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Bisher kommen hauptsächlich Einheimische und Familien mit Kindern in den Wiesseer Badepark (hier an Helloween). Künftig soll eine andere Zielgruppe im Vordergrund stehen.

Die Tage als Spaßeinrichtung sind offenbar gezählt

Wiesseer Badepark soll ans neue Jodschwefelbad andocken

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Der Badepark entwickelt sich immer mehr zu einer wichtigen Säule im Zukunftskonzept von Bad Wiessee. Er könnte sogar baulich ans neue Jodschwefelbad andocken. Ein gemeinsamer Ruhebereich ist angedacht.

Bad Wiessee – Mit seiner Aussage, dass mit Familien im Badepark kein Geld zu verdienen sei, hatte Projektentwickler Helmut Karg in der Oktober-Sitzung des Wiesseer Gemeinderats für Aufsehen gesorgt. Mittlerweile hat sich unter Kargs Regie der aus Gemeinderäten bestehende Arbeitskreis erstmals getroffen – und dort wurde offenbar deutlich gemacht: Auch Familien mit Kindern sollen weiterhin ihren Platz im Wiesseer Badepark haben. Der Schwerpunkt wird in Zukunft allerdings ein anderer sein.

Um klar zu machen, wie dringend Handlungsbedarf in dem 50 Jahre alten Gebäude besteht, schickte Karg in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend ein paar Fakten voraus. Pro einem Euro, den die Gemeinde im Badepark einnehme, gebe sie 90 Cent an Personalkosten gleich wieder aus. „Zudem sind die Aufwendungen für Energie und Instandhaltung enorm“, machte der Bäder-Fachmann deutlich. Ein sattes Defizit ist die Folge.

Regelrecht schockiert habe ihn die Tatsache, dass 75 Prozent Normalzahlern und 17,7 Prozent Kindern, die das Bad besuchen, lediglich zwei Prozent Badende mit Gästekarte gegenüber stünden. Heißt also: „Derzeit partizipieren wir hier nicht vom Übernachtungs-Tourismus im Tal.“

All das soll sich künftig ändern. Der Badepark soll sich laut Karg weg von einem Spaßbetrieb hin zum Gesundheits- und Erholungsbereich entwickeln. Zwar wolle man Familien auch weiter berücksichtigen, die Haupt-Zielgruppe liege aber in etwa bei 50 plus. „Wir wollen uns im oberen Preissegment positionieren“, machte Karg deutlich. Dabei helfen könnten die Schaffung neuer, attraktiver Liegeflächen sowie der Bau einer neuen Panoramasauna im ersten Stock, wie sie früher schon einmal angedacht war.

Die Verschönerungs- und Sanierungsmaßnahmen im Badepark sind das eine. Unerlässlich ist für den Projektentwickler aber auch die Verschmelzung mit dem neuen Badehaus, das auf dem benachbarten Grundstück entsteht. Die Gedanken dazu sind im Arbeitskreis offenbar schon konkreter geworden: Angedacht ist etwa die Schaffung eines gemeinsamen Ruhebereichs, der die beiden Einrichtungen auch baulich miteinander verbindet. Auch die Umkleiden im Badepark könnten von den Besuchern beider Bäder genutzt werden. Diese Dinge nämlich – Ruhebereiche und Umkleiden – sind im neuen Badehaus von Stararchitekt Matteo Thun gar nicht vorgesehen. Hier gibt es lediglich die einzelnen Badekabinen.

Gab‘s Planungsfehler beim neuen Badehaus?

CSU-Gemeinderat Georg Erlacher veranlasste das zu einer Mutmaßung: „Ich bekomme allmählich den Eindruck, dass beim neuen Badehaus Planungsfehler gemacht worden sind“. Und Ingrid Versen (ebenfalls CSU) bemerkte dazu spitz: „Das hat eben ein Künstler geplant.“

Versen berichtete zudem von einer Unterredung mit der Wiesseer Augenärztin Dr. Angela Glass, die in ihrer Praxis auch Augenbäder mit dem Jodschwefelwasser verabreicht. „Sie legt allergrößten Wert auf die absolute Trennung von Badehaus und Badepark“, erklärte Versen. Eine mögliche Verbindung, so gab die Gemeinderätin weiter, halte die Medizinerin gar für den „Todesstoß“ fürs Jodschwefelbad. Versen forderte daher dringendst, die Augenärztin in die nächste Sitzung einzuladen, damit sie persönlich ihre Argumente vortragen könne. Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) sagte lediglich zu, dass es ein Treffen geben werde.

Unterdessen steht der Termin für eine weitere Sitzung des Badepark-Arbeitskreises bereits fest: Am 7. Dezember wird man sich erneut mit der Zukunft der Einrichtung beschäftigen. Dann soll auch Architekt Herbert Wagenpfeil mit dabei sein, um die gewünschten Umbauten und Neuerungen schon einmal zu skizzieren.

gab

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