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Lichtet sich der Nebel? Über ein übergreifendes Tourismus-Konzept für Schliersee ist auch ein Jahr, nachdem der Gmunder Markenberater Franz Schmid-Preissler ins Boot geholt wurde, nichts Konkretes öffentlich gemacht worden. Nun will der Fremdenverkehrsverein aktiv werden. 

Tourismus

Wo ist sie denn, die Strategie?

Schliersee - Tourismus-Konzept: Fremdenverkehrsverein Schliersee will Leistungsträger an einen Tisch holen und Antworten haben.

Ein Jahr ist es bald her, dass der Schlierseer Gemeinderat den Marken-Experten Franz Schmid-Preissler damit beauftragt hat, eine Tourismus-Strategie zu entwickeln. Seitdem hat Schliersee viel mediale Aufmerksamkeit erfahren – allen voran mit der Wadl-Tätowierung, die zwar nicht von der Gemeinde initiiert, sehr wohl aber zeitlich gesteuert wurde. Was immer noch fehlt, ist der gedankliche Überbau. Nun wird der Fremdenverkehrsverein selbst aktiv. Dessen Vorsitzender Johannes Wegmann kündigt an, im November ein Treffen der touristischen Leistungsträger zu organisieren. Ziel ist es, von der Gemeinde konkret zu erfahren, wohin die Reise in Sachen Tourismus-Marketing geht und was die Leistungsträger dabei an die Hand bekommen.

Zuletzt pries Gäste-Info-Leiter Mathias Schrön im Hauptausschuss die Errungenschaften. Landküche und Schliersee-Dirndl haben einige Aufmerksamkeit erzeugt, sogar einen „extremen Medienrummel“ habe das tätowierte Wadl (wir berichteten) nach sich gezogen. Im Sommer gab’s Zeitungsberichte im Handelsblatt, der Welt und der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, und München-TV zeigt derzeit in mehrfacher Wiederholung einen Bericht über das Dirndl. Schmid-Preissler hat eines durchaus geschafft: Über Schliersee wird gesprochen.

Nur in Schliersee selbst wird offenbar zu wenig geredet. Von verschiedener Seite ist Kritik am Vorgehen zu hören. Von Anton Stetter etwa ist bekannt, dass er Schmid-Preissler kritisch sieht, und Stetter ist seit Kurzem immerhin Vorsitzender des neu gegründeten Tourismusbeirats des Tourismus-Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). Und Johannes Wegmann, Chef des Fremdenverkehrsvereins, vermisst die Vorstellung eines Konzepts, das hinter den einzelnen Projekten steht. Diese seien ja nicht schlecht, „aber ich vermisse die klare Botschaft“ – etwas, das den Namen Strategie verdient. Also Stärken-Schwächen-Analyse, Zielgruppen-Identifikation und dergleichen. Auch das Verhältnis zu den touristischen Nachbarn wie Bayrischzell und Fischbachau sowie zur ATS sei ungeklärt. Jedenfalls werde nicht öffentlich darüber gesprochen.

Wobei: Dass bislang kein Papier oder ähnliches vorgestellt wurde, findet Wegmann sogar gut. Denn: „Ein Ergebnis, das nicht gemeinsam getragen wird, kann man in die Tonne treten.“ Im Verhältnis zu den Leistungsträgern in der Gesamtheit ist die Gemeinde offenbar nicht viel weitergekommen. Die fehlende Einbindung hatten Wegmann und auch Walter de Alwis, Chef des Bunds der Selbständigen, schon im März beklagt (wir berichteten). Damals war die Präsentation einer Strategie erstmals geplatzt. Ein zweiter Versuch im Juli misslang, weil Schmid-Preissler wenig Lust verspürte, zu recht später Stunde im Gemeinderat über ein Thema zu referieren, über das er stundenlang sprechen könnte.

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) bestätigt derweil, dass „es im Grundsatz gerade darum geht, die DNA Schliersees bekannt zu machen, den Ort nach außen zu tragen“. Eine Marketing-Strategie in dem Sinn, mit welcher Maßnahme welche Zielgruppe angesprochen werden soll, sei noch auszuarbeiten.

Tatsächlich haben die Schlierseer schon die nächsten Pfeile im Köcher. Wie es im Hauptausschuss hieß, soll nächstes Jahr auch Schliersee-Tracht für Männer zu haben sein, und laut Schnitzenbaumer ist ein Online-Magazin in der Mache. Kein Nachrichten-Portal und auch kein touristischer Präsentations-Auftritt wie www.schlier see.de. Vielmehr handle es sich um eine Homepage, auf der eben Dinge wie das Schliersee-Dirndl, die Landküche sowie Specials wie Wanderpakete und Standup-Paddling angepriesen werden.

Schrön sagte im Ausschuss über mehrere Punkte: „Es geht weiter.“ Nun wollen Wegmann & Co. gerne wissen, wohin es weiter geht. „Es fehlt an der Vermittlung“, findet der Fremdenverkehrsvereins-Chef. Diese will er bei aller Diplomatie, die ihm zu eigen ist, einfordern.

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