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Leicht kippen, und schon steht das Ding: Anton Grauvogl  hat eine Bremse für Rodel entwickelt. 

Bremse ist leicht zu bedienen

Diese Erfindung eines Wiesseers bremst Rodelunfälle aus

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Eine Rodelpartie ist meist zünftig, aber oft auch gefährlich. Um Unfälle zu verhindern, hat der Wiesseer Anton Grauvogl (65) eine nützliche Erfindung gemacht.

Bad Wiessee – Es war vor 15 Jahren, Anton Grauvogl erinnert sich noch genau. „Auf dem Weg von der Aueralm hinunter ins Tal, konnte ich nicht mehr bremsen und bin in ein Schneewandl gedonnert.“ Die Folge war eine schmerzhafte Bänder-Dehnung am Fuß. An jenem Tag hat der Wiesseer beschlossen: „Mein Rodel braucht eine Bremse.“

Seine Metallbaufirma hat eine lange Tradition

Anton Grauvogl kennt sich aus mit Tüfteleien. Seine Metallbaufirma mit sechs Mitarbeitern steuert auf das hundertjährige Bestehen zu und wird von dem 65-Jährigen in dritter Generation geführt. Der Fortbestand ist durch seinen Meister Michael Spitz gesichert. Neben den üblichen Arbeiten mit Metall gehört der Verkauf von Rodeln ebenfalls zu seinem Metier. Die Firma vertreibt die Modelle der österreichischen Firma Gallzeiner aus dem nahe gelegenen Jenbach – ein klassischer Rodel aus Fichtenholz mit einem Lederband zum Ziehen und einem Sitzkissen aus Stoff. „Wie auf einem Kanapee“, schwärmt Grauvogl.

Er machte sich also ans Tüfteln und erinnerte sich an seinen Großvater, der früher schon Schlitten für die Bauern baute, damit die ihr Holz ins Tal fahren konnten. „Die hatten sogenannte Tatzen, die sich in den Schnee eingruben“, erzählt er. Auch an den modernen Plastikbobs für Kinder sind heute Handbremsen eingebaut.

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Als sportlicher Talbürger kennt sich Grauvogl schon immer aus mit Rodeltechniken. Wie aber könnte er seinen „Gallzeiner“ im Notfall zum Stehen bringen, wenn das beidseitige Hochziehen der vorderen Kufen und auch das Einspreizen der Füße nichts mehr hilft? Grauvogl entwickelte einen eigentlich ganz simplen Mechanismus: ein 14 Millimeter dünnes und zugleich hohles, 1,20 Meter langes Stahlrohr, das U-förmig gebogen ist. Mit einer Schraubenkonstruktion ist das Rohr so beidseitig am hinteren Drittel der Kufen befestigt, dass es sich kinderleicht mit einer Hand bedienen und kippen lässt. „Bis sich die Enden in die Bahn graben und den Schlitten sogleich sicher zum Stehen bringen“, beschreibt Grauvogl den Mechanismus. Weil es sich um eine Notbremse handle, hat sie eine rote Farbe. Ein Kilo wiegt die Konstruktion, der gesamte Rodel bringt es damit auf etwa neun Kilo. Sogar Spezialwerkzeug zur Herstellung der Bremse und eine Schablone zum Biegen der Rohre hat er in seiner Werkstatt dafür konstruiert.

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Immer mehr Freizeitsportler auf den Bahnen rings um den Tegernsee hätten inzwischen ihre Rodel mit seiner Bremse ausstatten lassen, sagt der 65-Jährige. Vor allem die Rodler an der Aueralm, wo sich regelmäßig bei entsprechenden Schneeverhältnissen eine Fangemeinde trifft. „Und auch an der Buchsteinhütte stehen immer mehr Schlitten mit Bremse. „Die Wallberg-Rodler kommen jetzt auch nach und nach“, berichtet Grauvogl. Er ist überzeugt, dass viele Unfälle, die dort passieren, mit einer Bremse am Schlitten verhindert werden könnten.

Aus Gründen der Sicherheit hätte sich seine Entwicklung allemal gelohnt. Für Erfinder Anton Grauvogl steht fest: Mit ihm wird so schnell kein Rodel mehr buchstäblich „Schlitten fahren“.

gr

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