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Beim Badepark sind Heizhaus und Brennstofflager vorgesehen. Anwohner fürchten die Belastung durch Lkw-Fahrten und Abgase. 

Es sollte ein Schritt für die Energiewende sein

Anwohner wollen sich gegen Heizwerk am Badepark wehren - auch vor Gericht

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Ein Biomasse-Heizwerk neben dem Badepark soll Bad Wiessee der Energiewende näherbringen. Mit dem Standort sind die Anwohner jedoch ganz und gar nicht einverstanden. 

Bad Wiessee– Die Idee, Hackschnitzel als Brennstoff zu verwenden, liegt in Bad Wiessee buchstäblich nahe: Wald wächst in der Umgebung reichlich. Die Gemeinde ließ vom Miesbacher Ingenieurbüro EST (EnergieSystemTechnik) eine Machbarkeitsstudie anfertigen, die zu dem Schluss kommt: Ein Nahwärmenetz im Kurviertel wäre rentabel, sofern sich für den Start genügend Großkunden finden. Als Standort wäre der Studie zufolge ein Grundstück gleich neben dem gemeindlichen Badepark ideal.

Die Anwohner sehen das anders. Sie haben sich mittlerweile zu

einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und fordern die Gemeinde in einem Schreiben auf, die Planung noch einmal zu überdenken. „Sollten Sie allerdings an Ihrer aktuellen Projektplanung festhalten, kündigen wir schon jetzt an, juristische Hilfe in Anspruch zu nehmen“, heißt es in dem Schreiben an Bürgermeister Peter Höß. Etwa 20 Anwohner haben unterzeichnet.

Damit ist klar: Der Info-Abend Mitte Oktober hat die Wogen nicht glätten können. Wie berichtet, hatte der Arbeitskreis Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (AT´TEK) das Projekt mit Unterstützung von EST-Chef Michael Brünner und Sebastian Henghuber als Vertreter des Unternehmens MW Biomasse dargestellt. „Im Ergebnis verlief diese Informationsveranstaltung für die Zuhörer unbefriedigend“, heißt es in dem Schreiben der Anwohner. Teils seien unpräzise Angaben gemacht, teils auch falsche Zahlen genannt worden. So habe die Projektleitung erst von zwei Lkw-Fahrten pro Woche gesprochen und sich dann auf vier bis fünf Fahrten korrigiert. Hinzu komme, dass je Lieferung zwei Container mit Hackschnitzeln zur Abladestelle gefahren werden müssten. Sowohl beim Rangieren der Lastwagen auf der Furtwänglerstraße als auch beim Abladen selbst sei der Motorlärm für die gesamte Umgebung störend. Dies betreffe nicht nur die nahen Hotels und Wohnungen, sondern auch das Außenbecken des Badeparks und die Ruheräume des künftigen Jodschwefelbads. Trotz der hohen Schornsteine lasse sich je nach Windrichtung auch eine Belästigung durch Abgase nicht vermeiden. Offenbar habe bei der Auswahl des Standorts der Erhalt des Kurort-Charakters keine Rolle gespielt. „Ganz offensichtlich waren ausschließlich wirtschaftliche Interessen maßgeblich“, heißt es in dem Schreiben.

ATTEK-Sprecher Karl Schönbauer wundert sich über die Vorwürfe. Bei dem Info-Abend hätten die Projektleiter das Vorhaben auf 30 Folien umfassend präsentiert und alle Nachfragen beantwortet, berichtet er. Eine Unschärfe bezüglich der Zahl von Lkw-Fahrten habe man unverzüglich richtiggestellt. Es seien 1,3 Lkw-Fahrten an fünf Tagen der Woche. Eine sehr geringe Anzahl, findet Schönbauer, vor allem in Anbetracht des sonstigen Verkehrs: „Da muss man nur an die vielen Busse denken.“

Im Auftrag der Gemeinde treibt Schönbauer das Projekt weiter voran. Es gilt, Großkunden zu gewinnen. In Gesprächen ist Schönbauer mit Vertretern von Athos, dem Büro der Familie Strüngmann, die an der Seepromenade ein Luxushotel sowie fünf Wohn- und Geschäftshäuser plant. Das Unternehmen Sports Medicine Excellence Group (SME), das auf dem Jodbad-Gelände baut, hat sich bereits gegen einen Anschluss ans Nahwärmenetz entschieden. Die Ausschreibung des Heizwerks mitsamt Ringleitung ist in Vorbereitung und soll Anfang 2018 erfolgen. Kalkuliert ist das Vorhaben auf sechs Millionen Euro.

Was den Standort angeht, will Bürgermeister Peter Höß nichts übers Knie brechen. Er nehme die Einwände der Anwohner sehr ernst: „Das muss sauber geprüft werden.“

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