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Das Haus Rheinland soll abgerissen werden.

Flüchtlinge müssen umziehen 

Es bleibt nur der Abriss: Haus Rheinland ist nicht zu retten

  • Christina Jachert-Maier
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Wieder wird ein altes Haus aus der Wiesseer Ortsmitte verschwinden: Laut Gutachten ist das Haus Rheinland ein Fall für die Abrissbirne. Derzeit dient es noch als Flüchtlingsunterkunft.

Bad Wiessee– Das Haus Rheinland, aktuell Zuhause für 32 Geflüchtete, ist reif für die Abrissbirne. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das die Gemeinde Bad Wiessee in Auftrag gegeben hat. Wie berichtete, haben Setzungen beträchtliche Schäden an dem Haus verursacht. Eine Sanierung lohnt nicht mehr, wie der Wiesseer Geschäftsleiter Hilmar Danzinger deutlich macht: „Das ist ein Abrissbestand.“ Der Gutachter empfehle, das Haus zum Jahresende für eine Wohnnutzung zu sperren. Die Statik wird bis dahin laufend überwacht.

Haus Rheinland in Bad Wiessee: Vertrag läuft nur bis zum Jahresende

Länger als bis zum Jahresende hätte das marode Haus ohnehin nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft dienen sollen. Der Vertrag zwischen der Gemeinde Bad Wiessee und dem Landratsamt Miesbach endet am 31. Dezember 2019. Obwohl das Haus bis dahin noch genutzt werden darf, hat das Landratsamt vorsorglich Pläne entwickelt, sollten die Bewohner Haus Rheinland vorzeitig verlassen müssen, erklärt Sophie Stadler als stellvertretende Pressesprecherin. Allerdings gestalte sich diese Planung derzeit schwierig. „Jeder vorhandene Platz wird so lange wie möglich benötigt“, macht Stadler klar. Durch die regelmäßigen Zuweisungen von Asylbewerbern würden die wenigen noch vorhandenen Plätze durch Personen belegt, die aus den Anker-Zentren in eine Anschlussunterbringung umverteilt werden müssen. „Aktuell können wir nicht zusagen, ob alle Personen aus Haus Rheinland ersatzweise innerhalb des Landkreises untergebracht werden können“, erklärt Stadler.

Gemeinde Bad Wiessee hat Haus Rheinland 2014 gekauft 

Gekauft hatte die Gemeinde Bad Wiessee das Anwesen kurz vor Weihnachten 2014. Bis April 2014 war es noch als Gästehaus in Betrieb. Die Kommune zahlte 1,5 Millionen Euro für das 2240 Quadratmeter große Grundstück in zentraler Lage. Es befindet sich an der Ortsdurchfahrt, in der Nachbarschaft des Grühn-Areals, auf dem das seit einem Jahr geschlossene Hotel Ritter steht. Mit dem Kauf war Bürgermeister Peter Höß (FWG) ein Coup geglückt. Denn auf die Liegenschaft hatten zahlungskräftige Investoren ein Auge geworfen. Die Gemeinde blockte eine Umwandlung in Eigentumswohnungen ab und setzte sich letztlich durch: Höß gelang es, die Eigentümerin zum Verkauf an die Gemeinde zu bewegen.

Die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft war stets lediglich als Zwischenlösung gedacht. Vielmehr wollte die Gemeinde aus ortsplanerischer Sicht die Hand auf das Grundstück legen. Wie die Planung aussehen wird, ist unterdessen völlig offen. „Es bietet sich eine Verschmelzung mit dem Grühn-Areal an“, meint Geschäftsleiter Danzinger. Doch das steht aktuell wieder zum Verkauf. Die Firma Euroboden, die das Grundstück entwickeln wollte, erklärte Anfang August ihren Rückzug. Das Unternehmen löste den Kaufvertrag wieder, den es für einen Teil der Fläche geschlossen hatte. Der Grund sind die verzwickten Eigentumsverhältnisse: Das 7600 Quadratmeter Areal mit dem einst florierenden Hotel gehört einer Erbengemeinschaft.

Flüchtlingsunterkunft Haus Rheinland: Jeden Monat 10.800 Euro Miete 

Nach dem Auszug der Geflüchteten wird Haus Rheinland wohl einfach leer stehen. Das Problem sind, wie so oft in Bad Wiessee, die schwierigen Bodenverhältnisse. Das Haus steht auf Holzpfählen, die zu schimmeln begannen, als der Grundwasserspiegel nach Bewegungen im Boden sank. Im Haus Rheinland sind wegen des Schimmels zwei Zimmer nicht mehr bewohnbar.

Ein gutes Geschäft hat die Gemeinde Bad Wiessee mit dem Kauf auf jeden Fall gemacht: Das Grundstück dürfte viel wert sind. Und für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft hat Haus Rheinland jeden Monat 10 800 Euro Miete eingebracht.

Lesen Sie auch: Schimmel im Flüchtlingsheim: Haus Rheinland schließt zum Jahresende

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