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Würde alles mit einer Heizung warm: Jodbadareal samt Badepark sowie umliegende Hotels und Privathäuser.

Wie Hotel, Jodbad und Badepark in Zukunft heizen?

Tal-Klimaschützer fordern Kraftwerk für Kurviertel

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Bad Wiessee - Die Tal-Klimaschützer stellten sich erstmals den Bürgern. Knapp 50 Energiespar-Interessierte folgten der Einladung in die Wiesseer Post. Fürs Kurviertel hatten sie konkrete Forderungen.

Was haben geplantes Luxus-Hotel, neues Jodbad und Badepark gemeinsam? Sie sind allesamt richtige Energiefresser. Nun, da bald in dem ganzen Areal abgerissen und neu aufgebaut wird, sieht Karl Schönbauer (65), die einmalige Chance, endlich auch im Tal einen großen Schritt in Richtung Energiewende zu machen – und zwar mit einem Nahwärme-Kraftwerk.

Schönbauer ist Sprecher des Arbeitskreises Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (ATTEK), der sich im Dezember auf seine Initiative hin gegründet hat (wir berichteten). Die Idee ist, dass die Tal-Gemeinden bei der Energiewende zusammenarbeiten und nicht jede ihren eigenen Energiesparbrei zusammenkocht. Schönbauer bringt seine Aufgabe so auf den Punkt: „Ein Tal. Ein Termin. Ein Thema. Und nicht fünf Termine für das gleiche Thema.“

Den einen Termin gab’s jetzt in Bad Wiessee. Das ganze Tal war eingeladen. Gekommen sind knapp 50. Klingt nach nicht viel, aber für so ein trockenes Thema sei das schon eine ganze Menge, sagt Schönbauer. „Ich war schon bei Veranstaltungen der Energiewende Oberland. Da gab’s mehr Referenten als Zuhörer.“

Karl Schönbauer, Sprecher des ATTEK.

Die, die da waren, wurden nicht enttäuscht. Andreas Scharli von der Energiewende Oberland erklärte, wie der Hausbesitzer am besten Subventionen für energetische Sanierungen abgreifen kann. Sonst ging’s um Wiessee selbst, quasi als Vorbild für die anderen Kommunen im Tal. Gemeinderat Rolf Neresheimer (ranBW) referierte über Chancen der lokalen Energieerzeugung – Hackschnitzel aus dem Wiesseer Wald und Solaranlagen auf den Dächern. Wiessee hat außerdem als einzige Gemeinde am See schon im November 2014 einen Energienutzungsplan in Auftrag gegeben. Die Steinbacher-Consult Ingenieurgesellschaft rechnet seitdem anhand der Daten von Gemeindeverwaltung, Ämtern und Umfragen im Ort den Energiebedarf der Wiesseer aus. 

Noch ist der Plan nicht fertig. Aber eine Erkenntnis gibt’s schon: Das neue Jodbadareal wäre laut Schönbauer ideal für ein Nahwärmekraftwerk – quasi eine Heizung für ein ganzes Viertel, betrieben mit Hackschnitzeln aus den umliegenden Wäldern. Eigentlich das gleiche wie Fernwärme, nur eben für kleinere Einheiten. Betreiber könnte die Gemeinde sein oder das E-Werk, das übrigens ebenfalls vertreten war, und zwar durch den stellvertretenden Werksleiter Manfred Pfeiler.

Wegen der Seelage sei ein großes Fernwärmekraftwerk fürs ganze Tal nicht möglich, sagt Schönbauer: „Wir müssen mit Insellösungen arbeiten.“ Vorteile der Nahwärme: Der Wirkungsgrad ist höher als beim eigenen Ölofen im Keller – und es gibt nur einen statt 200 Schornsteinen. Der ist leichter und intensiver zu warten, die Abgase dürften wesentlich geringer sein. Soweit die Idee. Wärmekonzepte sind deshalb so interessant, weil Heizung und Warmwasser fast 90 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ausmachen. Der reine Stromverbrauch fällt gerade mal mit neun Prozent ins Gewicht.

Die Planungen für das Jodbadareal sind weit fortgeschritten. Schönbauer hofft deshalb, dass auch der Energienutzungsplan bald fertig wird – und die Gemeinde reagiert. Mit den ganzen Baustellen sei das jetzt eine einmalige Chance, um gleich ein Nahwärmenetz einzurichten und würde einen Bruchteil des Geldes kosten. „Wenn, dann jetzt“, fordert Schönbauer.

Gleichzeitig müssten die anderen Tal-Gemeinden mit eigenen Energienutzungsplänen nachziehen. Die sind laut Schönbauer eigentlich ganz offen für die Idee – bis auf eine: „In Gmund muss ich noch Überzeugungsarbeit leisten.“

kmm

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