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Noch laufen die Bauarbeiten auf dem SME-Gelände.

SME unterbricht Arbeiten bis zum Jahresende

Bald Baustopp auf dem Jodbad-Gelände

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Noch wird auf der Mega-Baustelle mit Volldampf gearbeitet. Bald ist Schluss. Die Sports Medicine Excellence Group (SME) hat den vorläufigen Stopp der Arbeiten auf dem Jodbad-Gelände verkündet.

Bad Wiessee – Seit dem Spatenstich im Dezember ist viel passiert. „Da wurde professionell und intensiv vorgegangen“, sagt Bürgermeister Peter Höß. Umso überraschter war er, als Bauherr Florian Kamelger, Verwaltungsratspräsident der Firma SME, ihm bei einem Gespräch eröffnete, dass jetzt erst mal Schluss ist. Das Unternehmen will sich Zeit nehmen, um „Anpassungen“ zu erörtern. Viel Zeit. In einer Pressemitteilung erklärt SME, wesentliche Arbeiten würden im Verlauf der nächsten Wochen bis vorerst gegen Ende des Jahres unterbrochen.

Keine guten Neuigkeiten, wie der Bürgermeister einräumt. Sein Vertrauen in die Firma SME als Bauherr ist dennoch nicht erschüttert. Es gebe keinen Anlass, an deren Finanzkraft und am Konzept zu zweifeln, versichert Höß. Natürlich sei es ärgerlich, wenn die Baustelle womöglich ein halbes Jahr länger bleibe als kalkuliert. Doch er sei überzeugt, dass SME am Ende alles so errichten werde wie im Bebauungsplan vorgesehen. Demnach entsteht ein Hotel mit 121 Zimmern, Spa-, Wellness- und Sportbereich mehreren gastronomischen Outlets sowie ein medizinisches Funktionsgebäude. „Der Bauherr hat schon sehr viel investiert und wird dies weiter tun“, meint Höß.

Baustopp auf dem Jodbad-Gelände: Viele Auflagen zum Denkmalschutz

Wie überzeugt er vom Konzept und vom Standort Bad Wiessee ist, versichert auch Kamelger selbst. Es sind andere Dinge, die ihm Sorgen machen. Diverse Auflagen zum Denkmalschutz und zur Abwicklung der Baustelle treiben die Kosten nach oben. Dies könne sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens auswirken, erklärt Kamelger. „Das nehmen wir zur guten Gelegenheit, korrigierend auf diese Faktoren einwirken zu können.“

Mit der Unterbrechung verschafft sich SME Zeit, um ein ganzes Bündel von Problemen zu lösen. Die schlimmsten Bauchschmerzen macht der Umbau der – inzwischen entkernten – Wandelhalle. Hier ist nur erlaubt, was die Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde abgesegnet haben.

„Seit einigen Monaten wurden bereits verbindlich getroffene Entscheidungen wieder in Frage gestellt“, berichtet Kamelger. Dies habe eine Vielzahl an kostenintensiven Abklärungen erfordert. Die Folge: faktischer Planungsstillstand. Es seien auch komplexe Umplanungen erfolgt, so Kamelger: „Teils gegen den Rat von Experten.“ Hinzu kämen neue Anforderungen an den Schutz des Gebäudes, selbst bei Details. Die Änderungen könnten künftige Betriebsabläufe aber erschweren. Obendrein fehle eine zeitliche Verbindlichkeit, wann mit Entscheidungen zu rechnen ist. „Das stellt für uns einen weiteren Unsicherheitsfaktor dar“, meint Kamelger.

Aber auch Vorgaben zum laufenden Baustellenbetrieb setzen den Bauherren unter Druck. Er wolle dies nicht detailliert in der Öffentlichkeit ausbreiten, meint Kamelger auf Nachfrage. Aber es seien bestehende Zusagen zurückgenommen worden, zudem gebe es „immer neue Abklärungen“ im laufenden Baustellenbetrieb. Zudem beklagt Kameler ein „kostenmaximierendes Verhalten einzelner Partner“.

Baustopp am Jodbad-Gelände: SME will am Grundkonzept festhalten

Den Bau zum jetzigen Zeitpunkt zu unterbrechen, hält er „aus strategischer und unternehmerischer Sicht“ für den richtigen Schritt, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen. Er wolle das Projekt weiterhin erfolgreich und effizient vorantreiben. Am Grundkonzept will Kamelger demzufolge nicht rütteln. „Wir arbeiten derzeit mit allen unseren Partnern intensiv an Maßnahmen, um die Wirtschaftlichkeit des Projekts darzustellen“, versichert er.

Noch liegt SME mit der Ausführungsplanung auf Kurs. Der Tiefbau, das wichtigste und umfangreichste Gewerk, ist fast zur Hälfte abgeschlossen. Die Umschließung der gewaltigen Baugrube ist laut Kamelger „praktisch fertig“, mit der Ankerung und den Gründungspfählen wurde begonnen.

„Die Böden sind bei uns auch sehr schwierig“, weiß Bürgermeister Höß. der darauf setzt, dass Kamelger die Probleme noch lösen wird. Im Vorfeld hatte sich der Bürgermeister wegen des Verkaufs des Jodbad-Geländes an SME viel Kritik gefallen lassen müssen. Vor mehr als sieben Jahren hatte die Gemeinde das 18 000 Quadratmeter große Gelände für sieben Millionen Euro an das Schweizer Unternehmen verkauft. Aus heutiger Sicht ein günstiger Preis. Das Unternehmen Medical Park meldete im Nachgang Interesse an und fühlte sich von der Gemeinde schlecht informiert.

Oftmals wurden Zweifel geäußert, ob SME der richtige Partner für die Gemeinde ist. Sie dürften angesichts des Baustopps wieder aufblühen. Was, wenn am Ende im Angesicht einer offenen Baugrube doch Wohnungsbau durchgesetzt werden soll? Überlegungen, die Höß für abwegig hält: „Dafür gibt es keine Hinweise.“

jm

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