An der Point wie auch rund um den See haben sich die Graugänse vermehrt. Das Problem ist die gewaltige Kot-Menge, die sie hinterlassen.
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An der Point wie auch rund um den See haben sich die Graugänse vermehrt. Das Problem ist die gewaltige Kot-Menge, die sie hinterlassen.

Tiere sind zur Plage geworden

17 Graugänse am Tegernsee geschossen: Tierschützer sind empört

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Die Graugänse haben sich am Tegernsee rasant vermehrt. Ihr Kot verdreckt die Badestrände. Jetzt wurden 17 Gänse abgeschossen. Tierschützer reagieren empört.

Tegernseer Tal – Die Schüsse waren weithin hörbar. Am Ende hatten 17 Graugänse ihr Leben gelassen. Das entspricht der Forderung der Tal-Bürgermeister, die nach einer Besprechung im Sommer in einem Brief ans Landratsamt Miesbach darum gebeten hatten, den stark gewachsenen Graugans-Bestand am Tegernsee deutlich zu verkleinern.

Die Jagd auf die Tiere dürfte noch nicht zu Ende sein. „Da es sich bei den Gänsen um jagdbares Wild handelt, kann die Bejagung im Bereich Tegernsee weiterhin eine der relevanten Maßnahmen darstellen“, erklärt eine Sprecherin des Landratsamts. Den aktuellen Bestand am Tegernsee beziffert sie auf rund 80 Graugänse.

Badestrände durch Gänsekot verdreckt

Vor vier Jahren waren es nur ein paar wenige Exemplare gewesen. „Die Gänse hat wohl jemand ausgesetzt, das sind keine Wildtiere“, meint Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. „Am Anfang fanden sie alle nett.“ Aber die Gänse vermehrten sich schnell, und damit die Menge ihrer Hinterlassenschaften. Zwei Kilogramm Kot, verteilt auf 170 Portionen, scheidet eine Gans pro Tag aus. Wo sich die Tiere gern aufhalten – an der Tegernseer Point, am Schorn in Rottach-Egern und am Segelhafen in Bad Wiessee – verdreckten die Badestrände zum Leidwesen der Gäste. „Die Verschmutzungen sind ein Problem“, meint der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn (CSU).

Gemeinden drängen auf Bestandsverkleinerung

Am 1. Juli 2020 war das Graugans-Problem Thema einer Bürgermeister-Dienstbesprechung in Gmund. Man war sich einig, dass Gänse „entnommen“ werden sollen, damit der Bestand sinkt und nicht weiterhin rasant wächst. Später verfasste Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) besagten Brief ans Landratsamt, den seine Kollegen unterschrieben. „Wie die Entnahme aussieht, ist Sache des Landratsamts“, erklärt Hagn.

Tierschutzverein verweist auf Schonzeit

Auch Tierschützerin Ecker-Schotte war bei der Besprechung in Sachen Gans dabei. „Aber ich hätte nie einem Abschuss zugestimmt“, sagt Ecker-Schotte. Und schon gar nicht in der Schonzeit. Denn eigentlich dürfen Graugänse in Bayern nur in der Zeit zwischen dem 1. August und dem 15. Januar erlegt werden. Ecker-Schotte ist empört über die Abschuss-Aktion: „Wir verurteilen diese Methode als ineffektiv.“ Die Lücken im Bestand würden sich schnell wieder schließen. Viel besser wäre es, zum Beispiel Eier im Gelege anzustechen. Aber statt sich intensiver mit wirksamen Vergrämungsmaßnahmen zu beschäftigen, habe die Untere Naturschutzbehörde erst lange nichts unternommen und sich jetzt für Schnellschüsse in der Schonzeit entschieden, grollt die Tierschützerin.

Ecker-Schotte will dies nicht hinnehmen, sondern bei der Behörde nachhaken. Nachdem der Abschuss bereits erfolgt ist, geht es ihr darum, ob die Gänse leiden mussten. Die Kernfrage: „Ist gesichert, dass alle Tiere sofort getötet wurden oder sind sie teilweise jämmerlich verendet?“ Ansonsten sehe sie einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und das Bayerische Jagdgesetz, meint Ecker-Schotte. Eine entsprechende Anfrage ans Landratsamt sei in Vorbereitung.  

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