Altes Pfarrhaus in Egern Gebäude von außen
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Das alte Pfarrhaus in Egern sollte als Mutter-Kind-Haus dienen. Die Kirche vermarktet es nun anderweitig

Anlaufstelle für Alleinerziehende scheitert

Altes Pfarrhaus: Angebot für Millionen-Spende verpufft

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Das alte Pfarrhaus in Egern hätte Anlaufstelle und Anker für alleinerziehende Frauen werden können. Doch es fand sich kein Träger. Was aus der Immobilie wird, ist offen.

Rottach-Egern – Das frühere Pfarrbüro, einst als Wohnhaus gebaut, liegt gleich neben der Kirche und nah am See, Kindergarten und Schule sind zu Fuß zu erreichen. Es wäre ein guter Ort für alleinerziehende Mütter, die in schwieriger Lage ihr Leben neu ordnen wollen. Ein Mutter-Kind-Haus mit neun Appartements, sozialpädagogischer Begleitung und Beratungsstelle, das war die Idee. Sie wird nicht verwirklicht – die Enttäuschung ist groß.

„Eine wirklich wunderbare Sache wäre das gewesen“, findet Pfarrer Walter Waldschütz. Dass die Immobilie frei wird, war schon seit dem Beschluss klar, das historische Pfarrhaus in Egern zu sanieren und dort auch die Verwaltung unterzubringen. Waldschütz war begeistert, als die Stiftung von Gertraud Gruber, Betreiberin einer Schönheitsfarm in Rottach-Egern, Bereitschaft bekundete, dort mit einer Millionen-Spende die Basis für ein Mutter-Kind-Heim zu schaffen. Der Bedarf stehe außer Zweifel, meint Waldschütz. Schließlich gebe es im Umkreis keine solche Einrichtung.

„Wir wollten das Haus unentgeltlich zur Verfügung stellen“, berichtet Irene Bopp als Vertreterin der Gruber-Stiftung. Das alte Gebäude ist sanierungsbedürftig, für die Nutzung als Mutter-Kind-Haus müsste es saniert und umgebaut werden. Eine gute Million Euro sollte aus der Stiftung in das Projekt fließen. Gesucht war ein Träger, der die Einrichtung betreibt.

Örtliche Vertreter der Caritas zeigten Interesse und arbeiteten ein Konzept aus. „Das war alles wunderbar angedacht“, berichtet Bopp. Wolfgang Hodbod, Leiter des Caritas-Kinderdorfs in Irschenberg, habe sich mit viel Leidenschaft eingebracht. Eineinhalb Jahre habe die Stiftung mit der Caritas verhandelt, erklärt Bopp. Doch als es kurz vor dem Beginn des Bieterverfahrens für das Anwesen darum ging, den Betreibervertrag zu unterzeichnen, winkte der Landesverband der Caritas ab.

„Wir sind maßlos enttäuscht“, sagt Bopp. Die Gegend brauche eine solche Einrichtung dringend. „Und wir haben so viel Engagement hineingesteckt.“ Auch Pfarrer Waldschütz ist wegen der Absage verstimmt.

„Es tut uns auch leid“, erklärt Bettina Bäumlisberger als Sprecherin des Caritas-Verbands. Aber so großzügig die Millionen-Spende auch sei: „Mit dem Haus allein ist es nicht getan.“ Die sozialpädagogische Begleitung koste viel Geld. Zwar müsse die Caritas als Non-Profit-Unternehmen keine Gewinne machen, dürfe aber auch keine großen Verluste einfahren. Eventuell wäre eine Spendenaktion für den Betrieb denkbar gewesen. Doch die Stiftung habe auf eine schnelle Entscheidung gedrängt. „Für eine belastbare Kalkulation sowie die Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse in unserem Verband, etwa auch mit Vorstellung und Genehmigung durch den Aufsichtsrat, war die Zeit zu kurz.“

Der Betrieb eines Mutter-Kind-Hauses liege auch nicht im originären Kernportfolio des Caritasverbands, merkt Bäumlisberger an. In der Regel übernehme diesen Bereich der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) als Partnerverband. Diesen habe man auch gebeten, das Projekt zu prüfen. Mangels lokaler Kapazitäten sehe sich der SKF aber außerstande, den Betrieb zu übernehmen.

Am Bieterverfahren für die Immobilie hat sich die Gruber-Stiftung nach den gescheiterten Verhandlungen mit der Caritas nicht mehr beteiligt. Es wurde vor Kurzem abgeschlossen. Die Liegenschaftsverwaltung des Erzbischöflichen Ordinariats vergibt das 657 Quadratmeter große Grundstück im Erbbaurecht mit Gebäudeablöse. Das Grundstück bleibt damit Eigentum der örtlichen Pfarrpfründestiftung, während das Eigentum am Gebäude auf den Erbbaurechtsnehmer übergeht. „Es liegen vier Bewerbungen vor“, berichtet Ordinariats-Sprecher Hendrik Steffens. Der Zuschlag erfolgt nach Höchstgebot, allerdings soll laut Steffens auch die geplante Nutzung berücksichtigt werden: „Insbesondere mit Blick auf soziale Gesichtspunkte.“ Die Prüfung der Bewerbungen läuft noch.

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