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Die WC-Anlage beim Spielplatz Hagngasse ist seit fast einem Jahr geschlossen.

Unterschriftenaktion des Elternbeirats

Am Spielplatz Hagngasse: Kampf ums Klo 

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Zwei verschlossene Toiletten, 250 Unterschriften. Mit einer Aktion hat der Kindergarten-Elternbeirat versucht, die Gemeinde zur Öffnung der Klos beim Spielplatz Hagngasse zu bringen. Vorerst vergeblich.

Bad Wiessee – Die kleine WC-Anlage am Spielplatz Hagngasse – eine Toilette für Damen, eine für Herren – ist seit fast einem Jahr verriegelt. „Wir wollten mal den Bedarf checken“, erklärte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Das Toilettenhäuschen sei in keinem guten Zustand, das Dach defekt. Eine Sanierung kommt teuer. Also habe die Gemeinde die Türen verschlossen und auf Reaktionen gewartet. Ein Dreivierteljahr lang sei nichts passiert. Eine einzige Person habe sich gemeldet.

Und dann das. Der Elternbeirat des nahe dem Spielplatz gelegenen Kindergartens Maria Himmelfahrt legte im Rathaus 250 Unterschriften vor. Sie alle untermauern die Bitte, die Toilettenanlage wieder zu öffnen. Um diese gewaltige Reso

nanz zu erzeugen, hatten Initiatorin Sabine Kirchmair und ihre Mitstreiter viele Listen ausgelegt. Im Kindergarten Maria Himmelfahrt, in Geschäften und auch in der Spiel-Arena. Letztere liegt vom Spielplatz Hagngasse zwar weit entfernt. Unterschrieben wurde trotzdem fleißig. Es geht schließlich um Kinder, Eltern und ein dringendes Bedürfnis.

Dabei herrscht kein Toiletten-Notstand im Kindergarten. Dessen Schützlinge dürfen den Spielplatz zwar vormittags nutzen, huschen bei Bedarf aber lieber aufs nahe Kindergarten-Klo. Das Problem ist ein anderes: Weil die WC-Anlage neben dem Spielplatz geschlossen ist, klopfen immer wieder „Bedürftige“ beim Kindergarten an. Eltern, die mit ihren Kindern den Spielplatz besuchen, oder auch Wanderer, die sich erleichtern wollen.

Für Kirchmair ist das Problem leicht zu lösen. „Die Klos sind doch in keinem so schlechten Zustand.“ Der Elternbeirat bitte die Gemeinde herzlich darum, die Anlage wieder zu öffnen.

Im Gemeinderat konnte sich nur Florian Sareiter (CSU) eine „Lösung light“ vorstellen. „Da geht’s doch nur ums Aufsperren“, meinte er. Eine Sanierung könne die Gemeinde ja als zweiten Schritt ins Auge fassen.

Für Bürgermeister Höß kommt das nicht in Frage. „Es muss schon eine Anlage sein, die unserer auch würdig ist“, urteilte er. Dies sei im aktuellen Zustand nicht der Fall. Den Antrag auf Öffnung einfach durchzuwinken, komme darum nicht in Frage. Er schlage vor, die Kosten zu prüfen und den Bauausschuss mit der Entscheidung über eine Sanierung zu befassen. Bei Bedarf werde die zur Erneuerung erforderliche Summe im Haushalt 2019 vorgesehen.

Die Unterschriftenliste habe ihn überrascht, setzte Höß noch hinzu: „Ein Dreivierteljahr lang hat das niemanden interessiert.“

Kalkuliert sind die Kosten aktuell nicht. Trotzdem stand eine Summe von 120 000 Euro im Raum. Ingrid Versen (CSU) sprach sich dafür aus, die Ausgabe nicht zu scheuen. Schließlich habe die Gemeinde allein für die Winterstube 90 000 Euro verbraten: „Wir sollten die Bürger ernst nehmen.“

Letztlich fand die Empfehlung von Bürgermeister Höß, eine Ortsbesichtigung für den Bauausschuss anzusetzen und erst danach weitere Schritte einzuleiten, Zustimmung. Vertreter des Elternbeirats, die der Debatte als Zuhörer im Sitzungssaal folgten, wunderten sich. „Der Bedarf ist mit den Unterschriften doch bewiesen“, meint Kirchmair. Dass ein Dreivierteljahr keiner wegen der geschlossenen Toilette im Rathaus nachgehakt habe, sage doch nichts aus: „Da war ja auch Winter.“

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