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Schmerzhaft: So sah Linus Niemeyers Arm aus. Allerdings hätte es auch ein paar Nutzungsregeln zu beachten gegeben. 

Riskant oder einfach nur sportlich?

Schmerzhafter Rodelauslflug am Schliersee: Wer hat Schuld?

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Schliersee – Ihr Schlitten kippte auf der Sommerrodelbahn an der Schliersbergalm, Niels Niemeyer und sein Sohn verletzten sich. Er sagt: Die Bahn ist "veraltet und gefährlich". Hat Niemeyer recht?

Es hätte eine vergnügliche Abfahrt werden sollen. Die Krönung eines Sommerferientags auf der schönen Schliersbergalm. Noch heute erinnern sich Nils Niemeyer aus Prien am Chiemsee und sein Sohn Linus (5) an diesen Ausflug Anfang August. Die Erinnerungen sind allerdings mit Schmerzen verbunden. Weil ihr Schlitten auf der Rodelbahn in einer Kurve umkippte, zogen sich die beiden tiefe Hautabschürfungen an den Armen zu. „Mein Sohn musste noch Wochen danach einen Verband tragen“, erzählt Niemeyer, der lange in Bayrischzell gewohnt hat.

Noch viel mehr als die Verletzungen quält ihn der Gedanke, dass sich auch andere Gäste auf der in seinen Augen „veralteten und gefährlichen Bahn“ verletzen könnten. Eine anschließende Recherche im Internet schien seine Befürchtungen zu bestätigen. Gleich mehrfach ist auf einschlägigen Bewertungsportalen von den Tücken der Bahn zu lesen. „Die Sommerrodelbahn ist gefährlich für große Menschen“, schreibt ein Nutzer auf Tripadvisor.de. „Man kann sehr wohl rausfallen und sich neben Abschürfungen auch richtig weh tun, denn die Bordwände sind nicht hoch genug.“

Für Niemeyer ist das nur die Spitze des Eisbergs. Er ist sich sicher: „Diese Bahn hat einen Fehler in sich.“ Dabei gehe es ihm nicht um Schadensersatz für sich und seinen Sohn, betont er, sondern darum, andere zu schützen. „Ich habe bisher nie gegen irgendwas geklagt“, sagt er.

Ingo Bauer, Geschäftsführer der Schliersbergalm, weist die Vorwürfe entschieden zurück. Seine Rodelbahn sei zwar in den 1970er-Jahren gebaut worden, werde aber alle zwei Jahre vom TÜV überprüft und immer wieder abschnittsweise erneuert. 

Wie gefährlich ist so eine Sommerrodelbahn? Lesen Sie hier unser Experten-Interview mit Stefan Kasper vom TÜV Süd.

Bei täglichen Sichtkontrollen würden sich die Mitarbeiter von der technischen Funktionstüchtigkeit der Bahn überzeugen. Die Verantwortung für die Fahrt liege aber einzig und allein beim Fahrer selbst. Nicht zuletzt, weil es sich bei der Bahn um eine „reine Sportbahn“ handle. Anders als bei einer schienengeführten Anlage seien die Schlitten nicht mit der Bahn verbunden und könnten bei überhöhter Geschwindigkeit die Wanne verlassen. Oder durch verkehrte Gewichtsverlagerung oder zu spätes Bremsen umkippen – wie ein Fahrrad.

„Wir bedauern außerordentlich, dass sich Herr Niemeyer mit seinem Sohn auf unserer Rodelbahn Verletzungen zugezogen hat“, sagt Bauer. Dennoch erfolge die Nutzung auf eigene Gefahr, was durch Informationstafeln klar kommuniziert werde. Auch auf die richtige Kleidung für die Abfahrt werde hingewiesen. „Wir empfehlen den Fahrgästen, mit geschützten Körperteilen zu rodeln“, sagt Bauer. Also mit langer Hose und langärmeligem Oberteil. Kinder ab acht Jahren dürfen alleine rodeln. Ab einer Körpergröße von 1,20 Meter müssen sie das sogar, weil sonst durch den veränderten Schwerpunkt der Schlitten kippen könnte. Ein Sicherheitsabstand von 25 Metern ist einzuhalten.

Niemeyer hat diese Regeln zwar zur Kenntnis genommen, zweifelt aber an ihrer Wirksamkeit. Sommerrodeln und lange Klamotten, das passe nicht zusammen. „Erzählen Sie das mal den Kindern, wenn die bei Hitze auf die Alm gewandert sind“, sagt er. Er und sein Sohn werden jedenfalls künftig einen weiten Bogen um das Ausflugs-ziel machen. Schmerzen in den Ferien können sie gar nicht brauchen.

Übrigens: Nicht nur am Schliersberg lassen sich Unfälle wohl nicht ganz vermeiden.Auch am Oedberg in Ostin ist schon etwas passiert. Und noch immer gibt es Situationen, die dem Betreiber die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Und damit nicht genug: Auch bei einem profanen Freibadbesuch können Gefahren lauern, die viele Eltern vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben. Und auch die großen Alpenbahnen Spitzingsee fürchten bei ihren neuen Mountaincarts die Risikobereitschafft ihrer Nutzer so sehr, dass sie jetzt eine eigene Versicherung abgeschlossen haben.

sg

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