabenteuer am Schliersee nicht.

Keine Amore, aber ...

Liebesexperiment auf dem Berggipfel nur bedingt erfolgreich

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Schliersee – Amore auf dem Gipfel war angekündigt. Für den großen Liebestaumel hat es allerdings nicht gereicht. Die Teilnehmer am Liebesexperiment in den Schlierseer Bergen sind trotzdem begeistert.

Sie haben tatsächlich zu 100 Prozent zusammengepasst – nur eben zunächst einmal auf freundschaftlicher Ebene. Bei einer Verabredung in den Bergen sollte es zwischen Singles gehörig funken. Nach einer heiteren Nacht auf 1800 Metern Höhe ist nun klar: Das ewige Mysterium Liebe konnte nicht entschlüsselt werden.

Romantisch war die Wanderung unterm Jägerkamp-Gipfel im Landkreis Miesbach. 

Die örtliche Gäste-Info hatte das kuriose Experiment als Teil ihrer Marketingstrategie veranstaltet. Unter Sternen, vor romantischer Bergkulisse und fernab jeder Hektik sollte es ordentlich funken zwischen den Singles. 800 Menschen auf der Suche nach dem Liebesglück wollten mitmachen – der fränkische Charakterforscher Walter Rotter wählte aus ihnen zehn Singles aus, die ihrem Wesen nach alle hervorragend zueinander passen sollten. Wie? Anhand des Geburtsdatums und der Uhrzeit.

Rotter kann mit diesen wenigen Informationen „den Charakter der Menschen lesen“ und so die ideale Konstellation bestimmen, behauptet er. 30 000 Menschen hat er in den vergangenen 50 Jahren beobachtet – und verspricht eine hundertprozentige Erfolgsgarantie. „Klingt arrogant, ist aber so. Keine Esoterik, keine Astrologie“, sagt Rotter. „Reine Empirie.“

Auf das Abenteuer unterm Jägerkamp-Gipfel eingelassen haben sich am Ende nur zwei Frauen und zwei Männer. „Der Rest hat leider kalte Füße bekommen“, bedauert der Leiter der Gäste-Info, Mathias Schrön.

Bilanz ziehen die Teilnehmer am Sonntag bei Weißwürsten und Brezen im Stüberl des Markus Wasmeier Freilichtmuseums in Schliersee. Den Schweiß vom Abstieg noch auf der Stirn, lassen sie ihre Gipfel-Erlebnisse Revue passieren. Und schnell merkt man: Die Wanderung hat etwas verändert in den vier 35- bis 43-Jährigen. Wie alte Freunde schäkern sie miteinander, dabei kennen sie sich erst seit wenigen Stunden. Er brauche jetzt zwar weder einen Bau-, noch einen Kitaplatz, scherzt Roland (41) aus Augsburg, den ein Kumpel überredet hatte, bei dem Experiment mitzumachen. Als geglückt würde er den Ausflug aber dennoch bezeichnen. „Ich hatte nicht erwartet, dass wir so gut zusammenpassen würden. Normalerweise ist ja bei einer zusammengewürfelten Truppe immer ein Depp dabei.“ Direkt die große Liebe zu finden, damit hatte auch keiner der Teilnehmer ernsthaft gerechnet. „Ich glaube aber schon, dass es klappen könnte“, sagt Roland. Warum? „Weil man sich in der Natur völlig auf sich und sein Umfeld konzentriert.“

Die Harmonie sei einfach gigantisch gewesen, bestätigt auch die 43-jährige Marion. Wer sich nichts zu sagen habe, trinke ja gerne recht viel Alkohol. „Wir hatten aber gar keine Zeit zum Trinken, weil uns der Redestoff nie ausgegangen ist. Es hat einfach gepasst.“ Überrascht hat Marion auch, dass es sofort ein Vertrauensverhältnis zwischen den vier Fremden gegeben habe. „Wir haben intensive Gespräche geführt, die man sonst nur im engsten Freundeskreis führt.“

Ob Amors Pfeile nun getroffen haben oder nicht. Für Roland, Marion, Tim und Veronika spielt das keine Rolle. „Für uns war es ein Abenteuer mit tollen Eindrücken und ohne Toiletten“, sagt Marion. Das sei viel wertvoller. Demnächst wollen die vier wieder gemeinsam Wandern gehen.

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