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Bad Wiessee will Wohnraum für Einheimische sichern. Deshalb soll es auch dort künftig eine Satzung geben, die die Schaffung von Zweitwohnsitzen unterbindet.

Beispiel aus Berchtesgaden macht am Tegernsee Schule

Jetzt will auch Bad Wiessee die Anti-Zweitwohnungs-Satzung

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Das Beispiel Berchtesgaden macht Schule: Nach Kreuth und Rottach-Egern will mit Bad Wiessee nun die dritte Gemeinde am Tegernsee eine Anti-Zweitwohnungs-Satzung erlassen. Es wurden aber auch Bedenken laut.

Bad Wiessee In Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion soll es künftig nicht mehr möglich sein, Immobilien als Zweitwohnsitz zu erwerben. Auch die Möglichkeit zur Umwandlung von Wohnraum oder Ferienwohnungen in Zweitwohnungen soll unterbunden werden. So wünscht es sich die Fraktion des Wiesseer Blocks, die im Gemeinderat einen entsprechenden Antrag vorgelegt hat. Orientieren solle man sich am Beispiel Kreuths, das den Vorreiter machte und die Satzung im Oktober beschlossen hat. Kürzlich zog Rottach-Egern mit einem Grundsatzbeschluss nach.

Die Gemeinde verfüge bereits seit 2003 über eine Fremdenverkehrssatzung, berichtete Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) im Gemeinderat. Diese gelte es zu überarbeiten, um künftig die Schaffung von Zweitwohnungen zu unterbinden. Höß war vom Nutzen einer solchen Satzung überzeugt. „Das macht es auch für Bauträger uninteressanter, Grundstücke bei uns zu erwerben, Eigentumswohnungen zu bauen und zu verkaufen“, argumentierte Höß. Um Wohnraum für Einheimische zu sichern, müsse die Gemeinde der schwierigen Entwicklung hin zu Zweitwohnsitzen Einhalt gebieten, fand der Bürgermeister.

CSU-Gemeinderat Thomas Erler meldete Bedenken an.

Für CSU-Gemeinderat Thomas Erler stellte sich die Sache nicht ganz so einfach dar. Er selbst habe vor geraumer Zeit in Bad Wiessee einen Zweitwohnsitz erworben mit dem Ziel, einmal wieder ganz in die Tal-Gemeinde umzusiedeln. „Wenn es diese Regelung 1990 schon gegeben hätte, wäre ich heute nicht in Bad Wiessee“, meinte Erler mit Blick auf die angestrebte Satzung.

Darüber hinaus beschäftigte ihn die Frage, was passiere, wenn sein Sohn – der nicht am Tegernsee lebt und arbeitet – die Wohnung eines Tages erbe. „Das könnte für ihn vorläufig nur eine Zweitwohnung sein“, gab Erler zu bedenken. Sei er dann gezwungen, die Wohnung zu verkaufen?

Fragen, die zunächst ungeklärt blieben. Die Verwaltung werde einen Vorschlag für eine Satzung erarbeiten, kündigte der Bürgermeister an. Allerdings merkte Rathaus-Geschäftsleiter Hilmar Danzinger schon bei der Sitzung an, dass die Befürchtungen Erlers „durchaus berechtigt sind“. Auch die Frage von CSU-Gemeinderat Florian Sareiter, seines Zeichens Bürgermeisterkandidat, wie das Ganze überhaupt zu kontrollieren sei, konnte bei der Sitzung nicht geklärt werden.

Lesen Sie hier: Steuererhöhung gegen „Syltisierung“: Tegernsee sagt Feriensitzen den Kampf an

Dennoch fasste das Gremium den einstimmigen Beschluss, von der Verwaltung eine Satzung ausarbeiten zu lassen, die den Empfehlungen des Bayerischen Gemeindetags entspricht. Der Entwurf sei dem Gemeinderat dann zum Beschluss vorzulegen. „Wir sollten diesen Weg gehen“, fand Bernd Kuntze-Fechner (SPD). „Wir betreten ja hier kein Neuland.“

gab

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