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Wanderweg an der Leitzach

Liebäugeln mit Thiersee

Bayrischzell/Fischbachau - Hockt der Österreicher mit im Boot, gibt's mehr Geld von der EU. Deshalb schließen sich Fischbachau und Bayrischzell jetzt mit Thiersee zusammen.

Bei der Realisierung eines Erlebnis-Wanderwegs an der Leitzach kommen die Gemeinden Fischbachau und Schliersee allenfalls schleppend voran. Doch vielleicht hat es sich gelohnt, nicht zu sehr aufs Gaspedal zu treten. Denn inzwischen hat sich eine Möglichkeit aufgetan, höhere Fördersätze zu bekommen. Der Kniff besteht darin, den österreichischen Nachbarn Thiersee ins Boot zu holen. Schon vor zwei Jahren war von einem „zweiten Anlauf“ zur Realisierung des Weges mit allerlei Stationen zum Thema Wasser die Rede gewesen. An einzelnen Stellen ist auch etwas passiert (Toiletten, Barfußweg), doch der große Wurf ließ auf sich warten. Der Förderantrag war zwar gestellt, und die Leitzachtaler hätten loslegen dürfen, doch eine Nachfrage bei der Regierung von Oberbayern ergab, dass aufgrund der knappen Mittellage heuer kein Geld mehr fließen wird. Zuletzt hat sich eine Delegation zur Regierung begeben, um die weiteren Schritte zu erörtern. Bei dem Termin im Juli kam der Vorschlag auf den Tisch, quasi einen Schritt zur Seite zu gehen und statt der Förderung touristischer Infrastrukturmaßnahmen auf das ebenfalls von der EU aufgelegte Interreg V-Programm umzuschwenken. 2014 startete die neue Förderperiode. Der Vorteil: Statt 40 bis 45 Prozent sind bis zu 75 Prozent Förderung möglich. Die Voraussetzung: Das Projekt muss grenzübergreifend sein. Also fühlten die Bürgermeister Josef Lechner (Fischbachau) und Georg Kittenrainer (Bayrischzell) bei ihrem Amtskollegen Hannes Juffinger (Thiersee) vor, und der war recht angetan von der Idee, den Leitzach-Wanderweg über den Ursprungpass bis in seine Gemeinde zu verlängern. Die Gemeinderäte auf bayerischer Seite haben jetzt jeweils einhellig ihre Zustimmung gegeben, sich um die Interreg-Förderung zu bemühen. In Fischbachau erinnerte Georg Göttfried (Freie aktive Bürger) derweil daran, dass die Kooperation mit Thiersee nicht immer reibungslos verlaufen war: „Da haben wir nicht die besten Erfahrungen gemacht.“ Er spielte damit auf das Thema Pferderegion an, bei der just das genannte Trio das Interreg-Programm in der dritten Auflage anzapfte, aus Thiersee aber nicht viel Unterstützung kam. Ein Grund ist laut Lechner, dass in Österreich die Gemeinden strikt vom Tourismus-Marketing getrennt sind. Deshalb liegt es nun unter anderem am Bayrischzeller Tourismus-Manager Willi Kravanja, ein grenzübergreifendes Konzept zu erarbeiten. Der Antrag muss bis März nächsten Jahres fertig sein. Grob geschätzt umfassen die Maßnahmen, um den gesamten Weg entsprechend zu gestalten, wohl um die 200 000 Euro. Geologisch betrachtet sei das Vorhaben weniger problematisch, sagte Kittenrainer im Gemeinderat. „Das Thema Wasser können wir bis zum Ursprungspass weiterspielen.“ Während die Wege von Wörnsmühl über Bayrischzell und bis zur Grenze gesichert seien, gebe es Probleme ab dem ehemaligen Zollbereich an der Bäckeralm. „Da ist die Achillesferse“, berichtete Kittenrainer. „Ab dort gibt es keine regulären Wanderwege mehr.“ Außerdem müssten Privatgrundstücke ebenfalls berücksichtigt werden. Während in Fischbachau Mühlrad und Filzn-Steg das Thema Wasser aufgreifen sollen, könnte dies in Bayrischzell unter anderem ein Turm mit Aussicht auf das Quellgebiet der Leitzach sein. Um neben der Natur auch das Thema Kultur abzudecken – das erhöht die Chancen auf eine EU-Förderung – bietet der Grenzbereich zu Tirol etwa die Möglichkeit, per Info-Tafeln auf die Reste von Kriegsanlagen hinzuweisen, in denen sich im Ersten Weltkrieg Deutsche und Tiroler gegenüberstanden. Eine Entscheidung aus Thiersee steht aus.

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