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Sudelfeld: Naturschützer setzen zum Gegenschlag an

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In Aktion: Die Arbeiten für einen Speicherteich am Sudelfeld dürfen weiterlaufen. © Plettenberg

Miesbach - Die erste Hoffnung der Naturschützer ist passé: Die Bauarbeiten am Sudelfeld gehen weiter. Das Bayerische Verwaltungsgericht hat einen Eilantrag auf Baustopp abgewiesen. Bund Naturschutz und Alpenverein sind ernüchtert – und setzen zum Gegenschlag an.

Der Gerichtsbeschluss ist 58 Seiten dick und für die Naturschützer, die sich seit Monaten gegen die Modernisierung des Skigebiets Sudelfeld (Kreis Miesbach/Kreis Rosenheim) stemmen, beinahe erschlagend. „Ich bin wirklich zerknirscht“, sagt Hanspeter Mair vom Deutschen Alpenverein (DAV). „Es ist bedauerlich, dass jetzt vollendete Tatsachen geschaffen werden können.“

Gestern Morgen hat Mair die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichts in München auf den Tisch bekommen. Kernaussage: Die Arbeiten an dem riesigen Speicherteich, aus dem sich rund 250 Skikanonen speisen sollen, gehen weiter. Der Eilantrag auf Baustopp, den der DAV zusammen mit dem Bund Naturschutz eingereicht hat – abgelehnt.

Auch beim Bund Naturschutz ist die Enttäuschung groß. „Die Entscheidung ist wirklich ein Rückschlag für den Alpenschutz ganz generell“, sagt der Vorsitzende Hubert Weiger. „Hier wird klar, dass wirtschaftliche Interessen dominieren.“ Tatsächlich betont das Gericht in seiner Begründung die „erhebliche Bedeutung“ des Projekts „für den Wintertourismus und die regionale Wirtschaftsentwicklung“. Zwar sei die Beschneiung wegen des Klimawandels wohl kaum länger als 15 Jahre möglich. Auch „eine für die Natur folgenlose Rückabwicklung des Bauvorhabens“ sei ausgeschlossen. Dennoch überwiege das öffentliche Interesse.

Genau hier hatten Alpenverein und Bund Naturschutz den Hebel angesetzt und argumentiert, öffentliches Interesse sei eigentlich nur bei Projekten der Gefahrenabwehr – Hochwasser zum Beispiel – gegeben. Dass das Gericht nun anders entschieden hat, erleichtert vor allem die Verantwortlichen am Sudelfeld. „Uns fällt ein Stein vom Herzen“, sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen und Lifte in dem Skigebiet. „Wir sind froh, dass wir jetzt guten Gewissens weiterbauen können.“

Wir, das ist die Betreiberfirma, an der neben zwei Privatleuten auch die Gemeinde Bayrischzell beteiligt ist. Der rund neun Millionen Euro teure Ausbau soll in Teilen schon vor der kommenden Saison fertig sein. Rund 70 Beschneiungsanlagen könnten dann laufen.

Es ist dieses Tempo, das die Naturschützer skeptisch stimmt. Ihre Klage gegen das Projekt steht ja noch aus. Doch sie fürchten, dass der Bau bis zur Entscheidung im Hauptverfahren schon zu weit fortschritten ist, um ihn rückgängig zu machen. Um also doch noch einen Baustopp zu erwirken, bleibt ihnen der Gang zur nächsten Instanz – wenn es lohnt, werden sie ihn antreten. „Wir prüfen eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof“, sagt BN-Chef Weiger. DAV-Funktionär Mair äußert sich ähnlich. Man werde nun die 58 Seiten dicke Schrift genau prüfen – und dann über eine Beschwerde entscheiden.

Ob das helfen wird, darf zumindest aus rechtlicher Sicht bezweifelt werden. Das Gericht macht den Naturschützern mit Blick auf ihre Klage jedenfalls wenig Hoffnung. An der Entscheidung des Landratsamts Miesbach, das Sudelfeld vom Bauverbot zu befreien, sei nichts auszusetzen, heißt es dort. Außerdem gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass das Projekt im Prozess zu Fall kommen könnte.

Düstere Aussichten, zumindest aus der Warte der Naturschützer. Einen kleinen Erfolg will sich Mair aber nicht nehmen lassen. Als Reaktion auf die Klage hat das Landratsamt die Beschneiung bis zum 28. Februar verkürzt. Vorher war der 31. März vorgesehen. Damit, sagt Mair, sei zumindest das seltene Birkhuhn in seiner Existenz nicht von zu langer Beschneiung bedroht.

Ein bisschen Mut für die kommenden Monate spendet die Landtagsabgeordnete der Grünen, Claudia Stamm. „Noch ist kein endgültiges Urteil gefällt“, betont sie. In jedem Fall müsse verhindert werden, „dass Fördermittel, also Steuergelder, für die Maßnahme fließen“. Da sei die Politik am Zug.

Von Marcus Mäckler und Daniel Krehl

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