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Einmal Bergmann, immer Bergmann: Auch 50 Jahre nach der Schließung der Grube zieht Franz Gregor mit Stolz seine Uniform an und blickt im Haushamer Bergbaumuseum auf die schwere Arbeit zurück.

Zur Schließung des Haushamer Bergwerks vor 50 Jahren

Zum letzten Mal "Glück Auf": Ein Bergmann erzählt

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Hausham - Dunkelheit, Hitze, Staub. 15 Jahre lang hat Franz Gregor im Haushamer Bergwerk geschuftet. Und doch war die Schließung der Grube vor 50 Jahren ein trauriger Tag für ihn.

Noch einmal geht es hinab in die Dunkelheit. In die Hitze, in den Staub. Zum schwarzen Gold, das den Haushamer Bergleuten, ihren Familien und überhaupt jedem im Ort ein gutes Einkommen gesichert hat. 

Mit sieben Metern pro Sekunde stürzt der Aufzug in die Tiefe. Das frühe Tageslicht weicht der ewigen Nacht in der Grube. Franz Gregor spürt den heißen Luftzug im Gesicht – so wie jeden Werktag in den vergangenen 15 Jahren. 

Doch an diesem 31. März 1966 um 6 Uhr früh fährt der heute 84-jährige Haushamer nicht mehr zum Kohlefördern in den Schacht, sondern zum Abschied nehmen. Gemeinsam mit seinen 400 Kumpeln bildet er die letzte Frühschicht vor der Schließung des Bergwerks. Ein trauriger Tag. 

Eingeschworene Mannschaft unter Tage: Fahrhauer Franz Gregor (r.) mit Betriebsleiter Dr. Hans Feyferlik (hinten l.) und Abteilungssteiger Jürgen Gräbner. Die Aufnahme entstand 1961 in eben jenem Streb, in dem Feyferlik 1963 bei einem Gebirgsschlag ums Leben kam.

19 Jahre alt war Gregor, als er 1951 zum ersten Mal in die Kohlegrube fuhr. Ein Privileg. Viele junge Haushamer zog es damals in die Tiefe. „Da waren teilweise 300 Leute auf der Warteliste“, erinnert sich Gregor. 

Ja, die Arbeit war hart. Körperlich, und manchmal auch seelisch. „Aber das macht einem in dem Alter nichts aus“, sagt Gregor. „Ich war gut beinand.“ Und er wollte Geld verdienen. Als Metzgergeselle brachte er 20 Mark pro Woche nach Hause, als Bergmann waren es 80. Der am besten bezahlte Arbeiter-Beruf weit und breit. 

Ein Wohlstand, von dem nicht nur die Bergleute profitierten. Auch die Geschäftsleute im Ort freuten sich über die zahlungskräftige Kundschaft. Die frühere Pracht und der unaufhaltsame Niedergang des ehemaligen Haushamer Ortszentrums, der Naturfreundestraße, erinnert bis heute an die Bergwerkzeit. 

Ein Haushamer Möbelhaus, erzählt Gregor, habe damals sogar Ratenkauf angeboten. Das Einkommen der Bergmänner galt als sicher. Mit der Schließung rechnete damals niemand. 

Gregor fing als Helfer an. Er schaufelte die herausgearbeitete Pechkohle auf das Förderband. An jedem Arbeitsplatz – den sogenannten Ständen – bohrten sich ein Hauer und ein Helfer in das Flöz. Mehrere Stände reihten sich an einem Streb – also der Abbaustrecke – aneinander. Dies auf einer Länge von bis zu 900 Metern und bis zu 1000 Meter unter der Erdoberfläche. Früh- und Mittagsschicht förderten die Kohle, die Spätschicht rückte das Förderband nach. 

Nach seiner Hauerprüfung hatte Gregor den Presslufthammer in der Hand. Sechs Stunden am Tag. Seine Pause: ein Brot und ein paar Schluck Tee. „Wir mussten ja unsere Tagesleistung schaffen“, sagt er. 1,30 Meter fraßen sich die Kumpel in einer Schicht in den Berg. Der Druck war allgegenwärtig. Nicht nur vom Vorgesetzten, sondern auch vom Gestein. Alle paar Wochen dröhnte ein markerschütternder Donner durch die Stollen. „Der alte Mann“, wie die Bergleute die tonnenschwere Last des Gebirges nannten, bewegte sich. 

Ein Bergmann fährt einen Zug aus Kohlewagen mit einer von einem Spiritusmotor angetriebenen Lok durch die Auersohle.

Auch Gregor musste als Schichtleiter einmal seine Männer in Sicherheit bringen. Trotz aller Vorkehrungen wurden immer wieder Arbeiter verschüttet. So wie Betriebsleiter Dr. Hans Feyferlik im Februar 1963. „Er konnte sich nicht mehr retten“, sagt Gregor und schluckt. Es war seine Schicht. 

Und doch dachte er nie ans Aufhören. Auch nicht, als seine Frau Eleonore – eine Bergmannstochter – 1953 Sohn Franz jun. auf die Welt brachte. Das Bergwerk war sein Leben, die Schließung „ein schwerer Schlag“. Was ein Jahr zuvor als Gerücht durch die Stollen waberte, wurde konkret, als das Arbeitsamt ein Büro auf dem Werksgelände einrichtete. Auch Gregor hörte sich die Angebote einer Metall- und einer Traktorfabrik an. Bis ihm ein Kumpel ans Straßenbauamt Rosenheim verwies. Gregor startete als Arbeiter – mit Einbußen beim Gehalt. Doch er brachte es bis zum Bauaufseher. Und erkannte zum ersten Mal in seinem Leben, „dass man sich sein Geld auch leichter verdienen kann“. 

Die Folgen seiner 15 Jahre unter Tage trägt Gregor bis heute mit sich herum. Winzige Staubpartikel in seiner Lunge machen ihm das Atmen schwer. Viele seiner Kumpel sind bereits gestorben. „Oder sie hängen am Sauerstoff“, sagt Gregor. Und trotzdem blättert er gerne durch sein Fotoalbum – und zieht mit Stolz seinen Kittel an. Dann sieht er wieder alles ganz klar vor sich. Die Dunkelheit, die Arbeit, aber auch die gute Gemeinschaft unter den Bergmännern – und die Tränen in ihren Augen, als sie am 31. März 1966 zum letzten Mal aus der Grube fuhren.

Das Jubiläumsprogramm

  • Sonntag, 3. April: Gedenkfeier und Festmesse um 10.30 Uhr, ab 14 Uhr Programm im Alpengasthof Glück Auf. Musikalische Begleitung von der Mariensteiner Knappenkapelle und dem Bergwachtgesang Hausham. Für ehemalige Bergleute, die schlecht zu Fuß sind, bietet die Gemeinde einen Fahrdienst an. Anmeldungen nimmt Doris Handke unter 0 80 26 / 39 09 28 entgegen.
  • Sonntag, 22. Mai: Tag des offenen Bergbaumuseums mit Führungen ab 10 Uhr, um 20 Uhr Knappentanz. 
  • Sonntag, 17. Juli: Knappen- und Bergleutetreffen mit Gedenkgottesdienst um 10.30 Uhr, um 12 Uhr: großer Festzug

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