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Voll besetzt: das Schlierseer Bauerntheater.

Starkbieranstich in Schliersee

Von Waldschraten und Zonen-Radios

Macht das Beispiel von Ingrid Pongratz Schule? Auch beim Starkbieranstich in Schliersee fehlte das Gemeinde-Oberhaupt. Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer weilte schon im Urlaub, wurde zur Strafe in der Fastenpredigt kaum erwähnt, dafür bekam’s die Gäste-Info umso heftiger ab.

Inzwischen ist das Starkbierfest aus dem Schlierseer Kalender nicht mehr wegzudenken. Zum vierten Mal hat Terofal-Wirt Alois Gartenleitner eingeladen und dem Publikum im voll besetzten Bauerntheater einen wirklich unterhaltsamen Abend beschert.

Zunächst durften die Vertreter der Tegernseer und der Hopf-Brauerei berichten, was sie von ihrem Starkbier halten (viel), Norbert Stühmer übernahm das Anzapfen und war als erstes mit dem Derblecken dran. „Wenn ich schon die Arbeit von Eurem Bürgermeister mach’, kann ich mich nächstes Jahr auch zur Wahl stellen“, sagte der Braumeister aus Tegernsee. Gartenleitner nahm den Faden gekonnt auf. „Jeder, der uns weiterbringt, ist uns willkommen.“

Ja, Weiterkommen, das hätte die Gemeinde schon nötig, meinte dann Fastenprediger Wolfgang Ober alias Xaver Terofal. Doch in Schliersee stockt’s. Der Phasenplan der CSU zur Ortsmitte etwa: Der sei doch nur „a Ausred, um sich überhaupt um nix mehr zu kümmern, bis’ Heimatmuseum fertig is... und des ko no lang dauern“.

Xaver Terofal alias Wolfgang Ober.

Dass sich nichts ändert, sei wiederum erklärter Wille von Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. Der hat ja gesagt, dass Schliersee in 30 oder 40 Jahren immer noch sein soll, was es ist. Gut: In Sachen Tourismus soll sich schon etwas bewegen. Für die dafür Zuständigen findet Terofal wenig schmeichelhafte Worte. Der Schrön Hias, optisch neuerdings der „Käptn Iglu vom Kuramt“, schreibe gern in der dritten Person von sich und seinem professionellen Team, räumt im Fernsehen aber großmütig ein, nicht zu wissen, wo der Name der Insel Wörth herrührt. „Jetzt schaust amoi auf de Homepage vom Schlierseer Rathaus...“ Die Idee von einer bayerischen Landküche als Gästemagnet findet Terofal eher eigentümlich. „Wenn i an Gardasee fahr, glaab i aa ned, dass do Cevapcici auf da Kartn stengan.“ Seitens der Kommunalpolitik bekommt’s Michael Dürr, „da barfuaßade Waldschrat vom Huabaspitz“ am heftigsten eingeschenkt. Einen kreisrunden Baumausfall rund um dessen Haus will Terofal erkannt haben. „Da muaß irgendwos Giftigs in der Nähe sein“, habe ihm ein Förster erklärt. Den Widerstand gegen die Sixtus-Ansiedlung erklärt sich der Fastenprediger mit Neid. „Wer neidig is, der ärgert si glei doppelt: Übers eigene Versagen und aa no übern Erfolg vo de andern.“

Gartenleitner fand Obers Rede „bissig und pointiert“. Als Überraschungsgast zeigte Hartl Sonnenstatter bei zwei humorigen Gstanzln, dass seine Stimme auch nach 85 Lebensjahren nichts von ihrem Volumen eingebüßt hat. Ein Sketch und ein Einakter des Bauerntheater-Ensembles rundeten den Abend ab.

Weitere Sprüche:

„Den Herrn Schmid-Preissler... kennt’s Ihr den? I kenn eahm no aus der Schui. Aber i bin ja aa 1862 auf d’Welt kemma.“ (Über den Markenberater Franz Schmid-preissler, tatsächlich Jahrgang 1936).

„Renga duad’s beim Seefest nur, wenn da Nino de Angelo auftretn mecht. Des hod da Herrgot zum Verhindern gwusst.“

„Biathlon hod in Schliersee a lange Tradition. Scho seit am Wildschütz Jennerwein. Ausm Woid nauslaffa, schiaßn, wieder in Woid neilaffa.“

„Die Wunderle Hanni, mei Prinzessin, Schrankenwärterin und Zonen-Radio von Westenhofen. Also ehrlich: Wenn sie’s ned woaß, dann is aa ned passiert.“

„Des war ja oane der erfolgreichsten Marketing-Aktionen für Schliersee seit’m Geburtstog vom Kreidl.“ (Über das Wadl-Tattoo)

„Da Netzwerker: Des is oana, der zwar selber nix arbat, aber immer oan kennt, der de Arbat macht. Im Gegensatz zu am Beamten. Der kennt koan, der de Arbat macht.“ (Über Netzwerker Robert Salzl)

„Songs amoi, Frau Seidenfus. Vo Eahna hob i ja scho lang nix mehr ghört. Hot’s Eahnam Mo de Sprach verschlogn?“

„In da Chronik von 2029 steht: ,Die Schlierseer Sportvereine freuen sich über die feierliche Einweihung der neuen gemeinsamen Sporthalle in Hausham – auf dem ehemaligen Gelände der Firma Sixtus.‘“

in der chronik von 1979 freuen sich die vereine auf die Turnhalle, auf die sie schon so lange warten.

„In der Tourist-Info ist wos Nettes passiert: Es hod tatsächlich jemand ogruafa und de Riedel Marion ans Telefon kriagt.“

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