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Die Auftaktveranstaltung der Reihe zum Reformationsjubiläum fand im Waitzinger Keller statt. Inge Jooß (vorne v.l.) richtete ein Grußwort an die Gäste. Mit dabei waren Betty Mehrer, Anika Sergel-Kohls, Schwester Nicole Grochowina und Erwin Sergel. 

Auftaktveranstaltung zum Reformationsjubiläum

Tischrede: Das Internet zu Zeiten Martin Luthers

Die Tischreden-Reihe zum Reformationsjubiläum ist gestartet. Zum Auftakt sprach im Waitzinger Keller in Miesbach eine Kunsthistorikerin über die Kommunikation zu Zeiten Martin Luthers.

Miesbach – Martin Luthers Tischreden enthalten nicht nur markige Sätze und üblen zeitgenössischen Tratsch, sondern vor allem etliche „hoch existenzielle Themen“ über wichtige philosophische und theologische Fragen. Darauf wies die evangelische Ordensschwester Nicole Grochowina hin, als sie erläuterte, wie die Kommunikationsstrukturen zur Zeit des Reformators seine Ideen in die Welt tragen konnten. „Der gerade erfundene Buchdruck war das damalige Internet.“

Mit ihrem Vortrag eröffnete die Kulturhistorikerin die Tischgespräche-Reihe der evangelischen Kirchengemeinden von Miesbach, Hausham und Schliersee-Neuhaus zum Lutherjahr, stilvoll im Kellergewölbe des Waitzinger-Saals und umrahmt von Renaissance-Musik der prächtig kostümierten „Sonatori di Tollenze“. Humorvoll und lebhaft stellte die Privatdozentin der Universität Nürnberg-Erlangen anschaulich dar, wie Kirche, Fürsten und Rebellen ihre Auseinandersetzungen kommunizierten, als Bilder, Schlagzeilen und Verse mit Hilfe der wenigen Lesekundigen im Volk verbreitet wurden.

Gerüchte, Provokationen, Wahres, Positionen oder Lügen polarisierten, manipulierten und informierten schon damals. Nicht zuletzt dank Luthers deutscher Bibelübersetzung reisten die gedruckten Bilder und Nachrichten Anfang des 16. Jahrhunderts nicht mehr mit lateinischem Text zu Kirchenvorplätzen, Märkten, Wirtshäusern oder Waschplätzen und konkurrierten – glaubwürdig oder nicht – mit den offiziellen Abkündigungen von der Kanzel. Wie die Drucker ihre Kosten mit dem Verkauf der Blätter deckten, war ihr Problem, und auch den Reformator wurmte der unmögliche Schutz seines geistigen Eigentums.

Kaum jemand an den langen weiß gedeckten Tischen hatte bis dahin über diese Dinge nachgedacht, bemerkte so mancher unter den Zuhörern verblüfft. Auch Lautenspieler Ingo Veit zeigte sich überrascht von erstaunlichen neuen Erkenntnissen über die Reformationszeit, als er namens Sängerin Stephanie Waldherr und Trommelvirtuose Georg Schmidt die dargebotenen geistlichen Lieder aus dem Italien des 14. und 15. Jahrhunderts erläuterte. „Luther dürfte diese Art Musik gekannt haben.“ So gab es einiges zu diskutieren, als die duftende Gemüsesuppe aufgetragen war – natürlich ohne Kartoffeln, die zu Luthers Zeit noch unbekannt waren, aber mit würzigem Brot sowie Nüssen und Äpfeln als Nachspeise.

„Es wird spannend!“ kündigte Kirchenvorsteherin Christine Mühlhuber ihr Tischreden-Thema „Frauen und Familie“ für Freitag, 10. März, um 18 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in Neuhaus an, „und nach Rezepten schauen wir auch schon.“ Das Engagement der Kirchenvorsteherinnen um Pfarrerin Anika Sergel-Kohls beim Auftaktabend, verheißt weitere interessante „Gespräche beim Essen“ im Geiste von Martin Luther – aber für alle Konfessionen.

Termine und Themen

der weiteren Tischreden finden sich unter www.miesbach-evangelisch.de.

Von Gudula Beyse

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