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Projekt gescheitert: Nahe der Walleralm am Sudelfeldkopf wollte der Deutsche Wetterdienst eine Wetterstation errichten. Doch die geplanten Schneekanonen verzerren die Messwerte. Nun sucht man nach einer Alternative.

Sudelfeld

Schneekanonen verhindern Wetterstation

Bayrischzell - Es war schon alles geplant: Der Deutsche Wetterdienst wollte an der Walleralm am Sudelfeld eine automatische Mess-Station errichten. Inzwischen aber ist klar, dass der Standort zur Wetteraufzeichnung völlig ungeeignet ist.

Auf der Großbaustelle Sudelfeld graben Bagger den Hang rund um die Walleralm (1412 Meter) um. Dass hier einmal Schneekanonen stehen werden, hat das Vorhaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über den Haufen geworfen. Oberhalb der Walleralm nahe des Sudelfeldkopfes wollte das Unternehmen eine automatische Mess-Station aufstellen – als Ersatz für die geschlossene Wetterwarte auf dem Wendelstein.

Seit der Aufgabe der Wetterstation fehlen dem DWD zuverlässige Daten aus der Region. Daher suchte er zügig eine Alternative. Damals hieß es noch, dass die Walleralm als Standort „fachlich geeignet“ sei. Der Bayrischzeller Gemeinderat genehmigte schließlich im Februar dieses Jahres das Bauvorhaben. Nun die Kehrtwende: „Das macht keinen Sinn, da die Station verfälschte Werte aufzeichnen würde“, erklärt Volker Wünsche, Leiter der DWD-Niederlassung in München. „Damit die Messung internationalen Normen entspricht, muss die Umgebung störfrei sein.“ Die Beschneiung verändere eventuell den Niederschlagswert. Wünsche: „Es war uns nicht bekannt, dass dort Schneekanonen stehen.

Klingt unglaublich, da das Thema Sudelfeld in den Medien doch rauf und runter ging. Thomas Schuhmacher, Leiter der regionalen Messnetzgruppe München, erklärt es folgendermaßen: Die Baumaßnahmen zur Modernisierung des Skigebiets waren im Prinzip bekannt, allerdings fehlte noch die Information, „wo was steht“. Erst bei einem Ortstermin im Frühjahr erfuhren die DWD-Verantwortlichen, so Schuhmacher, wo die Schneekanonen konkret hinkommen. Dabei stand der Vertrag mit Grundstückseigentümer Helmut Waller von der Walleralm bereits kurz vor der Unterschrift.

Die unerwartete Entwicklung bedauert die Gemeinde – und versteht sie nicht. „Wir finden nicht, dass der Standort ungeeignet ist“, sagt Hubert Pöllinger, Geschäftsleiter von Bayrischzell. Da die Beschneiung bei den neuen Schneekanonen kürzer und effektiver sei, beeinflusse das höchstens an einzelnen Tagen das Messfeld, es gebe also nur wenige Messausfälle. Dafür aber hätte der DWD eine Wetterdokumentation in einem Skigebiet gehabt.

Die automatische Wetterstation erfasst Temperatur, Niederschlag, Windrichtung und -geschwindigkeit, Sonnenscheindauer sowie Schneehöhe. Obwohl es sich um eine automatische Anlage handelt, soll ein Betreuer in der Nähe der Station nach dem Rechten sehen. „Im Gebirge geht das nicht anders“, erklärt Wünsche. Daher schließt der DWD üblicherweise einen Kooperationsvertrag mit einem Betreuer.

Jetzt heißt es für das 250 000 Euro teure Projekt alles auf Anfang. „Wir suchen nun in dem Gebiet nach einem Ersatzstandort“, erklärt Schuhmacher. Sollte sich in der Gemeinde Bayrischzell nichts finden, dann weiche man eventuell in eine andere Kommune aus. Wichtig ist, ergänzt Wünsche, dass die Mess-Station zwischen 1500 und 2000 Metern in den Bayerischen Ostalpen liege.

Eine große Wetterwarte in den Bayerischen Alpen betreibt der DWD noch auf der Zugspitze. Im Landkreis Miesbach gibt es nur kleinere Automaten, unter anderem am Spitzingsee oder in Miesbach, die allerdings vorrangig Temperatur und Niederschlag registrieren.

Vera Markert

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