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Zusammenarbeit im Kampf gegen Raser: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (m.) verabredete ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit, sehr zur Freude des Vorsitzenden Josef Janker (l.) und des Geschäftsführers Michael Braun.

Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit

Den Rasern immer einen Schritt voraus

Landkreis - Heute schon wissen, wo morgen gerast wird: Dieses Ziel hat sich der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit (KVS) gesetzt. Ein dafür entwickeltes Computerprogramm weckte sogar das Interesse von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der in die Blitzer-Zentrale kam.

Michael Braun traut sich zu, die Zukunft zu lesen. „Am Freitag werden auf der Ortsdurchfahrt B 2 in Garmisch-Partenkirchen zwischen 18 und 19 Uhr und dann wieder zwischen 23 und 2 Uhr morgens viele Raser unterwegs sein“, sagt der Geschäftsführer des Zweckverbands KVS in Bad Tölz, der auch für den Landkreis Miesbach zuständig ist. Seine Aussage stützt sich auf das Computerprogramm „a.res“, das Mitarbeiter seines Hauses entwickelt haben. Es wertet die Daten von geahndeten Geschwindigkeitsverstößen sowie von Geschwindigkeitsmessgeräten an den Straßen aus und berechnet, auf welchen Straßen, um welche Uhrzeit und in welchem Ausmaß gerast wird. Die Statistik für die B 2 ist besonders erschreckend: Innerhalb von 33 Tagen im Sommer 2014 waren hier innerorts 385 Fahrer mit mehr als 80 Stundenkilometern unterwegs, hätten also im Ernstfall mit einem Fahrverbot rechnen müssen.

Das Computerprogramm erstellt nun für einzelne Messpunkte sogenannte Gefährlichkeitskennziffern. Wo besonders gerast wird, da möchte sich der Zweckverband verstärkt zum Blitzen aufstellen. „So setzen wir unsere Ressourcen da ein, wo wir am meisten bewirken können“, sagt Braun. Auch den Bürgern könne man so „fair und transparent erklären, warum wir an bestimmten Stellen verstärkt kontrollieren.“ Das heiße freilich nicht, dass als unkritisch bewertete Stellen ganz vom Blitzen ausgenommen seien, fügte der Zweckverbands-Vorsitzende und Tölzer Bürgermeister Josef Janker hinzu.

Bislang hat der Zweckverband Daten von 1400 Messpunkten aus den vergangenen zwei Jahren eingespeist: rund 330.000 geblitzte Fahrzeuge, zudem 80.000 Datensätze aus reinen Geschwindigkeitsmessungen. Für den Landkreis Miesbach kamen zum Beispiel die Kreisstraße MB 6 von Waakirchen in Richtung Schaftlach, die Bahnhofstraße in Moosrain und die Finsterwalder Straße in Dürnbach im Bereich der Schule als besonders raseranfällig heraus. Zur Anwendung kommen sollen die Daten ab Frühjahr oder Sommer in einem Pilotprojekt mit dem Innenministerium. Dazu soll ein Landkreis im Oberland ausgewählt werden. „Wir steuern die Unfalldaten der Polizei und der Straßenbauverwaltung bei“, erklärte Timo Payer vom Ministerium. Ein bis zwei Jahre werde man beobachten, welche Erkenntnisse sich gewinnen lassen, ob etwa Tempobegrenzungen geändert oder bauliche Maßnahmen angedacht werden müssen. „Unsere Vision ist, mit diesem Programm flächendeckend die Verkehrssicherheit in Bayern zu erhöhen“, sagt Payer.

In Bad Tölz informierte sich am Dienstag Innenminister Joachim Herrmann und zeigte sich angetan: „Das Konzept zeigt auf sehr interessante und kluge Weise, wie wir uns mit Kontrollen auf die Stellen konzentrieren, wo viele Unfälle passieren und es besonders hohe und häufige Geschwindigkeitsübertretungen gibt. Wenn es sich bewährt, werden wir es für andere Teile Bayerns weiterentwickeln.“

Andreas Steppan

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