Münchens beantragte Wasserschutzzone erstreckt sich von Thalham bei Weyarn bis Müller am Baum an der B 472, von Hinterberg am Südhang des Taubenbergs bis Wallenburg nördlich von Miesbach. Die Farben markieren die unterschiedlich geschützten Zonen des Wasserschutzgebiets: Die streng geschützte Zone I (rot) für den eigentlichen Fassungsbereich, die engere Wasserschutzzone IIa (orange) und IIb (gelb) und die weitere Schutzzone III (grün). plan: stadtwerke münchen
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Münchens beantragte Wasserschutzzone erstreckt sich von Thalham bei Weyarn bis Müller am Baum an der B 472, von Hinterberg am Südhang des Taubenbergs bis Wallenburg nördlich von Miesbach. Die Farben markieren die unterschiedlich geschützten Zonen des Wasserschutzgebiets: Die streng geschützte Zone I (rot) für den eigentlichen Fassungsbereich, die engere Wasserschutzzone IIa (orange) und IIb (gelb) und die weitere Schutzzone III (grün).

Trotz Münchner Wasserrechte: Die Kreisstadt will Entwicklungsfreiheit

Miesbach - Die Kreisstadt Miesbach schließt sich mit seiner Stellungnahme zur Wasserschutzzone der Forderung des Landkreises an, Münchens Wasser-Altrechte neu prüfen zu lassen.

Der Antrag der Stadt München, im Landkreis Miesbach eine Wasserschutzzone auszuweisen (wir berichteten), stößt auch in der Kreisstadt auf breiten Widerstand. „Wir müssen unseren Landkreis auch künftig entwickeln können“, betonte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU). Deshalb soll die Ausweisung als Schutzzone verhindert werden, die auf Miesbacher Flur bis ans Gewerbegebiet Nord sowie den Gewerbestandort Müller am Baum reicht. Altlasten, Wasserbeseitigung, Güllegruben, Landwirtschaft, zwölf Kiesgruben, Heizöltanks, Straßenoberflächenentwässerung und nicht zuletzt die Linie der Bayerischen Oberlandbahn sorgten dafür, dass das Wasser in besagtem Gebiet nicht ausreichend geschützt werden kann.

Wie berichtet, liegt seit Anfang August Münchens Antrag auf Ausweisung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing, das zweite große Gebiet neben der Darchinger Schutzzone, zur Stellungnahme bei den betroffenen Gemeinden Warngau, Weyarn, Valley und der Stadt Miesbach. Am kommenden Mittwoch, 18. Dezember, läuft die Frist ab. Dann wollen die Kommunen ihre Positionen vorlegen und persönlich dem Landrat erläutern.

Unverständlich ist laut Pongratz, warum eine weitere Schutzzone im Landkreis ausgewiesen werden soll, wenn es auch andere Wasservorkommen zur Deckung des Münchner Bedarfs gibt. Sie verwies dabei auf die Münchner Schotterebene. Der Bedarf der Landeshauptstadt liegt bei 3700 Litern pro Sekunde. Insgesamt liefern alle infrage kommenden Quellen 12 700 Liter. „Man muss prüfen, was die Münchner wirklich verwenden. Es muss ja nicht alles ausschließlich aus unserem Landkreis entnommen werden.“

Dass ein Schutzgebiet eine erhebliche Belastung für Miesbach bedeutet, erklärte der vom Landkreis beauftragte Münchner Fachanwalt Ulrich Steffen, der die 40-seitige Stellungnahme verfasst hat: „In der engeren Schutzzone ist kein Bauvorhaben ohne Ausnahmegenehmigung zulässig.“ Damit könne die Stadt dort keine neuen Baugebiete ausweisen. Dies stellt laut Pongratz eine weitere massive Hürde neben der Landschaftsverordnung Egarten-Landschaft dar.

Die Gültigkeit der alten Rechte zweifelt der Jurist an. Diese könnten in der Gegenwart nur Bestand haben, wenn sie behördlich geprüft und bestätigt werden. An erster Stelle der Prüfung stehe, wie viel Wasser die Landeshauptstadt entnehmen darf.

Der Stadtrat schloss sich der Stellungnahme einstimmig an. CSU-Fraktionssprecher Dirk Thelemann betonte dabei, dass es nicht darum gehe, München das Wasser wegzunehmen, sondern Miesbach zu schützen. „Selbst ohne uns hat München noch das Dreifache seines Bedarfs zur Verfügung.“ Der Goliath müsse vernünftig mit dem David umgehen und eine Entwicklung der Kommunen zulassen.

Bürgermeisterin Pongratz wird die Stellungnahme am Dienstag an Landrat Jakob Kreidl übergeben. Auch die Gemeinden Warngau und Valley haben sich der Resolution angeschlossen (wir berichteten). Einzig Weyarn lehnte sie am Donnerstagabend ab.

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