Eine Oase der Ruhe sind die frisch bepflanzten Innenhöfe des Jodschwefelbads. Badefrau Sigrid Bichl (r.) leitet einen Gast in die Kabine.  Foto: Thomas Plettenberg
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Unter strengen Hygieneregeln hat das neue Jodschwefelbad in Bad Wiessee trotz Corona-Krise geöffnet.

Bericht des Geschäftsführers

Viel Lob trotz roter Zahlen: Neues Wiesseer Jodbad schlägt sich wacker in der Krise

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Das neue Jodschwefelbad in Bad Wiessee kommt offenbar besser durch die Krise als befürchtet. Der Bericht, den Geschäftsführer Helmut Karg nun vorlegte, stimmte den Gemeinderat jedenfalls zuversichtlich.

Bad Wiessee – Die nackten Zahlen klingen zunächst wenig erbaulich. Rund 73.000 Euro Umsatz hat das neue Jodbad der Gemeinde Bad Wiessee in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 erwirtschaftet. Damit liegt man etwa 35 Prozent unter dem geplanten Ansatz, wie Helmut Karg – seit Oktober 2020 mit der Leitung des neuen Flaggschiffs betraut – im Gemeinderat mitteilte. Insgesamt steht am Ende dieses Quartals ein Verlust von knapp 176.000 Euro.

Allerdings, so wurde bei der Sitzung deutlich, müsse man diese Zahlen unter den besonderen Vorzeichen der Pandemie betrachten. Bis 10. Januar hatte das Jodbad komplett geschlossen, danach konnten Anwendungen bis 8. März nur auf Rezept verabreicht werden. „Das hat sich nicht so katastrophal ausgewirkt wie gedacht“, erklärte Karg, der zudem für den April eine deutliche Besserung prognostizierte. „Wir dürfen davon ausgehen, dass wir dann das geplante Niveau erreichen werden.“

Zahl der Privatzahler hat sich deutlich reduziert

Das Klientel des Jodbads hat sich aufgrund der zunächst herrschenden Rezeptpflicht in den ersten Monaten des Jahres massiv gewandelt, wie Karg berichtete. Sind es normalerweise gut 70 Prozent Privatzahler, die sich eine Anwendung mit dem Heilwasser gönnen, so hat sich dieser Anteil auf 50 Prozent reduziert. Die übrigen Besucher waren Kassenpatienten. „Das hat sich dramatisch verschoben“, erläuterte Karg. Erstaunlich außerdem: Im ersten Quartal kamen rund zwei Drittel der Gäste aus dem Tegernseer Tal, im gleichen Zeitraum des Vorjahres war es weniger als die Hälfte.

Künftig wird‘s im Jodbad eine Privat-Lounge geben

Auch von Einsparungen konnte Karg berichten. So wurden allein die Kosten im Personalbereich um knapp 30 Prozent reduziert. Für die Zukunft ist zudem eine Reihe von Maßnahmen und neuen Angeboten geplant, die das Jodbad weiter voranbringen sollen. So werde der Physiotherapie-Bereich weiter ausgebaut und ein eigenes Nachwuchssystem für den Therapiebereich geschaffen. Darüber hinaus ist die Einrichtung einer privaten Lounge geplant, die Jodbad-Besucher – ähnlich wie ein Hotelzimmer – buchen können. Von dort aus können sie dann die verschiedenen Anwendungen in Anspruch nehmen. „Wir müssen die Verweildauer nach oben bekommen“, sagt Karg auf Nachfrage.

Lob für Kargs Arbeit aus den Gemeinderats-Reihen

Der Gemeinderat nahm den Bericht des Jodbad-Chefs durchweg wohlwollend zur Kenntnis. „Man sieht die Dynamik und den Fortschritt im Haus“, sagte Bernd Kuntze-Fechner (SPD). Und auch CSU-Sprecher Florian Sareiter, bekanntermaßen ein Kritiker des neuen Jodbads, lobte die Arbeit Kargs: „Man merkt, es tut sich etwas.“ Allerdings sei das Jodbad noch lange nicht da angekommen, wo es hinkommen könne und möchte. Die Reduzierung der Personalkosten sei gut – allerdings müsse man dort noch weiter ansetzen, so Sareiter.

Lesen Sie hier: Startschwierigkeiten im Jodschwefelbad: „Prozesse müssen sich einschwingen“

FWG-Kollege Wilhelm Dörder wertete die vorgelegten Zahlen und Ausführungen als „positive Nachrichten“ inmitten der Krise. „Das sollte uns zuversichtlich stimmen“, meinte er. Das Jodbad sei ein Pfund, mit dem Bad Wiessee wuchern könne. „Wir sollten also Zuversicht ausstrahlen“, forderte Dörder.

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