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Ein Bild aus der Vergangenheit: Die Taubensteinbahn steht ab sofort im Winter still. Das haben die Alpenbahnen Spitzingsee entschieden.

Gondeln fahren nur noch im Sommer

Ski-Aus am Taubenstein: Bahn stellt Betrieb ein

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Spitzingsee - Für die Alpenbahnen Spitzingsee ist es eine wirtschaftliche Entscheidung, für Gastronomen und Skiclubs ein Schock: Die Lifte am Taubenstein stehen ab sofort im Winter still.

Der Weg zum sanften Tourismus mag steinig sein. Für Henrik Volpert führt er auf einen Abgrund zu. „Das ist, wie wenn man die Spitzingstraße wegreißen würde“, sagt der Eigentümer der Oberen Maxlraineralm am Taubenstein. Entsprechend geschockt reagierte Volpert auf die Nachricht der Alpenbahnen Spitzingsee, die ihn gestern Früh ereilte: „Der Taubenstein wird ein Tourengeher-Berg“, heißt es da. Bedeutet: Ab dem kommenden Winter stehen die Kabinenbahn sowie die Schlepplifte am Lochgraben und Rauhkopf still. Nicht nur wie bisher unter der Woche, sondern auch an Wochenenden und in den Ferien. Der Skibetrieb im vor allem bei Einheimischen beliebten Taubensteingebiet ist endgültig Geschichte. „Das trifft uns wie ein Vorschlaghammer“, sagt Volpert.

Für Peter Lorenz, Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee, ist es hingegen ein wirtschaftlich notwendiger Schritt. „Den wir uns im Übrigen nicht leicht gemacht haben“, sagt er. Fakt sei aber, dass das Taubensteingebiet nicht mehr zeitgemäß und in den vergangenen Jahren von immer weniger Skifahrern und Snowboardern genutzt worden sei. Zahlen könne er zwar keine mitteilen, dafür aber, dass „eine Landschaftsumgestaltung und damit erhebliche Eingriffe in die Natur“ notwendig geworden wären, um den Skibetrieb an den Südhängen des felsigen Bergs langfristig aufrechtzuerhalten.

Die Folge: Komplizierte Genehmigungsverfahren und Kosten in hoher zweistelliger Millionenhöhe. „Da muss man eben auch den Mut haben, es bleiben zu lassen“, sagt Lorenz. Das Unternehmen werde den Taubenstein ab sofort den Tourengehern überlassen und sich auf sein Hauptgebiet am Stümpfling und Rosskopf konzentrieren. Der Sommerbetrieb für die Wanderer bleibe davon aber unberührt. Wegen der späteren Revision könnte die Bahn bei schönem Wetter auch im November noch fahren.

Ein schwacher Trost für Volpert, dem auch der Obere Maxlraineralm- und der Taubensteinhanglift gehören. Die Tourengeher brächten zwar auch ein Geschäft, aber zum Überleben reiche das nicht. „Wir hatten ja zu 90 Prozent einheimische Gäste“, sagt Volpert. „Für die ist das eine schlimme Sache.“ Nicht nur Skifahrer, sondern auch Winterwanderer und Rodler hätten die urige Atmosphäre des 40 Jahre alten Skigebiets schätzt. Während drüben am Stümpfling die Pisten mit Tagestouristen aus München überfüllt seien, hätten vor allem die Skiclubs am Taubenstein noch gute Trainingsbedingungen mit freien Pisten vorgefunden. „Die sind jetzt erstmal ohne Heimat“, sagt Volpert.

Mit bis zu 80 Kindern war der Skiclub Schliersee an Wochenenden und in den Ferien auf der Piste, bestätigt Vorsitzender Alois Gartenleitner. Zudem habe man kürzlich das Zielhäuschen renoviert. „Jetzt müssen wir uns nach einem neuen Gebiet umschauen.“ Die endgültige Schließung sei traurig, aber für ihn nicht überraschend. „Wir haben das kommen sehen.“ Mehr will Gartenleitner dazu nicht sagen.

Volpert wird konkreter: „Der Taubenstein wurde schlichtweg abgewirtschaftet“, schimpft er. Dabei hätte es keinen neuen Seilbahnen oder Schneekanonen, sondern lediglich ein bisschen mehr Werbung gebraucht. So aber wird er die ebenfalls von ihm bewirtschaftete Rauhkopfhütte vermutlich aufgeben müssen. Die Tourengeher allein würden das Wintergeschäft nicht retten, befürchtet Volpert. Zumal vor allem unerfahrene Sportler gerne auf den präparierten Pisten abgefahren seien.

Doch die wird es nicht mehr geben. „Der Taubenstein wird alpines Tourengelände“, sagt Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein (DAV). Das heißt: Keine gesicherten Abfahrten und keine Lawinenüberwachung mehr. „Ohne Erfahrung und die richtige Ausrüstung ist das Tourengehen zu gefährlich“, sagt er. Dennoch begrüße der DAV, dass die nächtlichen Pistensperrungen der Vergangenheit angehören. „Das ist eine gute Nachricht für Tourengeher.“

Harald Gmeiner, Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee, sieht es ähnlich: „Hier gibt es eine Marktlücke, die man mit kreativen Angeboten gut vermarkten kann.“ Das sei wesentlich besser, als ein auf Dauer nicht mehr rentables Gebiet mit viel Geld am Leben zu erhalten. Auch Andreas Essendorfer, der mit seiner Frau Claudia das Gipfelstüberl gepachtet hat, glaubt an eine Chance für den Taubenstein: „Die Schönheit des Berges bleibt, ob mit oder ohne Seilbahn.“

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