+
Heizen mit Hackschnitzeln: Im Kurviertel soll ein neues Energiekonzept realisiert werden. Der favorisierte Standort der Heizzentrale ist neben dem Badepark. An die Ringleitung können alle Hausbesitzer anschließen. 

Bad Wiessee plant Biomasse-Heizwerk

Nahwärme: Mit Hackschnitzeln zur Energiewende

  • schließen

Mit dem neuen Hotelkomplex auf dem Jodbadgelände könnte ein Biomasseheizwerk entstehen. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie überzeugte den Gemeinderat. Aber: Es braucht die Zusagen von vier Großkunden. 

Bad Wiessee– „Es könnte ein guter Beitrag zur Energiewende sein“, meinte Bürgermeister Peter Höß. Die Idee: Nachdem im Kurviertel ohnehin kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, kann in dem Gebiet auch gleich ein innovatives Energiekonzept umgesetzt werden. Und was böte sich mehr an, als das Holz zu nutzen, das in und um Bad Wiessee reichlich wächst? Ein Gedanke, den auch der Arbeitskreis Tegernseer Tal, Energie und Klimaschutz, kurz ATTEK, sehr befördert.

Um zu prüfen, was möglich ist, hat die Gemeinde im November 2016 das Miesbacher Ingenieurbüro EST beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Das Ergebnis stellte EST-Geschäftsführer Michael Brünner dem Gemeinderat unmittelbar nach der Präsentation der SME-Pläne (wir berichteten) vor. Mit dabei war mit Sebastian Henghuber auch gleich der Chef des Unternehmens, das in die Betreibergesellschaft einsteigen möchte: die MW Biomasse AG mit Sitz in Irschenberg. Das Unternehmen stehe für nachhaltige Waldwirtschaft, versicherte Henghuber. Verheizt wird feuchtes Restholz, das bei der Waldwirtschaft anfällt. Material gibt’s in der Umgebung reichlich: Allein in Bad Wiessee wächst 24

00 Hektar Wald. „Gespeicherte Sonnenenergie“, wie Henghuber sagt.

Wie das Heizwerk und die zugehörige Ringleitung aussehen könnte, legte Brünner schon konkret dar. Basis ist seine Untersuchung des Gebietes im Kurviertel mit 95 Gebäuden. Sechs mögliche Standorte für das Heizwerk hat er untersucht: am geplanten Kreisverkehr, am Hügelweg, bei der Spiel- und Sportarena, am Kirchenweg, am Strüngmann-Gelände und beim Badepark. Die meisten Pluspunkte gab’s für den letztgenannten Platz.

Das Heizhaus soll sechs Meter hoch, 24 Meter lang und 16 Meter breit werden. Der Brennstoffbunker liegt unterirdisch, es gibt kein offenes Lager. Sechs Millionen würde es kosten, die Heizzentrale mit Ringleitung herzustellen. Anschließen kann jeder, der im Bereich der Leitung liegt, wobei Verästelungen möglich sind. Erreichbar ist laut Brünner eine Anschlussdichte von 64 Prozent. Aber: Damit das Projekt starten kann, müssen vier Großabnehmer von Anfang an dabei sein. Das sind neben SME das Autohaus Kathan mit fünf Anschlüssen, der gemeindliche Badepark und das geplante Hotel auf dem Seeufergrundstück der Familie Strüngmann.

Mit diesen Schlüsselkunden, beschloss der Gemeinderat, wird jetzt verhandelt. Dies war Teil des Grundsatzbeschlusses in Sachen Nahwärmenetz, mit dem der Gemeinderat bekundet, dass er die Realisierung des Nahwärmenetzes anstrebt. Unter anderem wird geprüft, ob der Bau beim Badepark möglich ist und die Betriebsgesellschaft gegründet werden kann. Dagegen stimmte nur Beate Meister (fraktionslos). Ihr Einwand: Vor dem Okay der Großkunden brauche die Gemeinde nichts beschließen. Dass die Nutzung des heimischen Holzes als Energieträger vorangetrieben werden soll, darüber waren sich alle einig. „Ich bin voll überzeugt“, erklärte Florian Sareiter (CSU) und war damit auf einer Linie mit Markus Trinkl (Wiesseer Block), der meinte: „Es ist extrem wichtig, dass wir unsere Waldwirtschaft unterstützen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wohnmobile: Ein Plätzchen nur für eine Nacht
Fast hätte es in Gmund einen Wohnmobil-Stellplatz gegeben. Doch die Pläne sind vom Tisch, neue nicht in Sicht. Aber: Ein Plätzchen für eine Nacht können Wohnmobilisten …
Wohnmobile: Ein Plätzchen nur für eine Nacht
Michael Pause: „Nicht jedes Youtube-Video ist ein Film“
Zum 15. Mal findet im Oktober das Bergfilm-Festival am Tegernsee statt. Michael Pause (64), bekannt von der BR-Sendung „Bergauf-Bergab“, war von Anfang an mit dabei. Im …
Michael Pause: „Nicht jedes Youtube-Video ist ein Film“
Nach Verpuffung am Wiesseer Jodbad: So geht es den Opfern
Schwere Verletzungen hatten zwei Arbeiter am 21. Juni bei einer Gas-Verpuffung in Bad Wiessee erlitten. Wiessees Bürgermeister Höß weiß, wie es ihnen inzwischen geht.
Nach Verpuffung am Wiesseer Jodbad: So geht es den Opfern
Fritz Wepper nach Reha in Wiessee wieder fit
Er ist munter wie eh und je: Drei Wochen lang hat sich Fritz Wepper nach seinem Zusammenbruch in der Privatklinik Jägerwinkel in Bad Wiessee erholt. Nun ist der …
Fritz Wepper nach Reha in Wiessee wieder fit

Kommentare