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In Bad Wiessee wurden die Zweitwohnungen bereits neu begutachtet. Weil die Mietpreise stark gestiegen sind, müssen die Besitzer nun auch mehr Steuern entrichten.

Nach Satzungsänderung und Neuberechnung

„Höchst unseriös“: Besitzer von Zweitwohnung empört sich über Steuerbescheid

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Für die Zweitwohnungssteuer gibt‘s  eine neue Satzung. Am Tegernsee wurden die ersten Bescheide an die Bürger verschickt. Und in Bad Wiessee wird schon wieder gemosert.

Tegernseer Tal – Inge und Wilhelm Ammon aus Fürth gehören zu den rund 500 Zweitwohnungs-Eigentümern, die es allein in der Gemeinde Bad Wiessee gibt. Kürzlich flatterte der Familie der neue Steuerbescheid für ihren Nebenwohnsitz ins Haus. Und der sorgte für gewaltigen Unmut bei den Ammons. „Die Überraschung und Enttäuschung war groß“, erklären sie in einem Antwortschreiben an Bürgermeister Peter Höß (FWG). Für die Ferienwohnung „von nur 88 qm“ solle man statt bisher 900 Euro nun 1140 Euro pro Jahr berappen. Dies sei eine Erhöhung von 27 Prozent, empören sich die Eheleute und bezeichnen dies als „höchst unseriös“.

Ein Vorwurf, dem Hilmar Danzinger, Geschäftsleiter im Wiesseer Rathaus, mit einer sachlichen Klarstellung begegnet. Bekanntlich musste Bad Wiessee – so wie alle anderen betroffenen Gemeinden auch – Anfang des Jahres die Berechnungsgrundlage für die Zweitwohnungssteuer ändern, nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nach Klagen zweier Wohnungseigentümer das bisherige Stufenmodell gekippt hatte. Die Kämmerer rund um den See einigten sich daraufhin auf eine talweit einheitliche Steuersatzung, die Folgendes besagt: Künftig sind zwölf Prozent der Nettokaltmiete zu entrichten.

Dass es im Falle der Ammons zu besagter Erhöhung kam, liegt laut Danzinger dabei weniger am neuen Berechnungsmodell, sondern vielmehr an der aktuellen Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Bad Wiessee habe Anfang 2018 einen vereidigten Sachverständigen damit beauftragt, ein neues Gutachten für die Zweitwohnsitze zu erstellen, „das den Mietpreis pro Quadratmeter Wohnfläche je nach Lage, Größe und Alter der Wohnung errechnet“. So ein Gutachten gab es auch früher schon, es stammte allerdings aus dem Jahr 2014. „Da sowohl die Kauf- als auch die Mietpreise in den vergangenen vier Jahren stark angestiegen sind, kommt es allein dadurch zu einem höheren Abgabensatz“, sagt Danzinger. Oder anders ausgedrückt: Auch beim alten Stufenmodell wären die Zweitwohnsitzler in Bad Wiessee ab sofort stärker zur Kasse gebeten worden.

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Doch wie handhaben die anderen Tal-Gemeinden die neue Satzung in der Praxis? Beispiel Gmund: Hier ist Rathaus-Mitarbeiter Sven Schlegel gerade dabei, die einzelnen Zweitwohnsitze im Ort abzuarbeiten und deren Kaltmieten neu zu berechnen. Als Grundlage dienen ihm dabei nach eigenen Angaben das bisherige Gutachten und – als aktueller Gradmesser – die Angaben in veröffentlichten Wohnungsinseraten. Die entsprechenden Steuerbescheide, so schätzt er, gehen im Mai oder Juni raus.

Auch in Kreuth liegt man mit der Berechnung in den letzten Zügen, wie Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) berichtet. Ein neues Gutachten zur Ermittlung der aktuellen Netto-Kaltmieten hat die südlichste Tal-Gemeinde dabei noch nicht in Auftrag gegeben. „Wir rechnen für heuer noch mit den alten Werten“, sagt der Rathaus-Chef. Erst nächstes oder spätestens übernächstes Jahr werde Kreuth das bestehende Gutachten fortschreiben lassen. Trotzdem könne es sein, dass es auch bei den Kreuther Zweitwohnungsbesitzern zu Schwankungen kommt: „Manche zahlen nach dem neuen Berechnungsmodell ein bisserl weniger, manche ein bisserl mehr.“

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Schon verschickt wurden die Bescheide in Rottach-Egern, wo es nach Auskunft aus dem Rathaus bisher aber keine Beschwerden gab. Und was ist mit Tegernsee? Die Stadt macht in dieser Sache das Schlusslicht: Der Stadtrat muss erst noch über die Verabschiedung der neuen Satzung abstimmen. Das Thema steht am Dienstag, 8. Mai, auf der Tagesordnung.

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