Ein Bild mit Seltenheitswert: Nur noch wenige Skilifte, wie hier die Suttenbahn bei Rottach-Egern, haben trotz des warmen Wetters über Weihnachten den Betrieb aufrechterhalten. Foto: Andreas Leder
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Ein Bild mit Seltenheitswert: Nur noch wenige Skilifte, wie hier die Suttenbahn bei Rottach-Egern, haben trotz des warmen Wetters über Weihnachten den Betrieb aufrechterhalten.

Wanderkarte statt Pistenplan

Miesbach - Das Frustpotenzial für Winterurlauber im Landkreis ist groß. Schneefreie Hänge und grüne Wiesen bei warmen Temperaturen machen derzeit viele Ski- und Langlaufträume zunichte. Doch die Beschwerden halten sich in Grenzen - und die Touristiker locken mit Alternativen.

Ein warmer Wind weht über die grünen Wiesen, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel. „Wir haben momentan ideales Wanderwetter“, sagt Johanna Bacher von der Tourist-Info Fischbachau. „Obwohl uns und unseren Gästen eine Winterlandschaft lieber wäre.“ Damit ist Bacher nicht allein. Fast alle Wintersportorte im Landkreis melden geschlossene Loipen und gesperrte Skipisten. Und das in den Weihnachtsferien, in denen sich die Urlauber nach Schneevergnügen sehnen.

Besonders bitter: Bis vor wenigen Tagen sah alles noch gut aus. „Die Altschneedecke aus dem November hat sich den Dezember über gut gehalten“, berichtet Thorsten Schär, Geschäftsleiter der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). Doch dann kam der Föhnsturm. „Am 23. Dezember war bei uns noch alles weiß“, bestätigt Bacher. Der warme Wind in Verbindung mit frostfreien Nächten über Weihnachten hätten den Schnee aber regelrecht weggefressen.

Die Folgen bekommen vor allem die Winterurlauber zu spüren. „Für den Langlauf schaut es echt miserabel aus“, meint Bärbel Wünsche von der Schlierseer Gäste-Information. Die Loipen seien matschig und teilweise sogar schneefrei. Wer dennoch auf den schmalen Brettern dahingleiten möchte, den verweist sie momentan nach Bayrischzell. Dort ist zumindest noch die Strecke vom Zipflwirt ins Kloaschertal befahrbar. Nicht viel besser sieht es am Tegernsee aus: „Langläufern steht derzeit nur der drei Kilometer lange Kurs an der Monialm zur Verfügung“, lautet die Auskunft von Elisabeth Wagner von der Rottacher Tourist-Info. Auch in Bezug auf andere Wintersport-Möglichkeiten muss die TI-Mitarbeiterin derzeit die Gäste vertrösten. Die Attraktion Nummer eins am Tegernsee, die Rodelbahn am Wallberg, ist ebenfalls nicht in Betrieb. „Sie ist eisig und gesperrt“, müssen Wagner und ihre Kolleginnen den vielen Anrufern täglich erklären.

Den Skifahrern bleibt derweil nur die Sutten und das Stümpflinggebiet am Spitzingsee - der Beschneiung sei dank. Am Sudelfeld schaut ebenfalls mager aus. Immerhin: „Bei uns fahren noch der Grafenherberg- und der Rankenlift sowie der Wedell- und der untere Sudelfeldlift“, berichtet Ursula de Biasio von der Bayrischzeller Tourist-Information. Auch im Tegernseer Tal ist das Pistenvergnügen in Talnähe arg beschränkt: „Der Kircherlhang und die Hirschberglifte sind vorerst nicht mehr in Betrieb“, sagt Wagner. Nur im Familienskigebiet am Oedberg bei Ostin hält die Piste noch. „Die Kunstschneepiste ist in erstaunlich gutem Zustand“, sagt Georg Reisberger. Alle Angebote für Skikurse können derzeit aufrechterhalten werden.

Trotz aller Einschränkungen: die Beschwerden der Gäste halten sich in Grenzen. Die Urlauber sind flexibel - und die Tourist-Infos sind es auch. „Unsere Wanderkarten gehen weg wie warme Semmeln“, sagt Bacher und lacht. „Das ist schon außergewöhnlich für Ende Dezember.“ Statt die Skier anzuschnallen, schnüren die Urlauber lieber die Wanderstiefel. Und die Touristiker halten noch weitere schneeunabhängige Programmpunkte bereit. „Wir bieten Fackelwanderungen und Wildfütterungen“, sagt Wünsche. „Und unsere Pferdeschlittentouren funktionieren wir halt in Kutschfahrten um.“ Mit ausgefallenen Angeboten wie einer Lamawanderung bei Laternenschein versuchen ihre Kollegen in Bayrischzell die Gäste bei Laune zu halten. „Und wenn jemand unbedingt Skifahren will, dann schicken wir ihn halt über die Grenze nach Österreich“, erklärt de Biasio.

Über Stornierungen oder Buchungsrückgänge kann Schär derweil noch keine Auskunft geben. „Wir sind aber zurzeit gut ausgelastet“, betont der ATS-Geschäftsleiter. Zudem erreichen die Touristiker in diesen Tagen viele Anfragen von Kurzurlaubern - die sich natürlich auch nach den Schneeverhältnissen erkundigen. „Wir lügen da niemanden an, sondern verweisen eben auf unsere anderen Angebote“, sagt Schär. Auch in Fischbachau bleibt man optimistisch. „Durch den vielen Sonnenschein sind die Leute wenigstens gut gelaunt, Regen oder Nebel wären schlimmer“, meint Bacher. Auf Schneenachschub hofft sie aber trotzdem - und auch die Urlauber hätten gegen ein paar Schneefalltage sicher nichts einzuwenden.

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