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Das Gelände ist geräumt: Die Gemäuer des alten Jodschwefelbads sind mittlerweile verschwunden. Die Kosten für den Abbruch liegen allerdings deutlich höher, als ursprünglich angenommen.

Auf die Gemeinde Bad Wiessee kommen 713.000 Euro Mehrkosten zu

„Damit konnte keiner rechnen“: Kosten-Explosion beim Abbruch des Jobads

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Die Baustelle auf dem alten Jodbad-Gelände in Bad Wiessee hält eine weitere (böse) Überraschung parat: Der Abbruch des alten Gemäuers kommt weitaus teurer als gedacht. Die Mehrkosten muss die Gemeinde tragen.

Bad Wiessee – Gut eine Million Euro waren für den Abriss des alten Jodschwefelbades veranschlagt. Die Arbeiten für den Rückbau gab der Käufer und Schweizer Hotelinvestor, die Sports Medicine Excellence Group (SME), in Auftrag. Die Gesamtkosten – so ist es vertraglich festgehalten – trägt aber noch die Gemeinde als Verkäuferin des Areals. Nun muss Bad Wiessee eine bittere Pille schlucken: Die tatsächlichen Abbruchkosten liegen um rund 713.000 Euro höher als ursprünglich angenommen.

„Damit konnte keiner rechnen“, sagt Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Ausschlaggebend für die Kostenmehrung war in erster Linie die Entsorgung eines alten Heilwassertanks, der erhebliche Paraffin-Ablagerungen aufwies. „Den konnte man im Vorfeld nicht inspizieren“, macht Höß deutlich.

Die Gemeinderäte erfuhren vor circa einer Woche von der eklatanten Kostenmehrung. Am Donnerstagabend war diese nun Thema in der Sitzung des Gremiums – allerdings im nicht-öffentlichen Teil. Auslöser für die Debatte war eine Rechnung, die der Gemeinde seitens SME ins Haus flatterte. Der Investor möchte die bisher angefallenen Mehrkosten sowie weitere Kosten mit dem Rathaus schon einmal abrechnen, um beim Abbruchunternehmen nicht in Vorleistung treten zu müssen.

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Verpflichtet ist die Gemeinde dazu nicht, wie Rathaus-Geschäftsleiter Hilmar Danzinger auf Nachfrage der Tegernseer Zeitung erläutert. Die Erstattung werde erst fällig, wenn SME eine so genannte Schlussrechnung des beauftragten Rückbauunternehmens vorlege – eine solche gibt es aber noch nicht. Somit lehnte der Wiesseer Gemeinderat die Bezahlung der zusätzlichen Abbruchkosten in Höhe von exakt 712 634,52 Euro an SME erst einmal ab. Die Entscheidung fiel laut Protokollauszug, den die Gemeinde am Freitag herausgab, denkbar knapp aus: mit einer Stimmengleichheit von 7:7.

Die CSU-Fraktion war geschlossen gegen die Kostenübernahme. „Wir hatten seinerzeit schon den Kaufvertrag mit SME komplett abgelehnt“, erläutert CSU-Bürgermeisterkandidat Florian Sareiter gegenüber der Tegernseer Zeitung. Sowohl den Kaufpreis als auch die Übernahme aller Abbruchkosten durch die Gemeinde habe man schon damals kritisiert, erinnert Sareiter. Deshalb habe die CSU nun konsequenterweise auch nicht für die Übernahme der Mehrkosten gestimmt.

Bürgermeister Höß hält die Entscheidung für falsch. „Wir müssen das so oder so bezahlen“, erklärt er auf Nachfrage. Dass der Gemeinderat die Zwischenabrechnung nun zunächst zurückgewiesen habe, sei das falsche Signal an diesen Investor und auch an alle anderen, die künftig in Bad Wiessee ihr Geld investieren wollen. „So einfach sind diese Leute nicht zu finden“, betont der Rathaus-Chef.

Zuletzt hatte SME allerdings weniger durch sein Engagement in der Gemeinde als vielmehr durch einen Baustopp für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen, das auf dem einstigen Jodbad-Gelände ein Hotel der Luxusklasse nebst medizinischem Funktionsgebäude realisieren möchte, hatte die Arbeiten Ende Mai überraschend eingestellt. Der Baustopp soll vorerst bis zum Jahresende andauern. Die Unterbrechung, so erklärte SME-Verwaltungsratspräsident Florian Kamelger damals, wolle sein Unternehmen dazu nutzen, um auf unerwartete bauliche Faktoren „korrigierend einzuwirken“. Die Rede war damals auch von Problemen mit dem Denkmalschutz.

Höß liegen derzeit keine neuen Erkenntnisse darüber vor, wann es auf der Mega-Baustelle im Zentrum Bad Wiessees weiter geht. Sein Vertrauen in den Investor ist aber nach wie vor nicht erschüttert. „Nach allem, was ich weiß, bin ich fest davon überzeugt, dass SME seine Pläne umsetzt.“

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