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Höchste Sorgfalt lässt das Schlierseer Wasserwerk bei der jährlichen Reinigung und Desinfektion des Trinkwasserhochbehälters am Trautweinweg in Spitzingsee walten.

„Falschmeldung, Profilierung, Stimmungsmache“

Wasserchlorung: Gemeinderäte wütend über Dürrs Antrag

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Der „Dringlichkeitsantrag“ von Michael Dürr zur Schlierseer Wasserversorgung hat im Gemeinderat eine heftige Diskussion ausgelöst. Um die Sache ging‘s dabei allenfalls am Rande.

Schliersee – Eigentlich war alles gesagt. Wassermeister Manfred Eckmair hatte die Gründe für die seit 8. Dezember laufende Trinkwasserchlorung am Spitzingsee erklärt und einen Ausblick auf die anstehenden Sanierungsmaßnahmen an Leitung und Hochbehälter gegeben. Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) hatte klar gestellt, dass die Investitionen nicht zwangsläufig höhere Gebühren bedeuten würden. Die Wogen im Schlierseer Gemeinderat schienen geglättet. Das änderte sich schlagartig, als Michael Dürrs (PWG) „Dringlichkeitsantrag“ zu eben diesem Thema behandelt wurde. Plötzlich war nicht mehr von Wasserproben oder Baumaßnahmen die Rede, sondern von Falschaussagen, Profilierung und Stimmungsmache.

Wie berichtet, hatte Dürr in seinem Antrag von einer „prekären Lage der Leitungsnetze und Hochbehälter“ gesprochen und in diesem Zusammenhang gefordert, „die bisherigen Investitionen in die Wasserversorgung des Marktes sofort erheblich zu erhöhen“. In der Sitzung begründete der PWG-Gemeinderat sein Vorgehen unter anderem damit, dass in der Finanzplanung für 2018 und 2019 nur jeweils 100 000 Euro für ebendiese Maßnahmen aufgeführt seien. „Das haut so nicht hin“, sagte Dürr.

Der Bürgermeister konnte das nicht nachvollziehen. Die Zahlen stammten aus dem Jahr 2016, lange bevor die Problematik am Spitzingsee überhaupt aufgetaucht war. Die Planung werde bei den anstehenden Haushaltsberatungen entsprechend angepasst. Auch die Aussage Dürrs, die Lage sei „prekär“, wies Schnitzenbaumer vehement zurück. „Woher nehmen Sie denn Ihr Wissen?“, fragte er. Er habe eben mit den Leuten gesprochen, gab Dürr zurück.

Florian Zeindl (CSU) vermutete vielmehr, Dürr habe seine Informationen aus der nichtöffentlichen Finanzausschusssitzung am 7. Februar bezogen, die er als Zuhörer besucht habe. Diese im Alleingang und ohne Rücksprache mit den anderen Gemeinderäten an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sei für ihn „reine Profilierung“. „Das verunsichert die Bürger wegen nichts und wieder nichts“, schimpfte Zeindl. Noch drastischer drückte sich Jürgen Höltschl (CSU) aus. Er sei entsetzt über Dürrs Vorgehen, sagte er. Dieser setze „ständig Falschmeldungen in die Welt“. Höltschl forderte die Verwaltung deshalb auf, die Folgen dieser Aktionen prüfen zu lassen.

Dürr versuchte wiederholt, die Diskussion auf seinen ursprünglichen Antrag zu zurückzuführen. Die Vorwürfe seiner Ratskollegen wollte er aber nicht auf sich sitzen lassen. Er werde nicht akzeptieren, dass der Bürgermeister als Sitzungsleiter diese „Stimmungsmache“ befördere, sagte er. Auch er dürfe seine Meinung äußern, verteidigte sich Schnitzenbaumer. „Persönliche Angelegenheiten“ werde man aber nicht in der öffentlichen Sitzung besprechen.

Auch wenn Dürrs Antrag am Ende mit 19:1-Stimmen durchfiel: Der PWG-Gemeinderat war nicht der einzige, der sich mehr Informationen wünschte. „Ich habe keinen Zweifel an der Qualität unseres Wassers“, sagte etwa Bernd Mayer-Hubner (Grüne). „Aber ich hätte gerne einen Überblick, wie die mittelfristige Planung aussieht.“ Gerhard Weitl (SPD) störte hingegen, dass die Chlorung am Spitzingsee den Gemeinderäten erst im Finanzausschuss im Februar bekannt gegeben wurde. „Was wäre dabei gewesen, wenn man uns vor Weihnachten informiert hätte?“, fragte Weitl.

Das Wasserwerk habe den Haushalten umgehend Bescheid gegeben, entgegnete Schnitzenbaumer knapp. „Das sind ja die, die es betrifft.“

Chlorung wird fortgesetzt

In einem Sachstandsbericht stellten Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer und Wassermeister Manfred Eckmair im Gemeinderat die geplante Sanierung des Versorgungsnetzes am Spitzingsee vor. Wie berichtet, wird dort seit 8. Dezember gechlort. Ausschlaggebend sei ein Anstieg von Mikroorganismen im Wasser gewesen, erklärte Schnitzenbaumer. 

Die Ursache sei unklar. Möglicherweise sei durch den Frost eine Leitung undicht geworden. In Absprache mit dem Gesundheitsamt habe man dann in der Pumpstation in Neuhaus Chlor zugeführt und damit eine Abkochverfügung vermieden. „Das Wasser ist trinkbar in allen Bereichen“, betonte Eckmair. Die Menge des Chlors werde durch Proben kontrolliert. 

Um die Maßnahme wieder absetzen zu können, werde man im Frühsommer den Hochbehälter am Trautweinweg mit Edelstahl auskleiden und alte Leitungen am Parkplatz der Taubensteinbahn und vom Postgasthof bis zur Wurzhütte erneuern. Knapp 300 000 Euro wird die Gemeinde laut Schnitzenbaumer heuer in die Wasserversorgung investieren. 

Höhere Gebühren hätte das aber nicht zwangsläufig zur Folge. Das werde sich erst nach der Kalkulation im Sommer entscheiden.

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