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Mutter und Tochter angeklagt

Betrug mit Gutscheinen in Wiesseer Hotel

Bad Wiessee - Über 1000 Gutscheine sollen die beiden Hotelbetreiberinnen zwar verkauft, aber ohne Gegenleistung nur das Geld eingesteckt haben. Nun landete der Fall vor dem Miesbacher Amtsgericht. 

Wer kennt sie nicht, die Gutscheine, die Hotelübernachtungen vergünstigt anbieten? Im Internet gibt es sie zu Hauf. Ein solches Angebotsmodell brachte nun zwei ehemalige Hotelbetreiberinnen wegens Betrugs vor das Miesbacher Amtsgericht. Sie sollen 1878 Gutscheine für eine oder mehrere Nächte in ihrem 13-Zimmer-Hotel in Bad Wiessee verkauft haben, und lediglich 706 davon eingelöst.

Zwischen 2011 bis 2014 hatten Mutter (74) und Tochter (45) das Hotel gemeinsam betrieben. Von Beginn an lief es nicht gut. Ein Zeuge, der für den Besitzer damals die Vermietung regelte, sagte vor Gericht: „Die erste Pacht kam nicht, die im nächsten Monat auch nicht.“ Um das Hotel zu retten, wie Rechtsanwalt Gupta Santosch erklärte, bestellten die Frauen bei einer dafür spezialisierten Firma die Gutscheine. Erst hundert Stück. Dann mehr. Doch der Plan ging nicht auf. Noch heute haben die Angeklagten 71 000 Euro Mietschulden.

Nur 160 Geschädigte erstatteten Anzeige

„Es hat total eingeschlagen“, sagte die 74-jährige Angeklagte in der Schöffenverhandlung zum Gutscheinverkauf. Das Problem: Alle Gäste mit Gutschein hätten nur in der Hauptsaison kommen wollen. Die Angeklagten konnten sie in ihren 13 Zimmern nicht unterbringen und vertrösteten sie ein ums andere Mal. Um den Schaden zu begrenzen, empfing die 74-Jährige die Gäste in ihrer privaten Ferienwohnung. Auch dort war aber für Hunderte verkaufte Übernachtungen nicht genügend Platz. Auf Ebay, wo die Gutscheine vertrieben worden waren, finden sich zig Beschwerdemeldungen. Bei der Polizei gingen insgesamt 160 Anzeigen ein. Die
Zahl der Geschädigten, die keine erstatteten, liegt wohl deutlich darüber.

Käufer beschweren sich auf Ebay über die Gutscheine.

Einige erstatteten Anzeige....

Einige Käufer erstatteten Anzeige.

... andere nicht.

Die Geschädigten wollten ihr Geld zurück, eine Anzeige machten viele nicht.

Gut gekleidet waren die Frauen vor Gericht erschienen, die Geldsorgen waren ihnen nicht anzusehen. Dass sie die aber hatten und wohl immer noch haben, bestätigte ein weiterer Zeuge. Der ermittelnde Polizeibeamte aus Bad Wiessee berichtete von einer Durchsuchung im Haus der Frauen, nachdem Anzeigen von Gutscheinkäufern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingegangen waren. Zig Ordner und Unterlagen hatte er vorgefunden. Den Inhalt bezeichnete der Polizist als ein „Sammelsurium an Mahnbescheiden“.

Nachmieter erhält jeden Tag Beschwerdeanrufe

Aus den Unterlagen ging hervor, dass 1878 Gutscheine verkauft und 706 eingelöst worden waren. Der Polizeibeamte vermutete, dass mit dem Gewinn auch andere Schulden beglichen worden waren. Außerdem hatten die Angeklagten seiner Meinung nach „ein scheinbar aufwendiges Leben geführt“. Bei dem damaligen Vermieter habe die Mutter versichert, genügend Geld zu haben. Als die Zahlungen ausblieben, wurde der auf drei Jahre befristete Vertrag nicht verlängert.

Die wütenden Käufer der Gutscheine, die drei Jahre hätten gültig sein sollen, riefen auch den Nachmieter an, um ihrem Ärger Luft zu machen. „Der hat das wohl psychisch nicht gepackt“, erzählte der Vermieter. Er sprach von 20 bis 30 Anrufen pro Tag. Nach einem Jahr packte der Nachfolger die Koffer. Unter den jetzigen Pächtern laufe es nun aber gut.

Die Frauen gestanden – jedoch nur 113 der angezeigten Fälle. Das war vorab in einem Rechtsgespräch festgelegt worden. Die Mutter verurteilte Richter Walter Leitner zu zwei Jahren Haft, die Tochter zu einem Jahr – beide auf Bewährung. Der finanzielle Schaden allein aus den 113 Betrugsfällen beträgt 11 080 Euro. Hätten sich die rund 1000 weiteren Betrogenen gemeldet, wären die Angeklagten wohl nicht mehr so glimpflich davon gekommen.

nip

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