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 Chef-Wohltäter: Sepp Prestel ist seit 20 Jahren Präsident des Auer-Alm-Vereins.

„Was aus Bierlaune entstehen kann“

20 Jahre Wohltätigkeit: Auer-Alm-Verein feiert Geburtstag

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Aus einer Blödelei am Stammtisch entstand der Auer-Alm-Verein. Der hat sich vor allem der Wohltätigkeit verschrieben und zählt mittlerweile rund 2200 Mitglieder. Jetzt feiert er Geburtstag.

Bad Wiessee – 18. Februar 1998. Acht Mann sitzen am Stammtisch auf der Aueralm. Gesprächsthema: der Alpenverein. Als er gefragt wird, ob er da Mitglied sei, verneint Sepp Prestel. „Aber ich wäre Mitglied im Auer-Alm-Verein, wenn es ihn geben würde“, scherzt er. „Dann gründen wir ihn halt“, antwortet Bobby Schaarschmidt. Gesagt, getan. Keine fünf Minuten dauert es, bis sich der neue Verein organisiert hat – auf einem Blatt Papier, das die Wirtin auf Zuruf kurzerhand zur Verfügung stellte. Bobby wird Kassier, die inzwischen verstorbene Monika Sutor Schriftführerin und Prestel wegen der angestrebten hohen Mitgliederzahl nicht Vorsitzender, sondern Präsident. Die übrigen fünf Stammtischler werden zu Beisitzern ernannt.

Wegweisendes Papier: die Gründungsurkunde von 1998.  

Den Auer-Alm-Verein gibt es auch heute noch – ziemlich genau 20 Jahre nach besagtem Februarabend. In ihren kühnsten Träumen malten sich die Gründer damals aus, irgendwann einmal 30, vielleicht sogar 50 Gleichgesinnte anzuwerben. Was dann geschah, damit hatte niemand gerechnet: Bereits nach einer Woche zählte der Auer-Alm-Verein 142 Mitglieder, Ende des Jahres 1998 beinahe 800. Ein Phänomen. Und dennoch war das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Insgesamt 3208 Mitglieder hatte der Verein in den vergangenen 20 Jahren. „Da sieht man, was aus einem Blödsinn oder einer Bierlaune heraus entstehen kann“, sagt Prestel und lacht. Seit einigen Jahren liegt die Zahl der Auer-Alm-Freunde nun konstant bei etwa 2200.

Aber warum? Woher kommt dieser Zulauf? Sicher, die Aueralm ist ein beliebtes Ausflugsziel. Und der dortige Mittwochs-Stammtisch eine echte Institution auch über die Landkreisgrenzen hinaus. Aber 2200 Mitglieder? Laut Prestel, 2014 von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit dem „Bergwacht-Edelweiß“ ausgezeichnet, ist die Ursache für den rasanten Zuwachs der Zweck des Vereins: Wohltätigkeit. Jedes Mitglied bezahlt einen Jahresbeitrag von fünf Euro. „Die tun keinem weh“, sagt Prestel.

Einen minimalen Anteil beanspruchen die Mitglieder selbst – bei der Hauptversammlung am 10.10. um 10.10 Uhr steht jedem eine Halbe Freibier zu. Der Rest – inzwischen bald 200 000 Euro – kommt zur Hälfte der Bergwacht und zur Hälfte diversen Rettungs- und Hilfsorganisationen der Jugend- und Behindertenförderung zugute. Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Mitgliedergewinnung spielte auch Prestels Hartnäckigkeit, mit der er nahezu jeden, den er angesprochen hatte, zu einem Beitritt bewegen konnte. „Mir ist keiner ausgekommen.“

Auch nicht Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die schon zwei Mal bei der Hauptversammlung zu Gast war. Oder der damalige Bundespräsident Johannes Rau, der dem Verein während eines Kur-Aufenthalts in Bad Wiessee beitrat und den Auer-Alm-Vereinspräsidenten Prestel in einem Brief mit der Anrede „Herr Kollege“ bedachte.

Und sogar einen noch unbestätigten Rekord halten die Aueralmer. Den für das jüngste Mitglied: Bereits einen Tag vor der geplanten Geburt hatte ein werdender Opa seinen Enkel in den Verein aufgenommen. Im Alter von minus einem Tag.

Ein paar Jahre älter ist die Führungsriege beim Auer-Alm-Verein. Bobby ist 81, Prestel zählt 67 Jahre. Geht es nach ihm, soll eine Verjüngung her. Die Voraussetzungen als Präsident, Kassier oder Schriftführer: sicherer Umgang mit Excel und mit Bankeinzügen, Geselligkeit und Humor. „Damit die Reden bei der Hauptversammlung in meinem Sinne weitergeführt werden“, sagt Prestel.

Jung genug, um den 20. Geburtstag des Auer-Alm-Vereins gebührend zu feiern, sind Prestel und Co. allesamt. Dazu treffen sich die Mitglieder am Sonntag, 18. Februar, ab 12 Uhr auf der Aueralm. Zum gemütlichen Beisammensein mit Musik – unter anderem der vereinseigenen Hymne, zum Schwärmen über alte Zeiten und zum Austauschen von Anekdoten. „Mit denen könnte ich eine ganze Lokalzeitung füllen“, sagt der Präsident. Selbstverständlich trinken die Mitglieder auch dann wieder ihre eine Halbe Freibier. Oder wie Prestel: „Eine nach der anderen.“

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