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Für die Gewerbeflächen in dem Komplex hat sich bislang kein Interessent gefunden. Jetzt werden sie zu Ferienwohnungen umgebaut.

Gemeinde schließt Kompromiss

Ferienwohnungen statt Leerstand 

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Der Neubau hinter dem Wiesseer Rathaus bietet einen trostlosen Anblick. Das soll sich bald ändern. Dafür hat die Gemeinde nun zugestimmt, aus den Ladenflächen Ferienwohnungen zu machen.

„Das ist insgesamt unglücklich gelaufen“, sagt Wiessees Bauamtsleiter Helmut Köckeis zu dem Geisterbau zwischen Rathaus und Netto-Markt. Zwei Wohn- und Geschäftshäuser, zumindest das Erdgeschoss von Haus 1 mit Ladenzeile steht komplett leer. Von seinem Büro blickt Köckeis auf dunkle Schaufensterscheiben, billige Bretterbalkone und Gestrüpp zwischen den Häusern. Ein Ärgernis, wie die hellgelbe Fassade. „Die muss weiß werden“, erklärt Köckeis. So will es die Wiesseer Ortsgestaltungssatzung. 

In einem Gespräch mit den Eigentümern haben Bürgermeister Peter Höß und Köckeis den neuen Anstrich durchgesetzt. Es wird das dritte Mal sein, dass Maler an den Häusern werkeln. Erst wurde ein dunkles Gelb aufgetragen. Als das Bauamt die Farbgebung monierte, ließ der Eigentümer die Fassade weiß überstreichen. „Seitdem ist sie hellgelb“, seufzt Köckeis. Das gefällt im Rathaus ebenso wenig wie die billigen Bretter an den Balkonen und die verwilderten Freiflächen. Aber auch in diesen Punkten habe man sich geeinigt, berichtet Köckeis. Die Häuser bekommen hochwertige Holzbalkone, das Grün wird ordentlich gestaltet. Und die Schaufensterscheiben verschwinden. 

Letzteres deshalb, weil die Gemeinde ein Zugeständnis gemacht hat. Sie stimme der Umnutzung der vier Läden in Ferienwohnungen zu, erklärt Bürgermeister Peter Höß (FWG). Das diene dem Tourismus. Im Rathaus werde man ein Auge darauf haben, dass tatsächlich Ferienappartements geschaffen werden und nicht einfach nur Wohnungen. Denn eben dies will die Gemeinde nicht, weshalb der Bauausschuss im November eine Nutzungsänderung abgelehnt hatte. Florian Sareiter (CSU) sprach von Salami-Taktik. Bald werde es heißen, die Ferienwohnungen ließen sich nicht vermieten. Und dann würden sie halt Wohnungen, führte Sareiter an. Der Ausschuss verknüpfte die Ablehnung mit dem Auftrag an die Verwaltung, das nun geführte Gespräch mit dem Eigentümer zu suchen. 

Der ist nun übrigens ein anderer. Die Münchner Firma Tria Ena, Bauherrin des Objekts, habe alle noch nicht verkauften Flächen veräußert und sei raus aus der Sache, berichtet Köckeis. Mit dem neuen Mehrheits-Eigentümer habe sich die Gemeinde wie geschildert geeinigt: Das Anwesen wird nach den Wünschen der Gemeinde aufgehübscht, dafür dürfen aus den vier Läden Ferienwohnungen werden. Noch fehle die Genehmigung des Landratsamtes, meint Köckeis, aber es gebe positive Signale. Mit der Umsetzung der Vereinbarung sei bald zu rechnen. 

Dann ist ein ziemlich unschönes Kapitel beendet. Um die Genehmigung für zwei Häuser mit Tiefgarage hatte Tria Ena jahrelang mit der Gemeinde gestritten. 2011 wurden sie als Wohn- und Geschäftshäuser bewilligt. Weil Tria Ena aber lieber nur Wohnungen bauen wollte, befasste sich das Bayerische Verwaltungsgericht im August 2013 mit dem Fall. Die Firma konnte sich nicht durchsetzen, die Läden wurden gebaut. Aber nie eröffnet: Offensichtlich fand sich kein Interessent. 

Anders sieht es bei den acht Wohnungen in Haus 1 aus: Sie waren schon im Herbst alle verkauft. Im Haus 2 befinden sich Büroflächen und Wohnungen. Hier gab’s mit der Zufahrt Probleme, auch die Tiefgarage mit ihren 30 Plätzen war nicht ganz den Vorgaben entsprechend angelegt worden. Darum hatte das Landratsamt den Ausbau zeitweise eingestellt. Zu den Gründen hatte sich Köckeis schon im November geäußert: „Da gab es totale Planungsfehler.“

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