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Stolze Preisträger und Laudatoren: (v.l.) SMG-Chef Alexander Schmid, UVM-Vorsitzender Klaus-Dieter Graf von Moltke, Professor Rainer Hagl, die LTN Servotechnik-Geschäftsführer Andreas Hitzer mit Frau Christine und Ludwig Angerpointner (7.v.l.) mit Frau Margarethe (6.v.l.), Airbus-Chef Tom Enders, Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder, Landrat Wolfgang Rzehak, Schreinerei-Gründer Josef Eham mit Sohn Dominikus, Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind sowie Unternehmer und Manager Georg Kofler auf der Bühne des Waitzinger Kellers.

Airbus-Chef Tom Enders als prominenter Gastredner

Wirtschaftspreis 2015: Zwei Unternehmen geehrt

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Miesbach - Die Träger des Wirtschaftspreises 2015 stehen fest. Sie wurden am Mittwochabend bei einem festlichen Empfang im Waitzinger Keller in Miesbach geehrt. Gastredner war Airbus-Chef Tom Enders.

Es waren Bilder mit Symbolcharakter: ein startender Airbus A 380, eine Ariane-5-Rakete auf dem Weg ins Weltall, andockende Satelliten in der Erdumlaufbahn. Ungewohnte Szenen für einen Wirtschaftsempfang im Landkreis Miesbach – aber nur auf den ersten Blick. Denn dass das schicke Unternehmens-Video, das den Vortrag von Airbus-Chef Tom Enders einleitete, gut zur Veranstaltung im Waitzinger Keller passte, lag nicht nur am prominenten Gastredner. Auch der Wirtschaftsempfang selbst schaffte den Sprung in eine neue Sphäre, die Landrat Wolfgang Rzehak in seinem Grußwort auf den Punkt brachte: „Liebe Unternehmer, heute geht es um Sie.“

Dass der festliche Abend, zu dem die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) des Landkreises die Unternehmer zum mittlerweile siebten Mal eingeladen hatte, dieses Versprechen am Ende tatsächlich einlöste, war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass bis auf Rzehak erstmals kein Politiker ans Rednerpult trat. Und selbst der Landrat gab den Steuerknüppel an die Unternehmer zurück: „Die Wirtschaft sollte die Politik beraten, nicht umgekehrt.“ Applaus im vollbesetzten Saal.

Prominenter Gastredner: Airbus-Chef Tom Enders.

Ein eleganter Brückenschlag, der auch dem Airbus-Chef in seinem Vortrag gelingen sollte. Sehr zur Freude von Klaus-Dieter Graf von Moltke, Vorsitzender des Unternehmerverbands Landkreis Miesbach (UVM), der sichtlich bemüht war, den Landkreisbezug des in Tegernsee wohnhaften Referenten herzustellen: „Ein Unternehmen ist da zuhause, wo sein Chef zuhause ist“, leitete er humorvoll zu Enders über. Der spielte den Ball zurück. „Liebe Nachbarn“, begrüßte er die Gäste, „es freut mich, dass ich auch unter der Woche mal zuhause auftreten kann.“ Spätestens jetzt war klar, dass der Airbus-Chef nicht gekommen war, um eine Marketingshow für den größten Luft- und Raumfahrtkonzern Europas abzufeuern. Seine sympathisch-bodenständige Haltung bewahrte er sich auch im Laufe seiner Rede. Keine Selbstverständlichkeit, hatte er doch einen weiten Spagat zu bewältigen.

Allein die nackten Zahlen der Airbus-Group, die Enders auf die mit Fotos von Flugzeugen, Hubschraubern und Raketen hinterlegten Folien an die Wand projizierte, trieben so manchem Mittelständler im Saal den Schweiß auf die Stirn. 140 000 Mitarbeiter, 60 Milliarden Euro Jahresumsatz, ein 950 Milliarden Euro schweres Auftragsbuch, dessen Abarbeitung nicht weniger als zehn Jahre in Anspruch nehmen wird. „Aber ohne unsere Zulieferer könnten wir das niemals schaffen“, sagte Enders und holte seine Zuhörer wieder an Bord. Nicht nur das: Er lud sie sogar dazu ein, selbst über eine Zusammenarbeit mit Airbus nachzudenken – wie es die Miesbacher Firma Telair bereits erfolgreich praktiziere.

Doch nicht nur deshalb würde den Chef des größten europäischen Industrie-Kooperationsprojekts so einiges mit den Unternehmern im Landkreis verbinden. „Auch wir dürfen nicht der Versuchung erliegen, uns zurückzulehnen“, mahnte Enders. Was passieren kann, wenn der Erfolg die Schwäche eines Projekts verdecke, habe er mit dem Ariane-Programm selbst erlebt. Mit Space X sei ein Wettbewerber in den Markt gestoßen, der vergleichbare Trägerraketen um 40 Prozent billiger produziere. Die Konsequenz für Enders: „Ein Unternehmer darf kein Risiko scheuen.“

Aufmerksame Zuhörer: Die Gäste im Waitzinger Keller.

Dass sie und ihre Mitarbeiter diese Einstellung längst verinnerlicht haben, zeigten die beiden Träger des Wirtschaftspreises 2015 in ihrer Präsentation: die Schreinerei Eham aus Hausham und die LTN Servotechnik aus Otterfing (siehe Kasten). So bewies Schreiner Josef Eham, dass der Weg „von der Luftfahrt tief herunter zum Holz“ in keinster Weise ein Abstieg ist. Und auch wenn der Airbus-Chef laut LTN-Geschäftsführer Ludwig Angerpointner „die Messlatte auf 70 000 Fuß gesetzt“ hatte, zog der Mittelständler das Publikum mit einem launigen Vortrag über Schleifringe und Resolver in seinen Bann.

Ob Holzboden, Schleifring oder Großraumjet: Eine Botschaft einte alle Unternehmer beim Wirtschaftsempfang: Die Leidenschaft für ihr Geschäft. Insofern wirkte es keineswegs kitschig, wie Georg Kofler, ehemals Vorstandsvorsitzender von ProSieben-Sat 1 und Premiere, in seiner Laudatio auf Eham den „Glücksmoment eines jeden Unternehmers“ beschrieb. „Es ist dieses Gefühl, wenn man weiß, es könnte klappen“, sagte Kofler. Und fügte schmunzelnd hinzu: „Wie beim Start eines Flugzeugs.“

Die beiden Preisträger stellen sich vor

Es ist eine Leidenschaft, die Schreiner Josef Eham aus Hausham seit 30 Jahren antreibt: „Ich wollte stilvolle Dinge bauen, mit denen man alt wird“, sagte Eham in seiner Dankesrede für den Wirtschaftspreis 2015. Heute planen und fertigen er und seine 70 Mitarbeiter maßgeschneiderte Küchen, Böden sowie komplette Inneneinrichtungen. „Jeder Auftrag ist anders“, betonte Eham. 2001 ist die Schreinerei von ihrer alten Werkstatt in einem Bauernhof in ein neues Firmengebäude in Hausham umgezogen. Besonders stolz zeigte sich der Firmengründer, dass sein Unternehmen nicht nur ausbilde, sondern den Azubis auch eine Perspektive im eigenen Haus biete.

Ex-Premiere-Manager Georg Kofler, selbst Kunde von Eham, würdigte den Schreiner in seiner Laudatio als „meisterhaften Handwerker und kreativen Unternehmer“, der mit seinen „innovativen Produkten ein Botschafter des modernen Bayerns in aller Welt“ sei.

Ludwig Angerpointner, Geschäftsführer von LTN Servotechnik aus Otterfing, nutzte seinen Vortrag, um den „Nicht-Technikern“ im Publikum die Produkte seines Unternehmens – Schleifringe und Resolver – nahezubringen. „Die stecken in vielen Dingen, die jeder von Ihnen kennt“, sagte er. Von der Lichtmaschine im Auto über die Krinoline auf dem Oktoberfest bis hin zum Teilchenbeschleuniger CERN bei Genf. Das 1979 als Rüstungsbetrieb in München gegründete Unternehmen siedelte sich 2001 in Otterfing an. Die Geschäftsführer Angerpointner und Andreas Hitzer steigerten die Mitarbeiterzahl bis auf 270.

„LTN ist langfristig stark, nicht nur aufgrund seiner aktuellen Zahlen“, lobte Rainer Hagl, Professor für Ingenieurswissenschaft an der Hochschule Rosenheim, – wenn auch recht langatmig – in seiner Laudatio.

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Wirtschaftsempfang 2015: Die schönsten Bilder

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