Hans Kemenater, Slyrs, Whisky
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Der Destillateur und sein ganzer Stolz: Hans Kemenater begutachtet den ersten zwölfjährigen Slyrs-Whisky, der am Sonntag in den Verkauf geht. Im Hintergrund die Eichenholzfässer, in denen er herangereift ist.

Es gibt nur tausend Flaschen

So reifte der erste zwölfjährige Slyrs heran

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Neuhaus - An diesem Sonntag verkauft die Slyrs-Destillerie ihren ersten zwölfjährigen Whisky. Nur sechs Fässer haben die Anfangszeit des Schlierseer Unternehmens ungeöffnet überlebt.

Die Zeitkapseln sind weit gereist. Zwölf Jahre lang haben die Slyrs-Destillateure um Hans Kemenater ihre kostbare Fracht durch den Landkreis kutschiert. Sechs Fässer aus amerikanischer Weißeiche, gefüllt mit Single Malt Whisky aus dem Jahr 2003. Gewissermaßen ein flüssiger Grundstein der Schlierseer Destillerie, die 1999 gegründet worden ist. „Wir haben die Fässer überall gelagert, wo Platz war“, sagt Kemenater. Und der war in den Anfangsjahren von Slyrs noch knapp bemessen. Umso stolzer sind der Destillateurmeister und Geschäftsführer Anton Stetter, dass an diesem Sonntag tausend Flaschen des „Slyrs Aged 12 Years“, also des ersten zwölfjährigen Whiskys aus Schliersee, in den Verkauf gehen.

Das sah 2003 noch ganz anders aus. „Da haben uns die Banken schon bei einer Lagerdauer von drei Jahren schief angeschaut“, erzählt Stetter und lacht. Zum Glück habe man paar Fässer beiseite gelegt – auch wenn die hauseigene Buchhaltung davon eher wenig begeistert war. „Dafür haben wir halt auf die Weihnachtsgeschenke verzichtet“, scherzt Stetter. Die Destillateure füllten den Whisky, den sie damals noch aus Gerstenmaische der Miesbacher Weißbierbrauerei Hopf hergestellt hatten, in die bereits einmal benutzten und innen ausgebrannten Eichenholzfässer ab.

Dann ging der Slyrs auf große Landkreis-Tour. Ob in Lagerhallen von Betrieben in Agatharied oder auf Bauernhöfen in Hausham: „Die Fässer wurden viel bewegt“, erzählt Kemenater. Das schade dem kostbaren Gebräu aber nicht – im Gegenteil. Durch die Temperaturschwankungen von null bis 30 Grad sei der Whisky wesentlich schneller herangereift als dies beispielsweise in Schottland möglich wäre. Hier blieben die Fässer teilweise deutlich länger im Keller. Das wirke sich aber nicht zwangsläufig positiv auf den Geschmack aus. „Ein Whisky kann auch überlagern“, erklärt der Destillateur. Deshalb sei auch ihm nicht von Anfang an klar gewesen, dass es tatsächlich einen zwölfjährigen Slyrs geben wird.

Um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, haben die Schlierseer Whisky-Macher die Fässer intensiv begleitet. „Ohne regelmäßige Verkostungen geht nichts“, sagt Kemenater. Das sei aber nicht der Grund, warum von ursprünglich 220 Litern pro Fass nur noch 160 Liter übriggeblieben seien, schiebt er schmunzelnd nach. Vielmehr sei ein wahrhaft himmlischer Einfluss für den mysteriösen Whisky-Schwund verantwortlich. „Angel’s Share“, zu Deutsch „Anteil der Engel“, nennen Kenner die Verdunstung in den Fässern. Vier Prozent gehen auf diese Weise verloren – jedes Jahr.

Seit 2006 reifte der Slyrs dann in der neuen Lagerhalle der Destillerie in Neuhaus heran. Am Sonntag wandert der Zwölfjährige in einer extra modifizierten Flasche und einer stilechten Eichenholzkiste in der Lantenhammer Erlebnisdestillerie in Hausham erstmals über die Ladentheke. Mit seinem Rosinen- und Backpflaumen-Aroma entfalte er eine „wahre Wucht“ im Mund, so der Destillateur. Weil nur tausend Flaschen in den freien Verkauf gehen (weitere tausend sind für den Großhandel reserviert), rechnet Geschäftsführer Stetter mit großem Andrang. Deshalb erhalten die ersten 900 Besucher Nummern, die den Kauf eines 199,95 Euro teuren Exemplars garantieren. Die Käufer der restlichen hundert Flaschen werden ausgelost.

Die Slyrs-Mitarbeiter haben ihren Zwölfjährigen bereits erhalten – vielleicht auch als Entschädigung für die ausgefallenen Weihnachtsgeschenke. Zumindest für Kemenater steht fest, was er mit seiner Flasche vorhat. „Die bleibt ungeöffnet im Keller“, sagt er und schmunzelt. Auch vom allerersten Slyrs aus dem Jahr 1999 hat er noch ein paar Liter gebunkert. Seine ganz persönlichen Zeitkapseln sind ihm heilig.

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