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So ruhig ist es längst nicht immer. Vor allem an Wochenenden mit Sonnenschein sind auf der Wiesseer Seepromenade sehr viele Radler unterwegs, viele mit schnellen E-Bikes . 

Bürgermeister Peter Höß will neue Regelung

An der Wiesseer Seepromenade: Notbremse für Radl-Rüpel

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In Schwärmen umkurven E-Biker Spaziergänger auf der Wiesseer Uferpromenade. Immer öfter gibt‘s Konflikte. Bürgermeister Peter Höß will darauf jetzt reagieren. 

Bad Wiessee Seinen Spaziergang an der Wiesseer Seepromenade hatte sich der Münchner Michael Lange (45) anders vorgestellt. Statt schlendernd mit seiner Frau den Blick aufs Wasser genießen zu können, war höchste Vorsicht geboten. Schwärme von E-Bikern, die auf dem Uferweg im Zickzack Spaziergänger umkurvten, vergällten dem Münchner den Ausflug nach Bad Wiessee. „Die waren rücksichtslos ohne Ende“, sagt Lange. Ein Spaziergang auf dem Uferweg sei unmöglich gewesen. Statt langsamer zu werden, hätten viele Radler klingelnd und rufend spielende Kinder und Senioren zackig umfahren und dabei in Gefahr gebracht. „Auch andere Spaziergänger waren sehr erbost über das Verhalten der Radler“, berichtet Lange. Das Szenario erlebe er im Übrigen nicht zum ersten Mal. Schon öfters sei er bei Ausflügen an den Tegernsee als Fußgänger von Radfahrern bedrängt worden. Jetzt hat er genug. „Wir werden in nächster Zeit sicher nicht wiederkommen“, meint Lange. Vielleicht dann wieder im Winter: „Wenn es den Radlern zu kalt ist, können wir den See dann vielleicht wieder voll genießen.“

Radfahrer auf der Seepromenade: Spaziergänger sind verärgert

Lange hat sich an unsere Zeitung gewandt, weil er die Zustände nicht einfach nur hinnehmen will. Sein Appell: „Die Gemeinde sollte schnellstens etwas unternehmen, bevor noch etwas passiert.“ Vielleicht könne die Kommune am Wochenende Kontrollen durchführen, Radler ermahnen und vielleicht auch mit einem Bußgeld verwarnen.

Die Botschaft, dass sich etwas ändern muss, ist bei Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) bereits angekommen. Denn nicht nur Lange sieht sich von Radl-Rüpeln in die Zange genommen. „Wir haben vermehrt Beschwerden“, erklärt Höß. Dies liege vor allem an der großen Zahl von E-Bikern, die mit viel Tempo und ohne Rücksicht die Seepromenade entlang sausen. Höß will jetzt die Notbremse ziehen und die Seepromenade für Radfahrer wieder sperren. Zumindest in den Bereichen, wo es nur einen Weg am Ufer gibt. In einer der nächsten Gemeinderatssitzungen werde er über diesen Punkt abstimmen lassen, erklärt Höß. „Ich gehe davon aus, dass der Gemeinderat auch zustimmt.“

Radfahren auf Wiesseer Promenade bald wieder verboten?

Für Höß bedeutet die Empfehlung, die Seepromenade für Radfahrer zu sperren, eine Rolle rückwärts. Denn in früheren Zeiten war sie bereits Bannmeile für Radler. Bis zum Juni 2017 mussten Radfahrer kurz nach dem Strandbad Grieblinger im Norden der Gemeinde über die Adrian-Stoop-Straße in Richtung Lindenplatz und von dort über die Seestraße in Richtung wieder in Richtung Ufer strampeln. Nach einer Verkehrsschau mit Vertretern des Landratsamtes und der Polizeiinspektion hatte Höß dem Gemeinderat 2017 vorgeschlagen, die Seepromenade komplett für den Radverkehr freizugeben. Begründet wurde dies mit dem touristischen Nutzen. Schließlich wolle jeder möglichst nahe an den See, und in anderen Orten funktioniere das Nebeneinander auch gut.

Im Gemeinderat war die Aufhebung des Verbots vor zwei Jahren heftig umstritten. Einige Mandatsträger, wie etwa Kurt Sareiter (CSU), fürchteten um die Sicherheit der Fußgänger. Der Beschluss fiel mit 9:6 Stimmen.

Die Freigabe der Strecke für Radler erfolgte mit Einschränkungen. Es handelt sich weiter um einen Fußweg, auf dem das Radfahren lediglich erlaubt ist. Die Radfahrer sollen Rücksicht nehmen und Schrittgeschwindigkeit fahren. Die Realität sieht derzeit anders aus, wie Höß selbst beobachtet hat. Die Situation habe sich mit der Zunahme der E-Biker sehr verschärft, so Höß. Es gelte, eine neue Regelung zu treffen: „Wie die aussehen soll, wird der Gemeinderat entscheiden.“

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